In Ungnade gefallen

Vor zwei Jahren war Besetzung geduldet, heute muss sie streng geahndet werden. Gedanken über Präsident Alts Konfliktmanagement. Von Max Krause

Die Besetzung des Seminarzentrums vor zwei Wochen war schnell zu Ende. FU-Präsident Peter-André Alt machte kurzen Prozess und ließ noch am Abend der Besetzung die Polizei kommen. Nun sehen sich 56 Studenten mit einer Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs konfrontiert.

Rückblende: Im Februar 2010 wurde die Besetzung des Hörsaals 1A von Ex-Präsident Dieter Lenzen drei Monate lang geduldet, bevor er den Raum räumen ließ und Strafanzeige gegen zehn der Besetzer stellte. Als im darauf folgenden Frühjahr Alt zum neuen Präsidenten gewählt wurde, ließ er als eine seiner ersten Amtshandlungen die Klage fallen. Wie passt das zu seinem aktuellen Vorgehen?

Der Präsident hatte damals den geräumten Besetzern im vertraulichen Gespräch deutlich gemacht, dass die Aufhebung der Klage nicht als Freifahrtschein für weitere Besetzungen zu verstehen sei. Er bat sie darum, sich in Zukunft mit solchen Aktionen zurückzuhalten.

Unter Berufung auf diesen „Deal“ rechtfertigt Alt sein Vorgehen im Seminarzentrum. Unter den Organisatoren der aktuellen Bewegung seien viele der ehemaligen Besetzer gewesen. Da die Bemühungen aus dem letzten Jahr also anscheinend nicht gefruchtet hätten und die Studenten sich uneinsichtig zeigten, habe er nun hart durchgegriffen. Dieses Mal ist nicht zu erwarten, dass die Anzeigen fallen gelassen werden.

Unklar ist, aus welchen Quellen der Präsident seine Informationen zieht; schließlich war er während der Besetzung nie selbst anwesend. Wie ein ehemaliger Besetzer versichert, sei unter den 56 Angezeigten niemand derer gewesen, die vor zwei Jahren beteiligt waren. Alts Vorgehen wirkt wenig präsidial-souverän, es erinnert vielmehr an einen beleidigten Familienvater, der frustriert darüber ist, dass seine Erziehungsversuche nicht fruchten.

Es wäre für die Studierenden schon eine Erleichterung, wenn das Präsidium wenigstens eine klare Linie fahren würde. So aber ist, wer an der Uni protestieren will, Alts Willkür ausgeliefert. Je nachdem, ob der gerade einen guten Tag hat oder nicht, kann man der Anzeige entgehen. Eine solche Handhabung erinnert eher an ein feudales System als an eine moderne Gesellschaftsordnung.

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2010

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.