Copyshop-Sterben an der FU?

Verliert die klassische Kopie im Zeitalter des Scannens und Ausdruckens ihre Daseinsberechtigung? Die Geschäftsaufgabe zweier Copyshop-Betreiber scheint diese These nahezulegen. Von Julian Daum.

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Blackboard killed the Fotokopie – oder warum haben zwei Kopierdienstleister an der FU aufgegeben? Illustration: Luise Schricker

Kopierte Texte, gestopft in überquellende Ordner, sind wohl in fast jedem studentischen Bücherregal zu finden. Kopieren ist die kostengünstige Alternative zur Anschaffung teurer wissenschaftlicher Literatur. Doch der offizielle Kopierdienstleister der FU, „Alpha Copy- und Reproservice“ hat nun seine Pforten im Keller der Philologischen Bibliothek geschlossen und auch seinen Standort an der TU verlassen. Auch der „Kopierladen“ in der Brümmerstraße, in dem viele Dozierende zu Semesterbeginn die Reader für ihre Seminare hinterlegten, hat seine Geschäftsräume vor kurzem aufgegeben. Ein Massensterben?

Der klassische Semesterapparat, das kommerzielle Rückgrat der Kopierdienste im Universitätsumfeld, verliert angesichts von e-Education-Systemen wie Blackboard zunehmend an Bedeutung. Die Zahl der Dozierenden, die für Seminare relevante Literatur auf die Plattform laden, steigt jedes Semester. Den meisten Studierenden tun sie damit einen Gefallen: Das Material ist leicht zugänglich, muss nicht umständlich am Kopierer reproduziert werden, kann sogar geldbeutelschonend direkt am Bildschirm gelesen werden.

Gesunkenes Kopiervolumen – der einzige Grund?

Die Besitzer des „Kopierladens“ waren für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. „Alpha“ allerdings begründet den Ausstieg auf Anfrage in der Tat auch wirtschaftlich, unter anderem mit gesunkenem Kopiervolumen. Der Anblick, der sich einem bis vor kurzem noch bei einem Besuch in der Philologischen Bibliothek bot, hätte das allerdings nicht vermuten lassen: Sämtliche Geräte waren besetzt, es wurde gescannt und kopiert, Seminararbeiten wurden gebunden. Zu der Frage, ob es neben rückläufigen Auftragszahlen auch andere Gründe für die Geschäftsaufgabe gebe, zum Beispiel gestiegene Pachtzahlungen, wollten jedoch weder das Unternehmen noch die Universitätsleitung Angaben machen.

Andere Kopierdienste im Berliner Universitätsumfeld haben nach eigenen Angaben in absehbarer Zeit nicht vor, ihre Standorte aufzugeben. „Unikopie“ in der Nähe der Universität der Künste und der Technischen Universität verzeichnet sogar wesentlich von Studenten mitgetragene Umsatzsteigerungen. Wie andere Dienstleister hat sich „Unikopie“ allerdings auf bestimmte Angebote spezialisiert, um Verluste im klassischen Kopiergeschäft aufzufangen: Architekturstudierende etwa brauchen Dienstleister, die großformatige Baupläne und Konstruktionszeichnungen umsetzen können.

Doch auch FU-Studierende ohne Sonderwünsche müssen sich keine Gedanken darüber machen, wo sie ab jetzt ihre Kopien anfertigen können. Ein Nachfolger für „Alpha“ ist bereits gefunden: Seit vergangenem Donnerstag betreibt die RICOH Deutschland GmbH den Standort in der Philologischen Bibliothek. Auf die europaweite Ausschreibung der FU hin war das Unternehmen der einzige Bewerber. Verbunden mit dem Betreiberwechsel ist eine angenehme Neuerung: Die „Alpha-Kopierkarte“ ist Geschichte. In Zukunft werden FU-Studierende mit ihrer Mensakarte kopieren können.

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2010

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