#45 fsi wiwiss | FURIOS Online

#45 fsi wiwiss

Wer seid ihr?

Als Fachschaftsinitiative existieren wir bereits sehr lange am Fachbereich – so lange, dass wir das selbst nicht ganz genau wissen. Wir haben jedoch kürzlich in unserem Büro Plenumsprotokolle von 1978 gefunden. Somit gibt es die fsi wiwiss gesichert seit mittlerweile über 30 Jahren. Im StuPa sitzen wir auch schon sehr lange – genau ist uns das aber nicht bekannt. Im letzten Jahr erhielten wir sogar zwei StuPa-Sitze, was es uns ermöglichte unsere Arbeit dort zu intensivieren. Als Fachschaftsinitiative verorten wir uns im linken politischen Spektrum – dies korrespondiert in unseren Augen zwingend mit dem basisdemokratischen Grundgedanken von fsi’en. Dieser besagt, dass jede/jeder Interessierte sich unabhängig von Mandat und Posten gleichberechtigt in die Fachschaftsarbeit einbringen kann.

Welche konkreten Initiativen wollt ihr ergreifen, wenn ihr ins StuPa gewählt werdet?

  • mehr Rücksicht auf auslaufende Studiengänge (Rücknahme diverser im Zuge der Bachelor-Umstellung eingeführter und teils weiter verschärfter Zwangsexmatrikulationsregelungen; weniger Druck zum Studienabschluss)
  • breiteres Angebot und mehr Wahlmöglichkeiten im Bachelor (am FB Wiwiss konkret Veranstaltungen zu Marx, zur Dogmengeschichte, zu Wirtschaft aus gesellschaftswissenschaftlicher Perspektive sowie grundsätzlich die Aufnahme von Seminaren in die Bachelor-Studienordnung; insgesamt ist ein freies und selbstbestimmtes BA-Studium unsere Zielsetzung)
  • freier Zugang zum Master – es darf keine Selektion geben, da Selektion grundsätzlich mit Ungerechtigkeit und einer Verletzung des Gleichheitsgedankens verbunden ist.
  • keine Studiengebühren – auch dies führt zu sozialer Selektion und der Herausbildung von Eliten
  • keine weiteren Bibliotheksschließungen bzw. -ausdünnungen
  • Verkleinerung der Mensa I rückgängig machen
  • selbstorganisierte, selbstkostentragende studentische Café’s bzw. Freiräume erhalten
  • Einfluss der Wirtschaft an der Uni beschränken – auch nicht-kommerziell ausgerichtete Studiengänge haben ihre Berechtigung!

Das Problem ist, dass all diese Zielsetzungen außerhalb der Kompetenzen des StuPa liegen – d.h. das StuPa kann maximal einen mehr oder weniger symbolträchtigen Beschluss fassen, aber in keinster Weise konkret tätig werden bzw. den Großteil studentischer Forderungen umsetzen.

Daher fordern wir die strukturelle Überarbeitung der Funktionsweise von Hochschulpolitik (z.B. Wiedereinführung der Viertelparität in akademischen Gremien), um das Ständesystem an der Hochschule, also die absolute professorale Mehrheit auf allen Ebenen zu brechen und Veränderungen wieder möglich zu machen. Derzeit kann dies leider nur außerparlamentarisch, über Demos und kreative Aktionen angestoßen werden

Wir akzeptieren es nicht, studentische Forderungen den minimalen Möglichkeiten anzupassen und uns mit dem Status Quo zufriedenzugeben

Was ist euer Alleinstellungsmerkmal im Vergleich zu anderen Gruppen?

Wir haben kein Alleinstellungsmerkmal in dem Sinne – wie viele andere engagierte Fachschaftsinis versuchen wir seit Jahren auf Fachbereichsebene aber auch auf fachbereichsübergreifender Ebene studentische Interessen wirkungsvoll und ehrlich zu vertreten.

Natürlich haben wir einen Fokus auf die wirtschaftswissenschaftliche Fakultät, der wir auch kontinuierlich (nicht nur zur Wahl) eine ganze Reihe von Services zur Verfügung stellen (Altklausuren- und Mitschriftenservice, Bücherbörse, Beratung und Hilfe bei Problemen, intensive Gremienarbeit am FB um Studiengänge studierbar zu machen, Ersti-Wochen/Fahrten/Partys, Veranstaltungsreihen…). Viele dieser Services sind aber nur durch das ebenfalls starke Engagement anderer Fachschaftsinis und eine effektive fachbereichsübergreifende Kooperation zu bewältigen.

Mit welchem Einsatz habt ihr euch die (Wieder-) Wahl ins StuPa verdient?

Konkret auf das StuPa bezogen mit zahlreichen Initiativen im StuPa selbst, unter anderem die Initiierung einer Resolution gegenüber dem Studentenwerk Berlin bezüglich der unhaltbaren Versorgungssituation auf dem Campus rund um die Mensa I seit deren Teilschließung. Außerdem haben wir mithilfe von diversen StuPa-Resolutionen mehrfach versucht unser Büro / studentisches Café am FB vor einer Schließung zu Gunsten eines Drittmittelprojektes zu retten. Beides letztlich leider vergeblich. Dies bringt auch ganz gut die (leider) sehr beschränkten bzw. in der Regel lediglich symbolischen Kompetenzen des StuPa zum Ausdruck.

Allerdings ist es gerade für eine Fachschaftsinitiative prinzipiell äußerst wichtig, einen Vertreter im StuPa zu haben, um dort konkrete Probleme am Fachbereich ansprechen zu können und immer auf dem neusten Stand zu sein. Auch wenn Resolutionen des StuPa vorwiegend Symbolcharakter haben, ist es in unseren Augen wichtig, dies zu nutzen.

Zudem kämpfen viele Fachbereiche mit ähnlichen Problemen wie zum Beispiel Kürzungen, Schließungen und Schwierigkeiten im Zuge der Bachelor-Umstellung. Daher sind viele unserer Ziele nicht nur auf den Fachbereich fokussiert, sondern haben uniweiten Charakter. Die Solidarität Studierender verschiedener Fachbereiche untereinander sowie auch zwischen Studierenden und Angestellten der Universität oder anderen gesellschaftlichen Bereichen erfüllt somit eine wichtige Aufgabe und ist von herausragender Bedeutung.

Wie wollt ihr mehr Interesse bei den Studierenden für Campuspolitik und das StuPa wecken? Wie wollt ihr die Wahlbeteiligung erhöhen?

Das geringe Interesse an den StuPa-Wahlen und an Hochschulpolitik im Allgemeinen hat verschiedene Gründe. Zum einen gibt es sehr wenig Information über Hochschulpolitik, die vom durchschnittlichen Studenten auch wahrgenommen wird. Das führt dazu, dass man oftmals gar nicht weiß, was überhaupt gewählt wird bzw. was in den entsprechenden Gremien passiert. Auch von der kontinuierlichen Arbeit der in Gremien gewählten Hochschulgruppen dringt oftmals so gut wie gar nichts nach außen. Es fehlt also hier ein Anreiz seine Stimme abzugeben, weil vielen Studenten Hochschulpolitik an sich vollkommen egal ist, da sie von hochschulpolitischen Entscheidungen als solche nie etwas mitkriegen und sie somit keinen Sinn bzw. keine Chance darin sehen.

Auch diejenigen, die bereits über Hochschulpolitik informiert sind, haben ein Anreiz-Problem, da studentische Positionen in der Regel in den entscheidenden, akademischen Gremien niedergestimmt werden und sich auch hier die Frage nach dem Sinn dieser Gremienarbeit stellt.

Zum anderen fehlt vielen Studenten im Zuge der Umstellung auf die Bachelor-Studiengänge und der immer häufiger werdenden Notwendigkeit zu arbeiten auch zunehmend einfach die Zeit, sich auch noch mit Hochschulpolitik zu befassen.

Wenn man etwas wählt, will man auch wissen was man wählt und wofür man es wählt. Daher ist es äußerst wichtig, die Studenten in Info-Broschüren, Ersti-Wochen oder bei ähnlichen Anlässen mehr bei der Hand zu nehmen und Sie direkt bei Studienbeginn über die Möglichkeiten der Hochschulpolitik aufzuklären. Wir haben dies in den letzten Jahren verstärkt getan und hatten bei der letzten Wahl dann auch eine sehr positive Entwicklung der Wahlbeteiligung am Fachbereich. Auch abseits der Wahl sollte es einen besseren Informationsfluss zwischen HoPo-Gruppen und Studis geben – dies setzen wir im Rahmen einer intensiven Information über unseren Blog sowie auch über alle anderen uns zur Verfügung stehenden Informationskanäle stetig um.

Wie bewertet ihr die Arbeit des AStA im vergangenen Jahr?

Wir selber sind seit dem letzten Jahr aktiv im AStA vertreten und bewerten die Arbeit grundsätzlich als positiv. Man muss dies jedoch immer auch vor dem Hintergrund der sehr beschränkten Kompetenzen innerhalb der bestehenden akademischen Gremienstruktur sehen. Der AStA versucht dennoch mithilfe rechtlicher Interventionen gegenüber der Universität, dem Mittragen von Bildungsprotesten sowie einem reichhaltigen, unabhängigen und kritischen Beratungsangebot für Studierende seine Möglichkeiten effektiv im Sinne einer freien, gleichen und gerechten Bildung zu nutzen.

Es gibt an der FU einige AStA-kritische Gruppen, die von vornherein gegen alles sind, was der AStA tut. Hier gilt, dass zum Schluss nichts Positives herauskommt, wenn die Leitlinie ist, einfach das Gegenteil davon zu tun, was der politische Gegner macht.

Gerade die Fürsprecher einer „konstruktiveren“ Politik des AStA übersehen oftmals, dass viele ihrer Forderungen im Rahmen der AStA-Arbeit de facto überhaupt nicht umsetzbar sind. Wir sind der Überzeugung, dass es auch weiterhin einen linken, für die Universität unbequemen AStA geben muss, und sich nicht mit halbherzigen Kompromissen zufriedengeben darf.

Sollte des Semesterbeitrags aufgrund der gefallenen Zinseinnahmen auf 8 Euro erhöht werden?

Auch wir unterstützen grundsätzlich die Anhebung des Beitrages. Dies ist aufgrund der Zinsentwicklung, die in den letzten Jahren dramatisch war, aber auch aufgrund der Inflation der letzten Jahre notwendig, um an eine so großen Universität wie der FU handlungsfähig zu bleiben.

Die Erhöhung ist vor allem auf einen aus genannten Gründen gestiegenen finanziellen Bedarf des Semesterticket-Büros notwendig. Hier wird kontinuierlich eine sehr gute Arbeit geleistet, auch die Information durch eine Vertreterin des Semesterticket-Büros im StuPa zu diesem Sachverhalt war vorbildlich und transparent. Wer die in absoluten Zahlen für den einzelnen Studierenden minimale Erhöhung des Semesterbeitrags ablehnt, riskiert die Rückübertragung der Semesterticketverwaltung vom AStA an die Universität und damit eine deutlich unsozialere Gestaltung der Semesterticket-Modalitäten.

Wie steht ihr zum Zukunftskonzept „Internationale Netzwerkuniversität“? Welche alternativen Leitbilder haltet ihr ggf. für besser?

Dieses Zukunftskonzept, welches stark in Verbindung zum Erfolg der FU in der Exzellenzinitiative steht, ist äußerst kritisch zu betrachten. Natürlich gibt es hier positive Seiten wie die Vereinfachung von Austauschprogrammen für Studierende o.Ä.. Allerdings bringt das Konzept der Internationalen Netzwerkuniversität wie auch der Erfolg der FU in der Exzellenzinitiative eine stark unternehmerische Orientierung der Hochschule mit sich, welche sich äußerst dramatisch auf die Qualität sowie den Umfang der Lehre auswirkt. Demokratische Mitbestimmung wird durch im Rahmen der Hochschulfinanzierung geschaffene Realitäten auf Fachbereichs- und Institutsebene völlig ausgehebelt, da sich diesen Realitäten zu wiedersetzen einem finanziellen Selbstmord gleichen würde. Die Lehre ist vor diesem Hintergrund an der FU zur Nebenaufgabe geworden. Es geht in erster Linie um das Vermehren der öffentlichen Mittel durch unternehmerische Initiativen. Dies gilt es zu ändern.

Dass diese Herangehensweise enorme Risiken für die Universität und für die Bildung im Allgemeinen bürgt, zeigt die eine Million Euro, welche die FU kürzlich in einem Auslandsbüro in New York versenkt hat. Dies ist ein gutes Beispiel für den Größenwahn einiger Verantwortlicher an der Universität, dem es entgegenzutreten gilt.

Unis sind keine Unternehmen, sondern ein wichtiger Bestandteil der Gesellschaft. Aus diesem uns wichtigen und zentralen Grundsatz ergeben sich ganz viele verschiedene Ziele, die uns alle am Herzen liegen und da ist der momentane AStA auf einer sehr guten Linie.

Wenn ihr könntet: Welche Liste würdet ihr am liebsten aus den Wahlvorschlägen streichen?

Eigentlich darf unter demokratischen Gesichtspunkten natürlich kein ordnungsgemäßer Wahlvorschlag gestrichen werden. Aber wenn man vor diesem Hintergrund über die Arbeit einiger Gruppen intensiver nachdenkt, stellt sich die Frage, aus welcher Intention heraus einige Gruppen überhaupt für ein derartiges Gremium kandidieren.

Daher stehen wir sowohl der LHG als auch dem RCDS sehr kritisch gegenüber. Die LHG hat in der letzten Zeit einen enormen Rechtsruck erfahren und ist durchsetzt von ehemaligen Mitgliedern der Jungen Union. Diese Entwicklung sehen wir vor dem Hintergrund einer effektiven Vertretung studentischer Interessen als durchaus gefährlich an.

2 Kommentare

  • Hier gibt’s weitere Infos zur Wahl am FB Wiwiss sowie zu unserem Programm:
    < Link entfernt >

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    Hendrik Pauli

  • Um der Bitte von Hendrik zu entsprechen, hier also nun der allgemeine Verweis auf unseren Blog: Dort findet Ihr weitergehende Infos zu unserer Arbeit sowie zu unserem Wahlprogramm. (Google weiß alles ;-))

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