Heft-Bonus: Kunst findet Bedeutung

Der Campus der FU ist eine große Ausstellungsfläche, die Studenten laufen an der Kunst aber meist ahnungslos vorbei. Ein kleines Buch verrät, was die Skulpturen zu bedeuten haben. Von Maik Siegel

[slideshow_deploy id=’18834′]

In der aktuellen FURIOS-Ausgabe berichten wir von der Kunst auf dem Campus, die Bedeutung sucht: Viele Skulpturen stehen hier, unbeschriftet, ohne Erklärung, sodass viele Studenten wohl nicht einmal ahnen, dass das, was sie täglich umgibt, tatsächlich Kunst ist.

„Beschriftungen an Kunstwerken sind eine Notwendigkeit“, sagte FU-Künstler Georg Seibert im Gespräch mit FURIOS. „Ohne sie wird die Kunst von vielen gar nicht als solche erkannt und nicht verstanden.“ Um das zu ändern, machte sich der Architekturkritiker Gerhard Ullmann 1985 an eine Bestandsaufnahme der Kunst auf dem FU-Gelände. In seinem Buch „Kunst an der FU Berlin“ interpretiert er die Skulpturen – und verleiht ihnen damit wieder eine Bedeutung:

Barna von Sartory, „Vier Würfel“, L-Straße 23/24

Die Skulptur ist aus vier Kuben geformt, die aus weißem Marmor und Edelstahl bestehen. Barna von Sartory ist dem Anspruch Le Corbusiers gefolgt: Dem Architekt der Rost- und Silberlaube war die Geometrie das wichtigste Element in der Gestaltung. Leicht verschobene Kuben nehmen die Maß-Regeln der Uni-Fassade auf, durchbrechen sie aber spielerisch, schreibt Ullmann in seinem Buch. Auch die Reihung der Würfel durchbricht die Künstlerin: Ein polierter Edelstahlwürfel nimmt das sich an der Fassade reflektierende Licht auf und wirft es dorthin zurück.

Jesco von Puttkamer, „Disharmonisches Orchester und Objektensemble mit Stühlen“, Theaterhof

Buntbemalte Mobiles, Überreste einer Schlacht, Instrumente eines dissonanten Orchesters: Jesco von Puttkamers Objekte sind die vielleicht interaktivsten Skulpturen des Kunstparks auf dem Campus. Laut Ullmann benutzt der Künstler die Elemente des Spiels, um die Studenten zur Kunst zu locken: Es trommelt und rasselt, wenn man sich die Instrumente des Orchesters zu eigen macht und die Skelette in Bewegung bringt.

Gerald Matzner, „Korinthische Säule“, L-Straße 25/26

Die terrakottafarbene Säule ragt aus dem hügeligen Grün des Innenhofs heraus. Wie ein vergessenes Requisit eines Historienfilms steht sie im Nichts. Gerald Matzners Säule sei ein philosophischer Exkurs in eine längst vergangene Epoche, die in der Wissenschaft noch ihre lebendigsten Zuckungen hervorbringe. Ullmann sieht hier eine dialektische Perspektive: Vergeblich pendele der Betrachter zwischen zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen Antike und Exzellenz-Uni.

Karlheinz Biederbick, „Fallschirmspringer“, Innenhof zwischen K- und L-Straße 29/30

Auf einer Metallplatte ist ein bronzener Fallschirmspringer gelandet, die Wucht des Aufpralls lässt seine Weichteile herausquellen. Hier bäumt sich kein Angreifer auf, sondern ein Notlandender, so Ullmann. Der konkrete Raum des Innenhofs werde verbunden mit der Weite des Himmels. Was aber bleibe, sei die Leere, in der sich der Soldat befindet. Das Verlorensein des Menschen komme hier in seiner ganzen Fragilität zum Ausdruck. Die Einsamkeit des Fallschirmspringers im leeren Innenhof löse vor dem militärischen Schrecken keine Angst, sondern Mitleid aus.

Klaus Duschat, „Achill“, Haupteingang K-Straße

Die verschrotteten, vom Künstler Klaus Duschat zusammengefügten Eisenteile verhelfen dem trojanischen Helden Achill zu einer Wiedergeburt. Dabei sei der Titel des Kunstwerks metaphorisch zu verstehen: er verweise weniger auf die mythische Sagengestalt als auf den widerstandsfähigen Cor-Ten-Stahl der Rostlaubenwände, gegen die sich das Kunstwerk in Stellung zu bringen scheine. Der gerechte Zorn des Kämpfers gegen die abweisend wirkenden Mauern der Universität?

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2008

Ähnliche Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.