Was lange währt, wirft Fragen auf

Vergangene Woche hat das Präsidium mit Gudrun Doll-Tepper endlich eine Behindertenbeauftragte an der FU bestellt. Das wurde aber auch Zeit, findet Melanie Böff.


Das Präsidium hat gehörig prokrastiniert. Obwohl das Berliner Hochschulgesetz seit zwei Jahren die offizielle Einsetzung eines Behindertenbeauftragten verlangt, hat sich die Unileitung damit lange Zeit gelassen. Prokrastinieren Studenten bei ihren Hausarbeiten zu ausgiebig, lässt der Anpfiff vom Prof nicht lange auf sich warten. Dergleichen hatte das Präsidium nicht zu befürchten, da im Gesetz keine Umsetzungsfrist konkretisiert ist. Besser wär’s gewesen.

An HU und TU wurde die Bestellung der jeweiligen Beauftragten reibungslos und vor allem schnell abgewickelt. Die FU hat es schließlich aber auch geschafft. Am vergangenen Montag, 17. Juni, wurde die Professorin Gudrun Doll-Tepper aus dem Fachbereich Erziehungswissenschaften offiziell als Behindertenbeauftragte eingesetzt. Als Berater für Studenten mit Behinderung wird weiterhin Georg Classen tätig sein, der diesen Posten an der FU bereits seit 20 Jahren innehat.

Warum aber braucht die FU zwei Jahre für diesen Vorgang? Zwei Jahre, in denen Georg Classen behinderten Studenten nur als Berater weiterhelfen konnte. Ihre Anliegen konnten in Gremien, wie dem Akademischen Senat, so keine Beachtung finden – denn niemand war da, um sie vorzutragen.

Gespräche statt Vorankommen

Dabei wäre ein Fürsprecher im Akademischen Senat gerade bei der Erarbeitung der RSPO für die Belange behinderter Studenten so wichtig gewesen. Interessiert sich die Unileitung nicht ausreichend für deren Bedürfnisse? Mitnichten, verteidigt sich das Präsidium. Aber warum wurden dann alle Versuche einiger AS-Mitglieder, die Bestellung voranzutreiben, abgeschmettert oder ignoriert? Die Unileitung habe ausführliche Gespräche mit Experten geführt, um die Stelle angemessen zu besetzen, heißt es. Sicherlich die richtige Herangehensweise bei dieser schwierigen Aufgabe – auch wenn es ob der verstrichenen Zeit sehr viele und sehr lange Expertengespräche gewesen sein müssen.

Das Präsidium hatte ein Interesse daran, die Stelle mit der richtigen Person zu besetzen. Mit Professorin Doll-Tepper ist das gelungen. Sie leitet den Arbeitsbereich Integrationspädagogik, Bewegung und Sport am Fachbereich Erziehungswissenschaften. Zusätzlich engagiert sie sich im Bereich des Leistungssports behinderter Athleten. In der Präsidiumsvilla freut man sich, dass sie die Stelle angenommen hat.

Aufteilung birgt Konflikte

Trotz seiner langjährigen Erfahrung ist die Wahl nicht auf Georg Classen gefallen. Er wird allerdings weiterhin – so wie die vergangenen 20 Jahre auch – Betroffene in seiner Sprechstunde beraten. Die Aufteilung des Postens wirft jedoch Fragen auf: Wollte Classen die Stelle nicht oder wollte das Präsidium Classen nicht? Eine geteilte Zuständigkeit birgt auch Konfliktpotenzial: Möglich ist, dass Doll-Tepper und Classen gut miteinander kooperieren werden. Möglich ist aber auch, dass mehr Akten hin und her geschoben werden als Lösungen für Probleme behinderter Studenten gefunden werden. Ob Doll-Teppers Arbeit in den Gremien Früchte tragen wird, bleibt abzuwarten.

Alle Beteiligten haben eigentlich Grund zur Freude, dass nun doch noch eine Beauftragte bestellt wurde – die Rechte behinderter Studenten sind schließlich doch gewahrt, sogar gestärkt worden. Freude will sich bei mir aber absolut nicht einstellen. Zu viele Fragen, zu wenig Antworten. Das einzige, was sich bei mir über den intransparenten und langwierigen Einsetzungsprozess einstellt – Kopfschütteln.

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2010

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