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Hoffen auf Guttenberg

Instant-Plakate und wiederverwertbare Flyer: Als konservativer Studierendenverbund trifft der RCDS an der FU auf wenig Gegenliebe. Ihr Wahlkampf ist ein echtes Katz- und Mausspiel. Michael Wingens hat sie für den dritten Teil von „Begegnungen im Wahlkampf“ begleitet.

Gegen eine gesichtslose Plakatmafia: Die Wahlkämpfer_innen des RCDS.

Foto: Michael Wingens

Bunte Farben, lustige Bilder, Luftballons und Getränke umsonst– es herrscht Wahlkampf auf dem Abenteuerspielplatz „Campus“ der FU. Rangeleien sind da vorprogrammiert – es wird geschubst, gehänselt und manch neue Sandburg dem Erdboden gleich gemacht. Einige sind zutiefst empört: „Natürlich brauchen wir ein dickes Fell, gegen uns findet eine regelrechte Hetzkampagne statt.“ Marcel Niknafs ist Vorsitzender des Rings Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) und hat als solcher einen schweren Stand.

Vielleicht, weil der RCDS schlichtweg nicht ins Schema passt. „Die FU Berlin ist eine sehr linke Uni, an der gegensätzliche Meinungen wenig Beachtung finden.“, meint Konny. Sie ist Erstsemesterin und noch ganz neu im Geschäft. „Wir sehen uns als Opposition zum linken Mainstream.“

Der Wahlkampf der wahrscheinlich konservativsten Liste an der FU ist zumindest ökologisch. Emsig werden einmal ausgelegte Flyer und Kugelschreiber in dem verlassenen Hörsaal wieder aufgesammelt, bevor die Konkurrenz diesen Job übernimmt. Der Grundsatz – Wiederverwertung – erhält hier gezwungenermaßen einen bitteren Nachgeschmack. Während die Mehrzahl der Flyer mit Ignoranz und Gleichgültigkeit gestraft wird, sorgen die RCDS-Plakate für Aufregung: „Unsere Plakate haben an den Bäumen eine Lebensdauer von weniger als einer Stunde – spätestens dann hat sie irgendwer abgerissen und entsorgt,“ erzählt Niknafs frustriert. Es sei ein Katz- und Mausspiel zwischen Langzeitstudenten mit zu viel Zeit und den vernünftig Studierenden.

Die Plakataktion stößt prompt auf Kritik, denn auch Plakatieren will erstmal gelernt sein. Ganz schön frech sei das, seine Wahlwerbung über andere zu hängen, motzt eine vorbeigehende Kommilitonin. Die niedergeschlagene Antwort des RCDS-Vorsitzenden beim Abhängen des Aushangs zeugt eher von Resignation als von Trotz: „Ist doch eh bald wieder ab.“

Wegen der Repressalien sieht sich die nach eigener Einschätzung „Vertretung der schweigenden Mehrheit“ zurzeit als bedrohte und schützenswerte Minderheit. Verkehrte Welt im Uni-Mikrokosmos. Angst vor Beleidigung, Anfeindung oder gar offener Gewalt treibt die konservative Studierendenschaft zu dieser Selbsteinschätzung. Dabei wollen sie eigentlich „notwendiger Gegenpol“ und eine „liberal-konservative goldene Mitte“ an der Freien Universität sein.

Letztendlich dreht sich auch auf diesem Spielplatz doch alles um die grundsätzlichste aller Fragen – Batman oder Superman, die Wahl der richtigen Ikone. Eine solche soll auch den RCDS aus seinem Umfragetief retten: „Nächstes Jahr versuchen wir es einfach mit Guttenberg, da kann Chuck Norris einpacken“, scherzen die Wahlkämpfer. Mit der „Witzfigur“ hat der SDS bereits seinen Superhelden gefunden. Droht nun also der Kampf der Giganten, ein Stellvertreterkrieg um die Gunst des Wählers? Chuck gegen Karl-Theodor – unterhaltsamer als die übliche Sandkasten-Schlammschlacht wäre es allemal.

Teil 1: „Chuck Norris is watching you!“

Teil 2: „Die GHG schlägt wieder zu“

4 Kommentare

  • super. werbung für die nächste gruppe, die lediglich zum wahlkampf aktiv ist und sonst im hochschulpolitischen geschehen so gut wie überhaupt nicht aktiv ist. genau wie der sds und die lhg. hauptsache parteigruppe…

  • Die ausgesprochenen und unausgesprochenen Unterstellungen des vorangehenden Kommentators sind von so bestechender Schlichtheit, man kann ihm nur wünschen kann, dass er sich damit auch bei anderer Gelegenheit nicht persönlich zu erkennen gibt.

  • da wird der hendrik ausfallend und droht, warum? vielleicht weil er sich ertappt fuehlt. denn in der dollen „die furios macht wahlkampf“-serie werden von 47 listen nur parteigruppen (angeblich gute „gute buerger“, weil sie gegen den asta sind)ausfuehrlich vorgestellt. gruppen, die man das ganze jahr ueber in der hochschulpolitik fast gar nicht sieht, getreu ihrem parteicredo im januar auf einmal aktivitaet heucheln.
    wann macht die furios eigentlich mal ne stupaliste? da klaut hendrik zwar der lhg die stimmen, aber das duerfte die bei dem ergebnis eh nicht mehr jucken.

  • „..grup­pen, die man das ganze jahr ueber in der hoch­schul­po­li­tik fast gar nicht sieht“

    kleiner Tipp: einfach mal das Brett vor deinem Ballon entfernen. dann siehste besser, zumindest auf dem rechten, auf dem linken biste eh blind.

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