Schluss mit dem Protest!

Am aktuellen Entwurf der Rahmenstudien- und Prüfungsordnung können die Bildungsprotestler nichts mehr ändern. Das sollten sie einsehen und sich lieber über das Erreichte freuen, findet Florian Schmidt.

Am Roulette-Tisch würde man sagen „rien ne va plus“ – nichts geht mehr. Die jüngst vergangene Sitzung des Akademischen Senats (AS) hat es gezeigt: In der Diskussion um die geplante Rahmenstudien- und Prüfungsordnung (RSPO) gibt es kein Vor und kein Zurück.

Nachdem die Bildungsprotestler im November die Verabschiedung der RSPO durch eine Blockade des Sitzungssaals verhindert hatten, beharrten sie im Dialog mit dem AS bei den wichtigsten Punkten auf ihren Maximalforderungen: Unbegrenzt viele Wiederholungsversuche für Prüfungen und ein explizites Ausschließen einer grundsätzlichen Anwesenheitspflicht. Dem setzten Präsidium und Professoren entgegen, dass es eine Begrenzung geben müsse, und dass der RSPO-Entwurf eine Anwesenheitspflicht indirekt ohnehin ausschließe. Kompromissvorschläge gab es nicht.

Die Diskussion steckt in einer Sackgasse. Zwar haben die Studenten die Verabschiedung der RSPO kurzfristig aufgeschoben. Da sie im AS aber überstimmt werden können und eine Blockade des Gremiums praktisch nicht immer möglich ist, werden weitere Proteste am aktuellen Entwurf der Ordnung nichts mehr ändern – geschweige denn, dass sie das Kommen der RSPO komplett verhindern könnten.

Das sollten die Aktivisten des Bildungsprotestes einsehen. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um erhobenen Hauptes die RSPO-Schlacht zu verlassen. Anstatt weiter auf unrealistischen Forderungen zu bestehen, könnten sie viel eher zeigen, was ihre Bemühungen gebracht haben. Denn erreicht hat ihr Protest sehr wohl etwas: Die anfangs fest eingeplanten Zwangsberatungen ab dem dritten Semester sind gestrichen worden. Sollten zunächst maximal zwei Prüfungswiederholungen möglich sein, sind es nach dem Aufschrei der Studenten nun drei. Auch die Regelungen für krankheitsbedingte Ausfälle beim Schreiben einer Hausarbeit wurden auf den Druck der Demonstranten gelockert.

Dass sich die AS-Mitglieder nun aber darauf einlassen, Prüfungen unendlich oft oder zumindest im „zweistelligen Zahlenbereich“ – wie zuletzt von den Studenten gefordert – wiederholen zu lassen, scheint abwegig. Auch eine Änderung des Paragraphen, der die Anwesenheitspflicht regelt, ist sehr unwahrscheinlich; nicht zuletzt weil die aktuelle Formulierung bereits eine Regelung durch die Dozenten vorsieht und damit eine generelle Anwesenheitspflicht ausschließt. Andere studentische Forderungen wie etwa ein notenfreier Anteil von 25 bis 30 Prozent der Studienleistung oder das Herabsetzen der Arbeitszeit für einen Leistungspunkt von 30 auf 25 Stunden wirken in der aktuellen Diskussion geradezu albern.

Deshalb ist es jetzt an der Zeit, den Protest zu stoppen und realpolitisch zu denken. Die RSPO wird kommen. Jede weitere Diskussion hält ihre Verabschiedung – und nicht zuletzt die Arbeit des AS – nur auf. Im vergangenen Dreivierteljahr haben die Studenten einige ihrer Forderungen durchsetzen können; darüber dürfen sie sich freuen. Was sie sich jetzt aber zusätzlich wünschen, werden sie nicht bekommen.

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FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2010

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5 Responses

  1. Dani sagt:

    Worüber sich die Studierenden freuen DÜRFEN und worüber nicht, das entscheiden die Studierenden selbst und nicht der Dienstherr von Steigbügelhalter Florian Schmidt.

  2. Lasse Thiele sagt:

    „Des­halb ist es jetzt an der Zeit, den Pro­test zu stop­pen und real­po­li­tisch zu den­ken.“
    Wie sieht denn solch realpolitisches Denken deiner Ansicht nach aus? Aufhören zu protestieren und dann…? Du implizierst, dass es strategisch mehr zu holen gäbe, würden „alberne“ Forderungen zu Studienverbesserungen und demokratischer Entscheidungsfindung (ach nein, das Thema sparst du ja völlig aus in deinem Artikel) jetzt fallengelassen. Welchen Vorteil gäbe es für Studierende, die „Arbeit des AS“ nicht weiter aufzuhalten? Dass dann in Zukunft weiter im Monatstakt unglaublich studierendenfreundliche Regelungen getroffen werden können? Oder eher, dass du nicht mehr aus journalistischem Pflichtbewusstsein zu anstrengenden nachmittagfüllenden Sitzungen antanzen musst?

    Letzteres sei dir ja gegönnt, und mit der Einschätzung, dass in Sachen RSPO nicht mehr viel zu holen ist, magst du richtig liegen. Du verkennst aber m.E. völlig die politische Dimension dieser ganzen Geschichte, oder du spielst sie eben bewusst runter. Am Mittwoch wurde erneut in aller Ausführlichkeit die grundsätzliche demokratische Legitimität des AS hinterfragt. Das tauchte in deinem ersten Artikel schon nicht auf und jetzt ignorierst du es in deinen ziemlich anmaßenden Ratschlägen weiterhin. Warum akzeptierst du, prozedural wie inhaltlich (Forderungen, die die professorale Mehrheit nicht anerkennt, sind darum „albern“?), einfach den Diskussionsrahmen, den das Präsidium im AS vorzugeben versucht?

    Es ging hier von Anfang an um mehr als die inhaltlichen Detailfragen zur RSPO. Die Auseinandersetzung um echte Demokratie an der Uni wird auch mit einer verabschiedeten RSPO – unabhängig davon, was da am Ende drinsteht – nicht zu Ende sein. Denn ohne Gegenwehr werden solche Beschlüsse auch in Zukunft wieder an den Interessen der riesigen Mehrheit der Hochschulmitglieder vorbei getroffen.

  3. Alex sagt:

    Der Artikel liest sich als wär er aus Ponyhof-land…
    Das is einer der schlechtesten studentischen Artikel zu Studierendenprotesten, der mir je untergekommen is: Gebt doch einfach auf. Besser als Nichts. Don t piss off the great men…
    Start livin‘ in the real world.

  4. Steffen sagt:

    Ich frage mich gerade echt, was bei euch in der Redaktion los ist. Da überrascht ihr mich mehr als ein halbes Jahr lang mit guten, kritischen Artikeln zur RSPO, um es denn innerhalb weniger Tage mit dem Arsch wieder einzureißen. Wobei es mich eher ärgert, dass es ausgerechnet Max war, der nach vielenn guten Artikeln, dieses Pamphlet über Mathias Bartelt verfasst hat. Kehrt hier der Geist der alten Furios zurück? Es scheint so:
    Aktive Studierende werden als unrealistische Revoluzzer dargestellt, die sich als Splittergruppe anmaßen würden, die Gesamtheit der Studierenden zu vertreten. Die strukturelle professorale Mehrheit wird einfach als solche hingenommen, an statt einer kritischen Prüfung unterzogen: Bei einer Viertelparität würde es zumindest ernsthafte Chancen geben, die RSPO weiter zu verändern. Aber das ficht den Autor jn nicht an. Seiner Auffassung nach sollen wir lieber die Klappe halten. Wenn alle so verfahren würden, wie Florian das fordert, an dieser Uni würde es sehr finster aussehen.
    Auch wenn ich weiß, dass Kommentare nicht die Meinung der Redaktion wiederspiegeln, solltet ihr mal drüber nachdenken, wem ihr mit solchen Kommentaren noch alles unter die Arme greift.

  5. tina sagt:

    schämt euch furios!

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