Außer Uni: Die seelische Stütze

Ob bei der Tafel, einer NGO, im Altersheim: Ehrenamtliches Engagement geht immer. Lisbeth Schröder traf Laila Abdul-Rahman, die für eine Opferhilfsorganisation arbeitet.

Zweimal im Monat besucht Laila Adul-Rahman Menschen, die Opfer von Kriminalität wurden. Foto: Lisbeth Schröder

Zweimal im Monat besucht Laila Abdul-Rahman Menschen,
die Opfer von Kriminalität wurden. Foto: Lisbeth Schröder

In unserer Serie „Außer Uni“ stellen wir FU-Studierende und ihr Leben außerhalb der Universität vor: spannende Hobbys, verrückte Nebenjobs, außergewöhnliche Wohnorte. Teil 2: Laila Abdul-Rahman berät ehrenamtlich Menschen, die Opfer von Straftaten geworden sind.

Weißer Ring e.V., ein gemeinnütziger Verein zur Unterstützung von Kriminalitätsopfern, besteht aus 56.000 Mitgliedern und 3.000 ehrenamtlichen Helfer. Laila Abdul-Rahman ist eine davon. Sie besucht die Betroffenen zu Hause, berät sie und steht ihnen bei. Wie es ihr dabei geht, wie die Arbeit ihr Studium ergänzt und wie viel Zeit sie dafür aufwenden muss, erfahrt ihr im Interview mit FURIOS.

FURIOS: Wie bist du darauf gekommen, für den Weißen Ring zu arbeiten?

Laila: Ich habe mich während meines Jurastudiums viel mit Opferrechten, Opferschutz und Strafverfahren beschäftigt. So bin ich auf den Weißen Ring aufmerksam geworden, weil das ein ziemlich großer Opferhilfeverein ist.

FURIOS: Wie sieht deine ehrenamtliche Tätigkeit aus?

Laila: Man wird vom Weißen Ring angerufen und gefragt, ob man Zeit hätte, den Opferfall zu übernehmen. Gerade am Anfang bekommt man noch nicht die schweren Delikte. Aber, man glaubt das immer gar nicht, auch so kleinere Delikte wie ein Einbruch in die Wohnung oder ein Taschenraub können bei Leuten Schäden hinterlassen. Man besucht die Person meistens einmal zu Hause und berät sie für ein, zwei Stunden. Wir leisten weder psychologische, noch juristische Hilfe, sondern vermitteln diese oder leisten gegebenenfalls auch finanzielle Hilfe, zum Beispiel für eine Erstberatung durch einen Anwalt.

FURIOS: Was für ein Gefühl hast du denn nach einem Hausbesuch?

Laila: Man fühlt sich natürlich betroffen und es gibt viele Schicksale, bei denen man sich denkt: Meine Güte, man hat es schon selber ganz gut. Auf der anderen Seite ist es auch schön, wenn man merkt, dass man den Leuten einfach helfen konnte.

FURIOS: Wie viele Fälle übernimmst du pro Monat?

Laila: Je nach Aufkommen. Es kann natürlich auch mal einen Monat geben, wo nichts ist. Ansonsten sind es zwei Fälle pro Monat, würde ich sagen. Es ist weniger, als man denkt, aber das ist auch ganz sinnvoll, weil man sich auf jeden Fall neu einstellen muss. Und ich habe auch selbst nicht sehr viel Zeit.

FURIOS: Wie lange bist du jetzt dabei?

Laila: Wirklich dabei bin ich seit November, davor bin ich zu den Hausbesuchen von meiner Chefin oder anderen Mitarbeitern mitgegangen. Da war ich bei Sachen dabei, die können einen schon mitnehmen.

FURIOS: Du bist ja noch recht jung, 23. Gibt es da Leute, die denken, dass da jemand Älteres kommen müsste?

Laila: Ja, natürlich. Am Anfang denkt man vielleicht noch selber: „Ich soll da jetzt hingehen und irgendjemandem irgendwas erzählen?“ Aber ich glaube, sobald man sich dafür entschieden und ein Schulungsseminar besucht hat fühlt man sich so halbwegs sicher. Und das merken die Leute auch. Es ist mir selber noch nie passiert, dass mich jemand für zu jung gehalten hat.

FURIOS: Glaubst du, diese Arbeit bringt dich persönlich und beruflich weiter?

Laila: Beruflich kommt es darauf an, was ich später mache; wenn ich jetzt weiterhin in der Richtung unterwegs sein sollte, dann schon. Im Strafrecht betrachtet man eher die Täterseite oder die Tat an sich und überlegt: ,,Ist das jetzt ein strafbares Verhalten oder nicht?“ Wenn man das als Studentin immer so theoretisch angeht, vergisst man auch natürlich auch manchmal die Opferseite. Somit steht es zwar in Verbindung, aber ich denke, es bringt mich vor allem persönlich weiter.

Mehr über „Weißer Ring e.V.“ erfahrt ihr hier.

Hast du einen Job, den sonst keiner hat? Engagierst du dich neben der Uni ehrenamtlich? Kennst du jemanden mit einem interessanten Lebensstil? Wir freuen uns über Tipps an campus@furios-campus.de!

Bisher bei „Außer Uni“:

Teil 1: Der Simulant Joseph Wilson organisiert „Model United Nations“

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2008

1 Response

  1. Klaus Kenner sagt:

    toller Artikel, lieber ehrenamtliches Engagement als abwegiges Geheuchle auf facebook& co.

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