„Der Asta ist kein Block mehr“

In der Stupa-Opposition ist die Liberale Hochschulgruppe (LHG) allein mit ihrer liberalen Position. Mara Bierbach hat mit dem Vorsitzenden Julian Barg und Spitzenkandidat Pavel Satra gesprochen.

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Der LHG-Vorsitzende Julian Barg (l.) und Spitzenkandidat Pavel Satra im Gespräch. Foto: Mara Bierbach

FURIOS: Wofür steht ihr als Liberale Hochschulgruppe (LHG)?

Julian: Wir haben seit einem Jahr zwei Kernforderungen: Vielfalt und Transparenz. Transparenz bezieht sich auf den Haushalt und auf den Umgang mit den Geldern im Stupa, die von den Studierenden zur Verfügung gestellt werden. Vielfalt heißt, dass wir verschiedene Gruppen, alle verschiedenen Menschen akzeptieren.

FURIOS: Was sind konkrete Ziele, die ihr in der nächsten Legislaturperiode umsetzen wollt?

Pavel: Wir wollen das Beratungsangebot für die Studierenden ständig erweitern, indem wir uns alle Studiengänge ansehen und gucken, was deren Probleme sind.

Julian: Ein Beispiel ist, dass die Unileitung mittlerweile die Organisation der Erstiwochen übernommen hat, mit einem Mentoringprogramm. Das zeigt ganz deutlich, dass die zuständigen Gruppen, die FSIn, versagt haben. Die konzentrieren sich lieber auf Sachen, die ganz weit weg sind von den Studierenden.

FURIOS: Was sind weitere Themen, die ihr angehen wollt?

Pavel: Die Legislaturperiode fängt mit der Verabschiedung des Haushalts an. Wir wollen, wie jedes Jahr, den Asta-Haushalt einsehen.

Julian: Für mich ist ein großes Thema die Viertelparität im Akademischen Senat. Die TU hat im letzten Jahr die Viertelparität eingeführt – diese wurde dann aber leider wieder für ungültig erklärt. Ich würde mich freuen, wenn an einer Berliner Uni die Viertelparität eingeführt wird. Abgesehen vom Asta und dem Asta-Haushalt haben wir als Studenten bisher kaum Möglichkeit, Einfluss zu nehmen. Wenn wir irgendwann mal eine hohe Wahlbeteiligung hätten bei der Stupa-Wahl, dann könnte das Stupa sehr viel mehr Druck ausüben. Nicht nur auf den Akademischen Senat und die Unileitung, sondern vor allem auf den Berliner Senat, der für das Hochschulgesetz zuständig ist.

FURIOS: Die Mehrheit der politischen Gruppen in der Opposition zum Asta ist eher linksgerichtet. Mit „liberal“ wird schnell „neoliberal“ assoziiert. Seht ihr euch als Liberale Hochschulgruppe überhaupt als koalitionsfähig?

Julian: Wir haben in der Vergangenheit schon mit zum Beispiel grünen Gruppen geredet. Und es zeigt sich auch, dass alle unsere Entwürfe im Stupa durchkommen. Wir sind definitiv kompromissfähig.

Pavel: Im vergangenen Jahr gab es im Stupa immer sieben bis zwölf Stimmen gegen die klassischen Asta-Anträge. Das heißt, es teilen immer mehr Gruppen unsere Meinung.

FURIOS: Aber sieben bis zwölf Stimmen von 60 ist nicht viel.

Julian: Man muss das aber auch in dem Kontext sehen, dass die klassischen Gruppen, die in Opposition zum Asta treten, im letzten Stupa wesentlich schwächer vertreten waren als vor zwei oder drei Jahren. Und offen gegen den Asta stimmen tun ja auch längst nicht alle.

Pavel: Ich würde das nicht klein reden wollen, denn es ist ein Prozess. Immer mehr Leute stehen auf und diskutieren gegen die klassischen Asta-Anträge. Und es wird auch dagegen gestimmt.

Julian: Was meiner Meinung nach der Gewinn der letzten Jahre ist, ist: Der Asta ist kein Block mehr. Und es wird auch nach außen wahrgenommen, dass der Asta nicht mehr 100 Prozent einheitlich ist.

FURIOS: Angenommen, ihr könntet den Asta leiten. Was würdet ihr anders machen, was beibehalten wollen?

Pavel: Meiner Meinung nach schadet der Konflikt zwischen Studierendenschaft und der Unileitung nur den Studierenden. Wenn die Studierendenvertretung einfach nicht mit der Unileitung reden kann, oder riesengroße Kommunikationsprobleme hat, leiden auch wichtige Projekte der Studierendenschaft. Ich denke, die Kommunikation könnte viel offener verlaufen.

Julian: Wir würden gerne die Kommunikation verbessern. Letztes Jahr wurde im Stupa oft über Formulierungen in Anträgen diskutiert und wie man die Unileitung am meisten damit provozieren könnte. Ich würde die Formulierungen lieber aufs Sachliche reduzieren. Das würde auch vermutlich weniger Zeit in Anspruch nehmen.

FURIOS: Was habt ihr im letzten Jahr erreicht?

Pavel: Wir haben uns darauf konzentriert, dass das Beratungsangebot, vor allem für psychisch erkrankte Studierende, erweitert wird. Und wir haben Anträge gestellt zur Erhebung der Geschlechteridentität von Studenten durch die Unileitung. Unsere Forderung war: Die Uni soll Angaben zum Geschlecht nur zu Forschungszwecken erheben, und wir haben uns dafür eingesetzt, dass es die Kategorie „nicht näher spezifiziert“ gibt.

FURIOS: Ihr distanziert euch immer wieder von der FDP. Aber wie finanziert ihr euch? Seid ihr da nicht parteiabhängig?

Pavel: Wir erhalten Spenden von unseren Mitgliedern.

Julian: Außerdem kriegen wir Geld vom VLA, dem Verband liberaler Akademiker. Und wir kriegen Geld vom Bundesverband der LHG. Außerdem versuchen wir Drucksachen zum Teil durch Werbung zu finanzieren, zum Beispiel in diesem Semesterheft für die Erstis.

FURIOS: Stichwort Bundesverband: Auf deren Homepage grinst einem Philipp Rösler entgegen. Ist es nicht reines Kalkül der LHG, sich von der Partei zu distanzieren? Neoliberal kommt hier ja eher nicht so gut an.

Julian: Also das Foto auf der Homepage vom Bundesverband fand ich auch komisch.

Pavel: Der Bundesverband ist auf keinen Fall neoliberal. Bei der Wiederbelebung der FDP waren jetzt Leute aus dem LHG-Bundesverband mit der FDP in Kontakt, um vorzubeugen, dass die FDP wieder neoliberal wird. Das Gedankengut in der Liberalen Hochschulgruppen hat mit Neoliberalismus nichts zu tun.

FURIOS: Nichtsdestotrotz ist da eine Verquickung.

Julian: Das sehe ich ein bisschen anders. Wir haben Mitglieder, die hassen die FDP fast. Dann haben wir Leute, die sind Mitglieder bei der FPD und den Julis, den Jungen Liberalen. Bei uns gibt es ein breites Spektrum.

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2008

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3 Responses

  1. 123 sagt:

    “Die FSIen haben versagt”
    Das finde ich eine ziemlich Frechheit.
    1. Es ist nicht die Aufgabe von ehrenamtlichen, studentischen Initiativen (genau das sind FSIen) den Job der Uni zu übernehmen.
    2. Am Politikinstitut, dem Osi, hat die FSI*OSI 2010 zum ersten Mal die Organisation übernommen (das war klassischerweise eine Aufgabe des Instituts) und die Einführungstage auf die Bedürfnisse der Erstis ausgerichtet. Dazu gehört z.B. die Stundenplanberatung: Alle Erstis finden die toll, die FSI*OSI ist mit großem ehrenamtlichen Einsatz dabei und das Institut ist über Jahrzehnte nie auf die Idee gekommen.

    Jetzt wurde die Mitwirkung der FSI*OSI wieder massiv eingeschränkt, aber bestimmt nicht weil die FSI*OSI versagt hat. Eher aus einer Mischung aus politischer Gängelung (die FSI*OSI hat die Studis nicht auf Regelstudienzeit und “ihr werdet die zukünftige Elite, ihr seid es schon fast” getrimmt) und Kontrollwahn.

    • Hört, hört! sagt:

      Völlig richtig! Das Mentoring wird von der Universität eingeführt, nicht weil die FSIn es nicht vernünftig auf die Reihe bekommen – sie leisten großartige Arbeit, obwohl die menschen die sich dort engagieren selbst ja auch zu studieren haben, deshalb hier mal einen hertzlichen Dank, an alle die sich in Inis engagieren! – sondern weil die FSIn den Profs auch mal contra geben und deshal politisch unbequem sind!

  2. Steffen sagt:

    Mal wieder beweist die LHG, dass sie keine Ahnung hat… Das Mentoring ist ein grundlegend anderes Konzept, als es Ersti-Veranstaltungen sind, die durch die FSIs organisiert werden. Auch am PuK-Institut gab es lange nichts, bis wir als Ini wieder ein komplettes Programm an Orientierungs-Tagen organisiert haben. Das machen wir immer noch und haben so eine hohe Resonanz, dass wir Leuten für die Ersti.Fahrt absagen müssen, weil wir keine Plätze mehr haben.

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