Fuck Off!

Fuck Off! Von Simon Grunert

Was uns dieser erzürnte OSI-Student mit der kruden Geste sagen will, ist offensichtlich: Google, du Datenkrake, hau bloß ab! Kein weiteres Vordringen in meine Privatsphäre – my Uni is my Castle! Der Sturm der Entrüstung ob der marodierenden Google-Autos erweckte den Anschein, als fühlte die Mehrheit der Deutschen wie unser wütender Politikwissenschaftler. Dabei nutzten nur drei Prozent aller deutschen Haushalte die Möglichkeit, Einspruch zu erheben und ihre Fassade verpixeln zu lassen. Daher überrascht es nicht, wenn Google meldet, dass Street View in Deutschland von allen Nationen die meisten Klicks bekommt. Letzte Woche dann die Nachricht von den Pro-Street-View-Guerillas, die verpixelte Fassaden mit Eiern beworfen haben. Wenn Google-Nerds zu Eierwerfern werden, kann irgendwas nicht stimmen. Ein Riss geht durch Deutschland, die Fronten stehen sich unversöhnlich gegenüber. Es ist Zeit Farbe zu bekennen: Ich bin ein Street View-Fan. Google ist cool, weil …

… Fliegen teuer ist und Studenten arm sind. Der virtuelle Spaziergang durch Haight-Ashbury oder zum Eiffelturm direkt vom Schreibtisch aus ist deutlich erschwinglicher.

… man nie weiß, was einem an der nächsten Ecke begegnet. Man stolpert durch ein wahres Kuriositätenkabinett. Unfälle, urinierende Menschen und Taucher in der Vorstadt sind nur einige der Dinge, die die Zeit zwischen den Vorlesungen verkürzen.

… Privatsphäre eh neu überdacht werden muss. Auf Facebook geben die Leute freiwillig längst viel mehr preis, als Google nun sichtbar macht. Die Hysterie über keusche Fassadenbilder ist maßlos überzogen.

Auch Ästhetik spielt eine Rolle: Verpixelte Häuser sind hässlich, ruinieren das ganze Straßenbild. Dass ich selbst hinter unkenntlich gemachten Mauern residiere, stimmt mich traurig. Steckt dahinter der Schrebergärtner, der seinen ungemähten Rasen vor fremden Blicken schützen will? Ich erhebe Einspruch gegen den Einspruch! Entpixelt mich!

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2008

1 Response

  1. 30. November 2010

    […] Fuck Off! […]

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