Etappenweise Richtung Balkan

Warum zu fremden Kontinenten aufbrechen, wenn so viel Unbekanntes vor der eigenen Haustür liegt? Das hat sich Fabian Hinsenkamp gefragt, der als Tramper auf dem Balkan unterwegs war.

Es sind nur ein paar wenige Dinge, die man beim Trampen benötigt. Das Gepäck ist überschaubar.

Beim Trampen benötigt man nur ein paar wenige Dinge, das Gepäck ist überschaubar. Foto: Fabian Hinsenkamp.

Es ist die Reiseart der Generation unserer Eltern. Es ist die frühere Mobilität der Hippies, der Aussteiger, der Abenteurer: Trampen. Mehr als 30 Jahre nach 1968 gilt diese Form der Fortbewegung heute als fast ausgestorben. Doch was die meisten nur noch aus Erzählungen ihrer Mütter und Väter oder durch Ausreißergeschichten von Jack Karouac und Jon Krakauer kennen, ist auf Europas Straßen gen Süden im Sommer Alltag.

Immer wieder ist es erstaunlich, wer alles gewillt ist, wildfremde, womöglich gefährliche, junge Menschen mitzunehmen. Die Palette reicht von dauergestressten Geschäftsleuten bis zu Festivals abtingelnden Hippies im obligatorischen Campingbus.

Im Hostel von Ljubljana, der Hauptstadt Sloweniens, gibt es kaum einen Ankömmling, der nicht ein Pappschild mit dem fast unaussprechbaren Namen in der Hand hält. Beim abendlichen Zusammensitzen kommt Landstreicher-Romantik auf. Es werden Geschichten von den verrücktesten Fahrern erzählt, über die schnellsten Routen zum Weiterreisen diskutiert und Tipps über kostenlose Schlafmöglichkeiten auf dem Weg ausgetauscht.

Die Reisetage selbst allerdings sind alles andere als romantisch. Jedes Mal kostet es Überwindung, sich aufs Neue an den Straßenrand zu stellen. Spätestens nach einer halben Stunde ohne Erfolg werden die leisen Stimmen im Hinterkopf wieder lauter: Stehe ich an der richtigen Stelle? Erreiche ich heute noch mein Ziel? Umso größer ist die Endorphin-Explosion, wenn dann doch jemand stoppt und einen Hunderte Kilometer mitnimmt. Erst nach einer Weile begreift man, dass genau diese Unsicherheit, Unberechenbarkeit, ja diese „Antiroutine“ exakt dem entspricht, was Trampen ausmacht: Es ist das Gefühl von Freiheit.

Zum Ausdruck kommt diese Freiheit auch beim Gepäck. Erst beim Trampen merkt man, auf wie viele Dinge des Alltags man verzichten kann. Ein Großteil der 13 Kilogramm Gepäck machen das Zelt, die Isomatte und das zweite Paar Wanderschuhe aus. Was man sonst noch braucht, zeigt das Foto: Kleidung, Waschzeug – und die aktuelle Ausgabe von FURIOS, die hier am linken Rand neben dem Tramperschild zu sehen ist.

Alle Teile der Serie „FURIOS auf Rei­sen“ gibt es hier.

Frontpage-Illus­tra­tion: Cora-Mae Gregorschewski

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2010

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