Meister der Pole

Elektromotoren und Generatoren wird wenig Aufmerksamkeit geschenkt, und ihrem Erfinder noch weniger. Zu Unrecht. Trotz der kleinen FU Straße: Michael Faraday war ein großer Mann. Von Francis Laugstien

 

Die Faradaystraße liegt neben der U-Bahn-Station Thielplatz. Foto. Christopher Hirsch

Unauffällig, gesäumt von einigen enigen Häusern, schlängelt er sich durch das Grün zwischen Hittorf- und Brümmerstraße: Der Faradayweg. Als eine der kleineren Straßen um die Uni wird der Faradayweg seinem Namensgeber eigentlich nicht gerecht. Michael Faraday war auf seinem Gebiet einer der ganz Großen – den Naturwissenschaften. Mit zahlreichen Entdeckungen legte er den Grundstein für Dinge wie U-Bahnen, Autoscooter und Staubsauger.

Geboren wurde er am 22. September 1791 in Newington Butts, heute ein Teil des Londoner Bezirks Southwark. Als drittes Kind eines Schmiedes reichte es zunächst nur für die Grundschule und eine Anstellung als Buchbinderlehrling. Die Arbeitsstelle entpuppte sich aber für den hochbegabten und vielseitig interessierten jungen Mann als ein Glücksfall. Hier konnte er, auch dank seines ihn unterstützenden Meisters George Riebau, seiner Leidenschaft für die Wissenschaft nachgehen.

Wegen seines besonderen Interesses für Chemie und Physik begann Faraday ab 1810 wissenschaftliche Vorlesungen zu besuchen. Im Jahr 1812 hörte er in einer davon Humphry Davy sprechen, Professor für Chemie an der Royal Institution in London. Er machte sich Notizen, fügte Anmerkungen und Zeichnungen hinzu, band das Ganze, wie er es gelernt hatte, zu einem Buch und schickte es dem Professoren zu. Von Faradays Ausführungen beeindruckt, machte Davy ihn zu seinem Laborgehilfen. Der junge Amateur-Physiker hatte es geschafft. Er war in der akademischen Welt angekommen.

Elektrische Rotation und elektromagnetische Induktion

 

Basierend auf dem Experiment des dänischen Physikers Hans Christian Ørsted, der 1819 mithilfe von elektrischem Strom eine Kompassnadel ablenkte, machte Faraday einen seiner bedeutendsten Versuche. Über einem Stabmagneten platzierte er einen frei hängenden Draht und schloss diesen an eine Stromquelle an. Ergebnis: Der Draht begann um den Magneten zu kreisen. Faraday war es gelungen, mit Elektrizität eine Kraftwirkung zu erzeugen – das Prinzip des Elektromotors war gefunden.

Zehn Jahre später machte Faraday auf der Grundlage dieses Experiments eine weitere Entdeckung. Er fand heraus, dass Elektrizität nur dann in einen Leiter übertragen werden kann, wenn dieser von magnetischen Kraftlinien geschnitten wird. Oder andersherum: dass ein Magnetfeld, das einen elektrischen Leiter schneidet, einen kurzen Stromstoß auslöst. Dieses Phänomen nannte er elektromagnetische Induktion. 1831 montierte Faraday eine Kurbel an eine Kupferscheibe und stellte diese so auf, dass sich ein Teil von ihr zwischen zwei magnetischen Polen befand. Begann er nun die elektrisch leitende Scheibe zu drehen, schnitt diese das Magnetfeld und erzeugte einen permanenten Stromfluss: Der Generator war erfunden.

Die Engländer erinnern sich heute mit Stolz an einen ihrer begabtesten Physiker. Bis vor kurzem war er noch auf der 20-Pfund-Note zu sehen. Inzwischen hat man ihn durch Adam Smith ersetzt. Der Faradayweg aber wurde bisher nicht umbenannt.

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FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2010

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