„Wir wollen keinen Stress, sondern den Dialog mit Herrn Lenzen!“ | FURIOS Online – Campusmagazin an der FU Berlin

„Wir wollen keinen Stress, sondern den Dialog mit Herrn Lenzen!“

Im Anschluss an die Vollversammlung gingen am heutigen Dienstag hunderte Studenten zur Besetzung des Präsidiums über. Der gewünschte Dialog blieb aus. Am Ende räumte die Polizei das Gelände.


Vollversammlung der Streikinitiative

Vollversammlung in der Silberlaube: Laut Veranstaltern kamen 1300 Studenten. Foto: Cora-Mae Gregorschewski.

Siehe auch: Kühlschrankplünderung für bessere Bildung, Die Tempelstürmer und Bildungsstreik: Stand der Dinge.

Von Sophie Jankowski und Tobias Heimbach

„Wir finden die Bachelor-Master-Kacke total beschissen!“, eröffnet eine Organisatorin die Vollversammlung an der FU. Laut Veranstaltern sind 1300 Studenten anwesend. Als es zu einer Abstimmung über Änderungen der Streikforderungen kommen soll, stürmt ein Student aufs Podium: „Das Präsidium ist besetzt!“ Ein Drittel der Anwesenden springt bereits auf. Einzelne wollen die Abstimmung durchführen und brüllen ins allgemeine Chaos. Die Veranstalter bitten die Menge, darüber abzustimmen, ob jetzt noch abgestimmt wird oder die Abstimmung verschoben werden soll. Zu dem Zeitpunkt ist die Hälfte der Studenten unterwegs in die Kaiserswerther Straße.

Lenzen nicht zu Hause

Dort hängen schon die ersten Banner vom präsidialen Balkon, inklusive einer großen weißen „Besetzt“-Fahne. Die Neuankömmlinge beginnen gleich mit der Hausbegehung. Das Foyer ist voll mit Besetzern und Schaulustigen. Sie strömen die Treppe hoch zu den oberen Etagen, wo sich auch Lenzens Büro befindet. Der Präsident ist jedoch nicht zum Gespräch bereit, da er angeblich nicht im Haus ist. „Elite ist Scheiße!“, schmieren die Aktivisten mit rosa Textmarkern an die Türen. Einige Demonstranten bedienen sich in der Kaffeeküche. In der zweiten Etage kann man von einem Büro aus durchs Fenster den Balkon erreichen. Ein Mitarbeiter hat einen Stuhl bereit gestellt, der das Aus-und Einsteigen erleichtert. Während die Studenten den Balkon stürmen, plaudert der kooperative Mitarbeiter mit einem Besetzer über den Reformstudiengang in Medizin.

Undemokratische Vollversammlung

Inzwischen ist auch der Treppenaufgang mit Plakaten versehen. Handzettel und Papierfetzen schneien von oben nach unten, während die Streikinitiative versucht, die Vollversammlung im Foyer weiterzuführen. VWL-Student Thomas findet das nicht gut: „Es scheint, als wolle sich die SDS profilieren, wenn sie Entscheidungen in so kleiner Runde fällt. Die Abstimmung über die Resolution muss demokratisch sein.“ Generell findet er die Besetzung allerdings gut. Thomas liebste Forderung ? „Dass der Lehrbetrieb für morgen ganz ausfällt, so dass jeder ohne Angst vor Versäumnissen streiken kann.“ Helene und Lena sitzen rauchend vor dem Präsidium und wollen gleich wieder reingehen. Beide finden es in Ordnung, dass die Vollversammlung im Foyer weitergeführt wird. „Wir wurden ja gefragt und haben alle die Hand gehoben“, so Helene. Sie seien auch für die generellen Ziele des Bildungsstreiks. „Wir haben zwar keine Studiengebühren, sind aber trotzdem dagegen“, sagt Lena.

Wir sind friedlich, was seid ihr?

Während im Foyer bei abnehmender Teilnehmeranzahl weiterdiskutiert wird, fahren immer mehr Polizeiautos vor. Die Studenten verhandeln mit den Polizisten. Bennett Schuster von den Besetzern betont: „Wir wollen keinen Stress, sondern in den Dialog mit Herrn Lenzen treten.“ Die Einsatzleitung setzt den Studenten hingegen ein Ultimatum von einer halben Stunde, um das Gebäude zu verlassen. Um 17. 30 Uhr beginnt die Polizei mit der Räumung. Zunächst drängen die Polizisten die Studenten vom Eingangsbereich weg. Daraufhin räumen die Polizisten die Treppe, wobei sie sitzende Studenten an den Armen hochziehen. Die Menge ruft „Wir sind friedlich, was seid ihr?“. Die Polizei entgegnet den Besetzern: „Wer jetzt rauskommt, braucht keine Strafverfolgung fürchten!“. Schließlich treten die letzten 50 Besetzer frei aus dem Präsidium. Die Demonstranten außerhalb des Gebäudes empfangen sie mit lautem Beifall: „Bildung für alle!“ Eine der Besetzerinnen ruft durchs Megaphon: „Auf zum OSI! Weitermachen!“

4 Kommentare

  • Es gibt keine friedliche Besetzung eines öffentlichen Gebäudes. Schon das Eindringen ist ein gewalttätiger Akt. Diese Besetzung sorgt nur für Unverständnis bei der Mehrzahl der 5000 Beschäftigten der FU. Gewalt ist kein Mittel, das unseren Forderungen hilft.

  • Ein Dialog mit „Herrn Lenzen“ – das schafft vielleicht die unternehmerfreundliche FURIOS (in einem wunderbar inhaltsleeren Interview). Aber mit sog. „Funktionären“ will der Mann ja nicht reden. Wen er meint? Wen, wenn nicht die gewählten Vertreter_innen der verfassten Studierendenschaft? Ein „Dialog auf Augenhöhe“ ist also nicht möglich – warum dann nicht auch mal Dieters gute Stube aufsuchen?

  • @Ronny: FURIOS hat eine öffentliche Mailingliste, in die sich jeder Eintragen kann (siehe rechte Seite). Vor dem Interview haben wir in diesem Verteiler gefragt, welche Fragen wir Präsident Lenzen stellen sollen. Jeder hätte die Inhalte des Interviews mitbestimmen können und die Fragen einbringen können, die er nicht für inhaltsleer hält. Vielleicht beim nächsten Mal!

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