Fahren wie Bond, aber hoffentlich besser | FURIOS Online

Fahren wie Bond, aber hoffentlich besser

Spirit of Berlin

Medienstar: Spirit of Berlin, das ferngesteuerte Auto auf dem Flughafen Tempelhof.

Zwischen Rüstungs- und Autoindustrie: Mit der Entwicklung autonom gesteuerter Fahrzeuge bewegt sich die Freie Universität in einem umkämpften Gebiet. Gestern präsentierte sie der Presse das erste Auto, das per iPhone gesteuert werden kann – für zivile Zwecke.

von Tin Fischer

Der stillgelegte Flughafen Tempelhof ist zur Zeit eine Spielwiese für Zukunftsvisionen. Im Vergleich zum 1000-Meter hohen Berg, den hier ein Architekt errichten will, wirkte die Präsentation eines Autos, das mit dem iPhone gesteuert werden kann, zwar wie Kinderkram. Ein Blick in die Zukunft des Strassenverkehrs war es aber allemal:

Gas geben, Steuern, Bremsen, durch die Windschutzscheibe blicken und Fehlerprotokolle anzeigen kann das iPhone der FU-Informatiker. Ein Meilenstein ist das zwar nicht. Aber weil die Presseabteilung «Autofahren wie James Bond» angekündigt hatte, kamen die Journalisten zahlreich. Dabei bräuchte das Auto längst keinen James Bond mehr. Bereits seit zwei Jahren kann es sich selbst steuern. Es erkennt andere Fahrzeuge, Verkehrszeichen und bald auch Fussgänger und Ampeln. Theoretisch könnte es sich alleine durch den Strassenverkehr bewegen, in 20 Jahren vielleicht sogar unfallfrei (was gegenüber James Bond ein echter Fortschritt wäre).

Krieg als Teststrecke?

In der Zwischenzeit lässt sich die Technologie in kleinerem Rahmen einsetzen. Busfahrer haben Schwierigkeiten, nicht zu nah und nicht zu weit vom Randstein anzuhalten. Eine automatische Steuerung könnte den Haltevorgang übernehmen. Putzfahrzeuge bewegen sich nur langsam durch den Verkehr. Sie könnten bald ohne Fahrer auskommen.

Das grösste Interesse hat allerdings die Rüstungsindustrie. Ob für autonom gesteuerte Panzer oder unbemannte Hilfsgüter-Konvois, sie arbeitet intensiv an der Technologie. Dabei könnten Kriege einmal mehr zur unschönen Teststrecke für den Zivilverkehr werden, denn die beiden grössten nicht-technischen Probleme autonomer Fahrzeuge – die soziale Akzeptanz und die Haftungsfrage (wer ist schuld, wenn ein autonomes Fahrzeug einen Unfall baut?) – stellen sich im Krieg nicht. Vor zwei Jahren nahm das Team der Freien Universität in Kalifornien an einem Wettrennen autonom gesteuerter Fahrzeuge teil. Gesponsert hatte das Rennen das Amerikanische Verteidigungsministerium.

Wie gehen die Informatiker um Professor Raúl Rojas, die an der Technologie arbeiten, mit diesem Forschungsumfeld um? Für die nächsten zwei Jahre wird ihr Projekt mit 2 Millionen Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Während die Münchner Universitäten TU und LMU zumindest mit der Bundeswehr zusammenarbeiten, halten sich die FU-Informatiker von militärischen Geldern fern. «Wir wollen keine Fahrzeuge entwickeln, die später Kriege führen», sagt einer der Doktoranden. Die Rüstungsindustrie selbst hält sich aus den Universitäten sowieso raus.

Weniger Autos, gleich viele Kilometer

Bleibt die grundsätzliche Frage, warum eine Universität ein Produkt entwickelt, an dem bereits die Automobilindustrie arbeitet. «Wir verfolgen andere Ziele», sagt Rojas. «Die Konzerne denken kurzfristiger und haben andere Interessen.» Anders als die Autokonzerne wolle er mit seinem Team den Autoverbrauch senken. Autonom gesteuerte Autos könnten wie Taxis funktionieren: man bestellt sie sich vor sein Haus und entlässt sie am Zielort wieder in die Autonomie. Das senkt zwar nicht die Kilometerzahl, aber zumindest könnten sich mehrere Personen ein Auto teilen.

2 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Keiner weiß, was sie letzten Sommer getan haben

Anonyme Versammelte, befremdliche Kommunikationsriten. Fotografieren? Entsetzen. Nein, unsere Autorin Claudia Schumacher begab sich nicht unter Freimaurer, nur ins Studierendenparlament.  » weiterlesen