Schlaflos in Bärstadt

Wer ein Praktikum bei der Sendung „Löwenzahn“ macht, muss sehr früh aufstehen und viel Kaffee kochen – darf aber auch mal Mähdrescher fahren. Mara Bierbach berichtet von einer etwas anderen Reise.

Toschi, der bei „Löwenzahn“ den Publikumsliebling Keks spielt, hat FURIOS zum Fressen gern. Foto: Mara Bierbach

Toschi, der bei „Löwenzahn“ den Publikumsliebling Keks spielt, hat FURIOS zum Fressen gern. Im Hintergrund zu sehen: Das Filmset. Foto: Mara Bierbach

„Mara, ist er auf dem Weg?“, dröhnt es durch das Headset des Walkie-Talkies. „Er geht noch schnell auf die 17 und dann kommt er zum Set“, antworte ich. 17, das steht am Filmset fürs Klo, zwecks Diskretion.

Für zwei Monate habe ich meine Abschlussarbeit zur Seite geschoben und mache Ferien auf die etwas andere Art: In Bärstadt, mit einem Praktikum am Set der Kult-Kindersendung „Löwenzahn“.

Was? „Löwenzahn“, die Sendung mit dem blauen Bauwagen und Peter Lustig? Das läuft noch? Ja, nein – und ja. Löwenzahn läuft immer noch, nun seit 32 Jahren. Den blauen Bauwagen gibt es noch, nur das dieser heute nicht mehr vom lustigen Peter bewohnt wird. Der gemütliche Alt-68er ist vor acht Jahren vom sportlich-dynamischen Ökotypen Fritz Fuchs ausgewechselt worden. Immer mit dabei: Keks, ein Berner-Sennen-Hund.

Das Ganze spielt im idyllischen, immer sommerlichen Kleinstädtchen Bärstadt. Bärstadt ist natürlich genauso real wie das verschlafene Städtchen Stars Hollow in der Serie Gilmore Girls oder das Central Perk, in dem sich die bekannten „Friends“ ihre freie Zeit vertreiben. Es ist eine Collage aus verschiedensten Drehorten, die meist irgendwo in der brandenburgischen Provinz kurz vor Berlin liegen. In vier Sommermonaten werden die 16 Episoden für das nächste Ausstrahlungsjahr gedreht.

Ich bin als Praktikantin in der Aufnahmeleitung dabei, also quasi als verlängerter Arm des verlängerten Arms der Produktionsleitung. Was das in der Praxis bedeutet? Erstens: Lange Arbeitstage – meist gehe ich gegen 6.30 Uhr aus dem Haus und bin zwischen 19 und 20 Uhr wieder zuhause. Dementsprechend leide ich unter chronischem Schlafmangel. Zweitens: Mädchen für alles sein. Anweisungen per Walkie-Talkie weitergeben, Schauspieler von der Garderobe zum Set bringen, Komparsen betreuen, den Verpflegungstisch versorgen, und ganz viel Kaffee kochen – schließlich kriegt kaum jemand am Set genügend Schlaf .

Ein kleines Highlight? Beim Dreh zur Folge „Brot und Korn“ auf einem Mähdrescher mitfahren, um Kommandos an den Fahrer weiterzugeben – und später ein paar Meter selber fahren. Eher nebensächlich, aber auch gut: Wenn plötzlich ein Schauspieler am Set steht, den man aus seiner eigenen Lieblingssendung kennt. Das Schönste aber ist das Gesicht von Kindern, wenn sie Keks (der eigentlich Toschi heißt) aus ihrer Lieblingssendung streicheln dürfen. Der wiederum freut sich – über unsere aktuelle Printausgabe, wie auf diesem FURIOS-auf-Reisen-Bild zu sehen ist.

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2008

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