Himmelhoch betrübt

Der dritte Teil unserer Filmserie stellt einen Independent-Film vor: „500 Days of Summer“. Dabei handelt es sich nicht um eine Liebesgeschichte – oder doch? Von Bente Staack

"500 Days of Summer" ist 2009 ins Kino gekommen.

„Dies ist die Geschichte über einen Jungen und ein Mädchen, aber ich möchte gleich am Anfang betonen, dass es keine Liebesgeschichte ist.“

Dieser Satz leitet eine romantische Komödie der anderen Art ein. Der junge Tom (Joseph Gordon-Levitt), der seit seiner Kindheit an die große Liebe glaubt, arbeitet als Grußkartengestalter in Los Angeles. Obwohl er eigentlich einen Abschluss in Architektur in der Tasche hat, hat er sich mit seinem ziemlich durchschnittlich verlaufenden Leben abgefunden. Er ist fest davon überzeugt, niemals wirklich glücklich zu sein, bis er “Die Eine” trifft.

Als die lebensfrohe und irgendwie andere Summer (Zooey Deschanel) in seinem Büro auftaucht, ist es um ihn geschehen, noch ehe sie die gemeinsame Vorliebe für „The Smiths“ entdecken. Problem: Sie glaubt nicht an feste Bindungen und ist entschlossen, sich niemals einen Stempel als „jemandes Freundin“ aufdrücken zu lassen.

„500 Days of Summer“ von Marc Webb zeichnet den Weg nach, wie Tom sein Herz verliert und eine Beziehung ohne Aussicht auf ein Happy End langsam aber sicher ihrem Ende entgegenschlingert.

Durch Sunnyboy-Tage bis zu einem Sumpf aus Depressionen folgen wir Tom auf einer Welle perfekt zu diesem Independent-Film passenden Musik. Regina Spektor, Mumm-ra, The Smiths und ihre Kollegen untermalen die mal witzige, mal traurige Geschichte, die ein Erzähler aus dem Off mit klugen Kommentaren ergänzt. Auch gestalterisch zeigt sich „500 Days of Summer“ abseits des Mainstreams. So sieht man in einem Splitscreen das Wunschdenken Toms und den wirklichen Ablauf eines Ereignisses nebeneinander gestellt. Die jeweiligen Tage der Gefühlsachterbahn werden neben dem Bild eines Baumes gezeigt, der je nach Phase der Beziehung ein grünes Gewand trägt oder seine Blätter verliert. Auch vor einer Musicalszene wird nicht halt gemacht – zugegeben, das klingt vielleicht nach Klischee, doch sie bringt bestmöglich die Endorphine zum Ausdruck, die dem schwer verliebten Grußkartengestalter im Körper herumschwirren

Am Ende des zu Recht für zahlreiche Preise nominierten Filmes bleibt die Erkenntnis: Alles ist Zufall, nichts ist Schicksal. Und die Erleichterung, dass Hollywood in punkto „Romcom“ weit mehr zu bieten hat als rosarot und Jennifer Aniston.

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2008

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