Same shit, different year

Mara Bierbach hat keine Lust mehr auf die ereignislose Realität der Stupa-Wahl und träumt von einer schlagzeilenreicheren Hochschulpolitik – mit Massendemos und Gratis-Kaffee.

montagskommentar_edited

Alle Jahre wieder kommt nicht nur der Weihnachtsmann, sondern auch die Wahl des Studierendenparlaments (Stupa). Wer dabei an heißen Wahlkampf, große Spekulationen oder gar eine interessierte Studierendenschaft denkt, muss sich auf eine herbe Enttäuschung einstellen. Denn leider läuft wohl auch dieses Jahr alles nach dem Dinner-for-One-Prinzip: „Same procedure as every year“:

Auch 2014 wird die Stupa-Wahl mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit von etwa 90 Prozent der Studierenden ignoriert. Noch immer bekommt aufgrund eines ineffizienten Wahlsystems vorraussichtlich jede noch so obskure Liste einen Sitz im Stupa. Zwar könnte über Asta-Koalitionen spekuliert werden – aber ich spiele mal Hellseherin und sage voraus, dass auch hier *Spoiler Alert* alles beim Alten bleibt.

Dieser Stillstand ist nicht nur frustrierend mitanzusehen als Studierende mit einigermaßenem politischen Interesse, sondern auch aus journalistischer Sicht. Denn im Grunde könnten unsere Redakteure in jedem Jahr „copy und paste“ betreiben. Während die Kollegen bei den großen Printzeitungen regelmäßig über Bundes- und Landtagskoalitionen spekulieren können, gibt es im Stupa jedes Jahr höchstens marginale Veränderungen – der Asta steht, stabil.

Gratis-Kaffee für alle!

Man wünscht sich mehr Substanz, aber auch mehr Schwung, mehr Drama bei den Wahlen. Kann nicht irgendwer das Gerücht in die Welt setzen, dass jeder, der wählen geht, einen Gratis-Post-Mensa-Kaffee bekommt? Ich seh’s schon vor mir: „Beteiligung an der Stupa-Wahl steigt auf 98 Prozent. Kilometerlange Schlangen an den Wahlurnen. Prügelei in der Silberlaube zwischen mehreren Studierenden, die einander unterstellen, vordrängeln zu wollen – drei Verletzte.“

Klingt oberflächlich und schlagzeilengeil, so als würde ich das Ganze nicht ernst nehmen? Stimmt, tue ich auch nicht mehr. Aber ganz ehrlich: Kann man eine Wahl ernst nehmen, bei der einem von gefühlt 99 Prozent aller Wahlplakarte ein Popkulturgimmick entgegengrinst?

Würde mir die holde Unipolitikfee drei Wünsche zugestehen, dann würd ich mir, klar, eine höhere Wahlbeteiligung, effizientere Wahlstrukturen oder ein bisschen frischen Wind wünschen, um verkrustete, ineffiziente Strukturen zu lösen. Aber auch Schlagzeilen, die mehr zur Unterhaltung und zum Kommentieren taugen. Wie wär’s mit:

,Rollenspieler wider das Böse‘ werben mit 1980er Ikone Mister T und sichern sich 41 Prozent der Stimmen. In einer Koalition mit dem ,RCDS‘ (16 Prozent aller Stimmen) werden die Rollenspieler zukünftig den Asta führen. Spöttische Stimmen taufen den neuen Asta ,Rollenspieler und das Böse‘. Massendemos auf dem Campus.“

Oder mit:

„Vom FU-Stupa in die Bundespolitik: Matthias Bartelt zieht Stupa-Kandidatur zurück und wird neuer Bundesvorsitzender der Linken. Katja Kipping gibt Parteivorsitz ab und wechselt in die Privatwirtschaft – ausgerechnet zur Bahn. Bartelt verkauft die Rechte an „F“UWatch für sechsstellige Summe an den Murdoch-Konzern. Und wieder: Massendemos auf dem Campus.“

Die Chancen, dass eins dieser albern-überspitzten Szenarien eintritt – oder sich überhaupt irgendwas durch die Stupa-Wahl ändert? Nahe null. Die Chancen, dass alles beim Alten bleibt? Nahe 100 Prozent. Aber man kann ja träumen.

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2008

Ähnliche Artikel

1 Response

  1. Anon sagt:

    Dieser Artikel ist so ziemlich der größte Bullshit, den ich seit langem gelesen habe.
    Was bitte sollen denn “effiziente Wahlstrukturen” sein? Effizienz ist in keinster Weise ein Merkmal, dass für ein Wahlsystem wichtig ist. An dieser Stelle Effizienz zu fordern ist unsagbar widerwärter Neoconneusprech.
    Natürlich ist der Stupa handlungsunfähig, natürlich ist beim Asta viel Scharade, aber an nichts daran trägt der Asta Primärschuld und immerhin sorgt er für ein funktionierendes Tagesgeschäft mit all seinen Beratungen und der Finanzierung der FSIn.
    Was sollte ein anderer Asta oder ein Stupa mit kleineren Blöcken bewirken? Das Studies nicht auf Massendemos gehen ist nicht die Schuld mangelnden Kaffees, sondern verkrusteter Strukturen auf Universitätebene und dem gefühlt zu engen Studienkorsett mit seinen zu vielen Prüfungen und engen Regelstudienzeiten. Warum demonstrieren, wenn man sowieso keine Zeit hat und es sowieso keine Auswirkungen verspricht, da in keinem Gremium auf oberster Universitätsebene auf die Studentenmeinung gehört wird?
    Oder was soll sonst passieren? Soll sich der Asta allgemeinpolitisch äußern? Das kann er leider nicht, selbst wenn er es wollte.
    Malen wir mal ein Bild, was passieren würde, wenn ein anderer Asta kommen würde. Vielleicht ein RCDS-Asta, so wie in die TU mal hatte. Der rechte Asta hat dann Maggie-Thatcher-würdig studentische Infrastruktur vernichtet und die dortige Druckerei verkauft. Anders würde das bei uns auch nicht laufen und ob alle derzeitigen Referate überleben würden oder es in Zukunft eine Rechtsberatung oder ähnliches geben wúrde, ziehe ich auch in starken Zweifel.

    Wenn die Autorin Spannung in der Hochschulpolitik will, dann soll sie ihren verdammten Arsch heben und etwas dafür tun, denn sinnloses Lamentieren ist auch “Same procedure as every year.”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.