Raúl rennt: Informatiker Rojas bewirbt sich um FU-Präsidium | FURIOS Online

Raúl rennt: Informatiker Rojas bewirbt sich um FU-Präsidium

Noch rennt er am Präsidium vorbei. Kommt er bald rein? Informatiker Raúl Rojas.

Foto: running-for-president.de

Eine kleine Sensation: Raúl Rojas, Vater der Fussballroboter und heimliches Aushängeschild der FU, kandidiert für das Präsidium.

von Tin Fischer

So sieht man Professoren selten und Informatiker wahrscheinlich nie: Auf seiner Website «Running for President» joggt Raúl Rojas, Professor für Informatik an der FU Berlin, über den Dahlemer Campus. Sein Lauf hat ein Ziel: Rojas kandidiert für das Präsidium der Freien Universität. Das hat er heute öffentlich gemacht.

Dass ein Kandidat für das Präsidentenamt einer Universität öffentlich Wahlkampf macht, ist mehr als ungewöhnlich. Und noch dazu so kurzfristig. Schon morgen wird im Akademischen Senat eine Vorauswahl getroffen, ein Drittel der Stimmen ist erforderlich. Die Namen der Kandidaten sind nicht offiziell bekannt. Aber man darf vermuten, dass die Shortlist im Hintergrund bereits gemacht wurde – und dass der Aussenseiter Rojas nicht drauf steht.

Deshalb ist er mit seiner Kandidatur – und einem Wahlprogramm – an die Öffentlichkeit gegangen. «Ich würde es begrüßen, wenn wir einen öffentlichen Wahlkampf hätten», sagt er gegenüber FURIOS Online. Und betont: «Aber nicht um Personen! Ich strebe nicht an, dass man über mich redet. Ich möchte, dass man über die Universität redet.»

Sein Ziel ist, eine Kommission einzurichten, in der offen und «ohne Tabus» über die Zukunft der Freien Universität diskutiert wird. Dabei schlägt er nicht nur vor, universitätsintern die Verantwortung von oben nach unten zu verteilen und ständigen Kontakt mit den Studenten zu halten («damit diese nicht wie Geysire regelmäßig explodieren»). Auch über sensible Fragen will er reden, etwa wie viele Sozial- und wie viele Naturwissenschaften die FU haben soll. Sein Wahlprogramm stellt er – anders als seine Mitbewerber – online.

Ein Student habe ihn gefragt, ob sie jetzt T-Shirts mit seinem Gesicht drucken sollen. «Um Gotteswillen: Nein!», habe er gesagt. Aber klar ist: Wenn nicht gerade Semesterferien wären, würde man heute die ersten «Rojas for President»-T-Shirts im Obama-Style auf dem Campus sehen. Der Mexikaner ist populär, nicht nur unter Studenten. Er gilt als unkonventioneller Denker und erfolgreicher Wissenschaftlicher – und als das heimliche Aushängeschild der FU. Er hat mit berlinerisch beschränktem Budget Fußballroboter entwickelt, die an der Weltspitze mitspielen, und arbeitet an einem Auto, das sich selbst steuert. Zugleich hat er immer wieder nach neuen Unterrichtsformen gesucht.

Aber am wichtigsten für die FU, die in ihrer Vergangenheit immer wieder von politischen Grabenkämpfen gelähmt wurde: Rojas lässt sich in einem Links-Rechts-Schema nicht klar festlegen. Der ehemalige Präsident der FU, Dieter Lenzen, galt als wirtschaftsaffiner Vertreter einer unternehmerisch geführten Universität. Auch Rojas hält seine Studenten dazu an, Unternehmen zu gründen – damit ihre Ideen sozial nutzbar werden. Zugleich hat er zusammen mit linken Schwergewichten des Otto-Suhr-Instituts Bücher zur internationalen Schuldenkrise veröffentlicht. Er gilt als disziplinierter Pusher, der aber zugleich die Verschulung der Bologna-Studiengänge kritisiert. Wenn er jetzt den Dialog fordert, dann ist das auch ein Bruch mit Lenzen, der die Freie Universität nach vorn gebracht hat, indem er zermürbenden Diskussionen ausgewichen ist. Rojas hätte als einer der wenigen das Profil, sie zu führen. Nicht zuletzt deshalb, weil er Außenseiter und nicht die politisch-akademischen Seilschaften an der FU verwickelt ist. Bei der Vorauswahl morgen ist das allerdings ein Nachteil.

So oder so: FURIOS bleibt dran!

Gewählt wird voraussichtlich am 12. Mai.

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