Aus der Bude in die Bude

Fünf Studentinnen veröffentlichen Texte von unbekannten Autoren. Der Kalender „Budenblätter“ bringt literarischen Glanz in dunkle Buden. Salomé Stühler hat ihn an die Wand gehängt.

Aufgehängt und für gut befunden. Die „Budenblätter“ schmücken jede Wand. Foto: Salomé Stühler

Die besten Ideen kommen zuweilen an einem Abend mit Freunden und ein paar Gläsern Wein. Dann albert man ein bisschen herum und entwickelt plötzlich Pläne, eine Bar zu eröffnen, eine Band zu gründen oder einen Kalender mit Gedichten und Geschichten unbekannter Autoren herauszugeben. Bis es irgendwann zu der entscheidenden Frage kommt: Warum eigentlich nicht?

Ronja Seifert und Julia Lorenz fiel kein Grund ein, es nicht zu tun. Innerhalb kürzester Zeit setzten die Studentinnen der FU ihre Idee in die Tat um: Die „Budenblätter“ waren geboren. Ein Kalender, der unbekannten, ungekürten Dichtern und Geschichtenerzählern ermöglicht, ihre eigenen Texte erstmals zu veröffentlichen. „,Budenblätter‘ sind Texte, die aus einer kleinen Bude kommen“, erklärt Ronja. „Und wieder in eine kleine Bude kommen“, ergänzt Malou.

Mit den Kommilitoninnen Malou Windeler, Martha Tiedemann und der Abiturientin Roberta Huldisch an Bord gaben die debütierenden Herausgeberinnen alles: Website einrichten, Flyer schreiben, drucken und verteilen. Nicht nur in Berlin, sondern auch in Halle oder Leipzig, an Kneipenklotüren und Regenrinnen hängten sie eine Aufforderung an alle, die im heimlichen Kämmerlein vor sich hin schreiben, ihren Text einzusenden, um die Welt lesen zu lassen.

Mehr als 80 unveröffentlichte Texte, die meisten davon Gedichte, flogen zu den Jung-Herausgeberinnen. Während privater Lesungen im Wohnzimmer wählten sie sorgfältig aus. Zwölf Texte haben es in den Kalender geschafft, um von nun an die (Studenten-)Buden zu verschönern. „Die Auswahl fiel uns sehr schwer“, erzählt Ronja, „es gab viele Gedichte, die wir schön fanden, aber einfach nicht in das Gesamtbild einordnen konnten.“

Erfahrungen im Verlagswesen hat keine von ihnen, doch ihre Ambitionen sind groß: „Wir hoffen, dass die Idee weitergetragen wird“, sagt Ronja, „wir wollen eine Plattform für neue Autoren.“ Zu diesem Zweck haben die meisten auch ihre E-Mail-Adresse im Kalender veröffentlicht. Viel mehr als den Namen wissen selbst die fünf Studentinnen meist nicht über den Autor. „Das ist schön und schade“, findet Ronja. „Aber so geht man ganz anders an einen Text heran“, fügt Martha hinzu.

Das Cover schmückt ein handgemachter Linoldruck. Martha schrieb die Texte auf einer alten Schreibmaschine. Manch verrutschte Zeile und kleine Flecken vom Farbband lassen jeden Text wie ein Original-Manuskript erscheinen. Echte Handarbeit also – ein Kalender mit Charme und Individualität.

Nicht nur Studenten, auch Poetry-Slammer und sogar eine Großmutter haben Texte eingeschickt. Thematisch trifft der Leser auf schauerliche Monstertiere, die große Liebe und fettleibige Vögel: „Kleiner adipöser Spatz / (…) hier, nimm ein Stück von dem Backfactory-Brötchen.“

Für Menschen, die einen Kalender brauchen, um ihren Alltag zu organisieren, ist er wohl kaum geeignet. Ohne Tagesangabe, ohne Zahlen ist er vielmehr ein Kalender für Müßiggänger mit Liebe zum Wort. Perfekt aber, um ihn so lang in der Bude hängen zu lassen, bis man die Gedichte auswendig kann. Und die unbekannten Autoren so ein bisschen bekannter geworden sind.

Der Kalender kostet 5,10 Euro.
Bestellungen an die Adresse: budenblaetter@yahoo.de
Weitere Informationen auf der Homepage: budenblaetter.wordpress.com

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2010

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