Sommer zwischen Eisbergen

Spitzbergen – Land der Mitternachtssonne und Zuhause der Eisbären. Josta van Bockxmeer erkundete die Inselgruppe an Bord eines Segelschiffs.

Zwar scheint die Sonne, doch zum Baden eignet sich die eisige Landschaft in Spitzbergen weniger. Foto: Josta van Bockxmeer

Dieses Jahr habe ich die Sommerwärme gegen die Kälte des hohen Nordens getauscht. Mit Durchschnittstemperaturen zwischen 0 und 6 Grad Celsius war es in Spitzbergen Wetter für Winterjacke, Handschuhe und Mütze – und dank des hellen Lichts zum Glück doch noch für eine Sonnenbrille.

Spitzbergen ist eine zu Norwegen gehörende Inselgruppe im Nordatlantik. Zwischen dem 78. und 80. Breitengrad entdeckte ich zusammen mit den anderen Reisenden an Bord des Segelschiffs Anne Margaretha eine komplett neue Welt. Kahle Felsen, keine Pflanzen höher als ein Grashalm, überall Gletscher. Wegen der ständigen Bedrohung durch Eisbären konnten wir das Schiff nicht ohne Gewehr verlassen. Ein Gespür für die Nichtigkeit des Menschen stellte sich ein.

Mitternachtssonne und Gletscher

Ein Tag dauerte ewig an, da es nicht dunkel wurde. Die Mitternachtssonne tauchte die spitzen Berge, nach denen die Inselgruppe benannt wurde, in goldenes Licht. Während der „nächtlichen” Ankerwache hielten wir Ausschau nach Eisbergen, die das Schiff beschädigen könnten. Und hofften leise, dass wir einen Eisbären sehen würden.

Am dritten Tag sahen wir durch den Nebel etwas Blaues aufscheinen, und die Eisberge, die um das Boot trieben, wurden immer größer. Langsam wandelte sich das vage Blau in eine riesige Eiswand – in sicherem Abstand zum Gletscher blieben wir liegen. Wir standen vorne an Deck, es war eiskalt und jemand sagte: „Das ist der Nordpol.” Die Stille danach drückte perfekt das Staunen aus, das uns alle überfiel.

Eisbär in Sicht

Einer der Gäste hatte Geburtstag und wünschte sich, einen Eisbären zu sehen. Nur zehn Minuten später kam tatsächlich einer über den nahegelegenen Steinstrand angelaufen! Er suchte zwischen alten Walknochen vergebens nach etwas Essbarem, und verfolgte dann ruhig seinen Weg, bis wir ihn nicht mehr sahen.

Das ist Spitzbergen: Die Natur ist bedrohlich, aber atemberaubend schön. Und die Besucher lernen, wie sehr sie einander – und ihre warme Kleidung im Sommer – brauchen.

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2008

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