Außer Uni: Der Simulant

Erst die Theorie, dann die Praxis? Nicht für Joseph Wilson. Er studiert Politik am Otto-Suhr-Institut und organisiert seit zwei Jahren die Berlin „Model United Nations“. Von Monica Camposeo.

Joseph Serie AusserUni

Joseph war schon als Schüler Fan von „Model United Nations“. Foto: privat

In unserer Serie „Außer Uni“ stellen wir FU-Studierende und ihr Leben außerhalb der Universität vor: spannende Hobbys, verrückte Nebenjobs, außergewöhnliche Wohnorte. Teil 1: Joseph Wilson organisiert UN-Konferenzen. Zumindest fast.

Das Beste an seinem Hobby? Der Beginn der Konferenz, sagt Joseph Wilson: „Wenn man fast ein Jahr lang organisiert hat und weiß, dass man es geschafft hat: Die Leute sind wirklich gekommen.“ Gemeinsam mit Freunden organisiert der 23-Jährige seit zwei Jahren die „Berlin International Model United Nations“ (MUN). Eine Woche lang simulieren die Teilnehmer einer MUN eine Konferenz der Vereinten Nationen, mit allem drum und dran: Generalsekretärin, Internationalem Gerichtshof, Councils und natürlich vielen politischen Debatten. Rund 200 Studierende aus aller Welt kamen zum vergangenen MUN im August.

Bis es so weit ist, muss jedoch viel getan werden. Die Organisation einer Konferenz dauert fast ein Jahr, jeder im Organisationsteam hat seine Aufgabe: Sponsoren müssen an Land gezogen, Jugendliche aus aller Welt eingeladen und betreut werden. Die Möglichkeit, Freunde aus ganz verschiedenen Ländern zu finden: Das ist es, was das Konzept MUN schon bei Schülern so beliebt macht. Doch das internationale Flair ist gar nicht so leicht herzustellen: Gerade in asiatischen Ländern, erzählt Joseph, gebe es oft Probleme mit den Visa. Er erinnert sich auch noch, wie erleichtert er war, als ein Mädchen aus Gambia nach langem Hin und Her endlich in Berlin landen konnte.

Josephs Faszination für dieses Projekt stammt noch aus seiner Schulzeit, in der er selbst an mehreren MUNs teilgenommen hat. Als er an die Uni kam, fand er es schade, dass es das Pendant für Studierende in Berlin nicht gab. Deshalb fühlte er sich sofort angesprochen, als eine Kommilitonin das neue Konzept in verschiedenen Hochschulgruppen der FU vorstellte und nach Mitstreitern suchte. Nun ist er seit zwei Jahren einer der aktivsten Organisatoren des Berlin MUN für Studenten.

„Organisieren macht mir Spaß, ich übernehme gerne Verantwortung. Es gibt immer Situationen, in denen man improvisieren muss, aber am Ende waren bisher alle zufrieden.“ Im kommenden Jahr will das Organisationsteam die Teilnehmerzahl auf 250 erhöhen. Mehr sollen es jedoch nicht werden, sagt Joseph: „Wir kümmern uns persönlich um jeden einzelnen Teilnehmer und wollen, dass alle eine gute Erinnerung mit nach Hause nehmen.“

Für manche Studierende bedeuten die Kosten für Flug und Unterkunft sehr viel Geld. Deshalb ist es den Organisatoren wichtig, dafür zu sorgen, dass alle sich in Deutschland wohl fühlen und auch möglichst unterschiedliche Facetten von Berlin kennenlernen. Zu einem MUN gehört nämlich nicht nur die harte Arbeit in den Councils, sondern auch das gemeinsame abendliche Weggehen.

Hast du ein Hobby, das sonst keiner hat? Kennst du jemanden mit einem interessanten Lebensstil? Wir freuen uns über Tipps an campus@furios-campus.de!

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2008

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