Geschichte der Gescheiterten

Am ersten und dritten Mittwoch jeden Monats öffnet das Histo-Kino seine Türen für Geschichts- und Filminteressierte. Cecilia Fernandez über den Versuch, Geschichte durch Film kritisch zu beleuchten.

Das Histo-Kino zeigt anspruchsvolle Filmkost. Foto: Cecilia Fernandez

Das Histo-Kino zeigt anspruchsvolle Filmkost. Foto: Cecilia Fernandez

„Geschichte wird immer von den Siegern geschrieben“, soll der britische Premierminister Winston Churchill einst geurteilt haben. Seit der Entstehung des Kinos, könnte man hinzufügen, wird diese zudem von den Siegern verfilmt. Nicht aber so, wenn es nach dem Willen der Fachschaftsinitiative Geschichte geht. In ihrem Histo-Kino versuchen die Studierenden zu demonstrieren, dass auch die Geschichte der Gescheiterten, Unterdrückten und Unsichtbaren auf Zelluloid gebannt werden kann.

Sozialkritik statt Eskapismus

Zweimal monatlich lädt die FSI in den Räumen des Hausprojekts der Braunschweiger Straße zum Histo-Kino ein. Gezeigt werden Filme unterschiedlicher Genres und Thematiken. Gemeinsam ist ihnen eine kritische Perspektive auf soziale und politische Prozesse. Filmische Kost, die aus wohlgemeintem Eskapismus historische und gesellschaftliche Problematiken ausblendet, wird hier nicht präsentiert.

Geschichte verstehen die Veranstalter als unumgänglich politisch aufgeladen. „Gerade deshalb ist es so wichtig, zu untersuchen, wie Historisches von wem dargestellt wird und welche Themen fast gar nicht verarbeitet werden“, erklärt eine der Veranstalterinnen des Histo-Kinos. In diesem wie in den kommenden Semestern liegt der Schwerpunkt der Veranstaltungen auf Filmen, die sich mit soziokulturellen und politischen Bewegungen befassen. So wurden in den vergangenen Herbst- und Winterwochen beispielsweise Dokumentationen über die russischen Aktivistinnen von Pussy Riot oder über die linksextremen Militanten der Weather Underground Organisation vorgestellt.

Kino als Begegnungsstätte

Das Histo-Kino will überdies eine Begegnungsstätte sein, in der Interessierte einen Blick über den regulären Lehrplan ihres Studiums hinaus wagen können. Auch deshalb gibt sich die Veranstaltung bewusst ungezwungen: zwischen den unverputzten grauen Wänden der Braunschweiger Straße wird ein Programm geboten, das keine straffe Tagesordnung kennt, sondern sich den Wünschen und Ideen der Besucher anzupassen versucht.

Meist führt vor Filmbeginn ein studentischer Vortrag in das abendliche Thema ein. Tiefgehende vorangegangene Beschäftigung mit der Problematik im universitären oder beruflichen Rahmen ist gern gesehen, aber keine Pflicht. Eine Abschlussdiskussion nach Filmende lädt zu kritischen Fragen ein, schließt jedoch auch freundschaftliches Plaudern nicht aus.

„Eigeninitiative ist das Grundprinzip des Histo-Kinos“, sagt eine Studentin der FSI. Ob Film- oder Themenvorschläge: „Für Anregungen haben wir immer ein offenes Ohr“. Denn nur eine Vielfalt der Perspektiven kann Geschichte den Händen der Sieger entreißen. Und sie in jene der Kritischdenkenden legen.

Mehr Informationen über die Veranstaltung und die Termine gibt es hier.

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2008

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