Galgenfrist für Diplom und Magister

Bald besuchen nur noch Bachelor- und Masterstudierende die FU. Die verbliebenen Diplom- und Magisterstudierenden werden vorher per Frist zum Abschluss gedrängt. Widerstand regt sich. Von Matthias Bolsinger

Die Bologna-Reform ist durchgesetzt. Ganz Europa studiert auf Bachelor und Master. Ganz Europa? Nein, denn einige wenige Studierende sind noch in Diplom- und Magisterstudiengängen immatrikuliert. Sie sind die Gallier der Universitäten. Doch die bildungspolitischen Legionen setzen zum entscheidenden Schlag an: Die auslaufenden Studiengänge sollen endgültig abgeschafft werden – und die darin immatrikulierten Studierenden mit einer Frist in Richtung Abschluss gedrängt werden.

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Das Ende von Diplom und Magister besiegelte das im Jahr 2011 novellierte Berliner Hochschulgesetz. Dieses überlässt den Berliner Universitäten die Entscheidung, wann die Studierenden letztmals die Chance bekommen, eine Prüfung abzulegen und damit ihr Studium zu beenden. Dabei seien „die Lebensumstände der betroffenen Studenten und Studentinnen angemessen zu berücksichtigen“, heißt es im Gesetzestext. Einige Studierende hoffen nun auf die Möglichkeit, durch eine Härtefallregelung eine Fristverlängerung zu erhalten.

Lange war über den Umgang der FU mit ihren Diplom- und Magisterstudierenden spekuliert worden. Jetzt macht die Uni ernst. Die Fachbereiche selbst werden über die genauen Modalitäten der Fristen entscheiden. Allgemein sollten die Fachbereichsräte sich aber nach folgender Formel richten: letztes Immatrikulationsdatum plus doppelte Regelstudienzeit plus zwei Semester. Weil nach dieser Formel bei einigen auslaufenden Studiengängen schon längst Schluss sein müsste, gilt bei diesen eine Frist von mindestens drei Semestern.

Von den Fristen sind insgesamt 1409 Studierende an der FU betroffen (Aufgliederung nach Fachbereichen siehe Tabelle). Der Großteil davon ist bei den Geistes- und Sozialwissenschaften anzutreffen. In den vergangenen Jahren schlossen Tausende ihr Diplom- bzw. Masterstudium ab. Im Sommersemester 2011 waren noch etwa 4200 Studierende in Diplom- und Masterstudiengängen immatrikuliert.

Studentischer Widerstand in den Wirtschaftswissenschaften

Die zum baldigen Abschluss zitierten Studierenden stehen nun erheblich unter Druck. Wer etwa seinen Magister abschließen möchte, benötigt allein im schnellstmöglichen Verfahren dafür neun Monate, also zwei Semester. Wer noch nicht scheinfrei ist, darf sich erst gar nicht zur Prüfung melden. Für einige Studierende könnten drei Semester schon zu wenig sein, das Studium infolgedessen gescheitert.

So regt sich Widerstand unter den Studierenden. Der Allgemeine Studierendenausschuss der FU erwägt rechtliche Schritte gegen das Präsidium. Während ein Beschluss am Fachbereich Mathe/Informatik am 15. Januar vertagt wurde, mussten die studentischen Vertreter am selben Tag im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften bereits ein aufschiebendes Veto gegen einen Beschluss einlegen, der in seiner schriftlichen Form keine Härtefallregelungen vorsah. Am 12. Februar wird erneut über den Antrag abgestimmt. An diesem Tag werden die Studierenden jedoch keinen Einspruch erheben können, da ihr Veto aufgebraucht ist.

Für die 66 verbliebenen Diplom- und Magisterstudierenden der BWL oder VWL wäre dann der 31. März 2016 der letzte Prüfungstermin. Auf die Uni-Gallier kommen ungemütliche, arbeitsintensive Zeiten zu.

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2008

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