„Weiter geht es auf jeden Fall“

Wie gestalten wir unsere Zukunft nachhaltig? Diese Frage treibt Gerhard de Haan an. Er gründete das Institut Futur an der FU und ist seit diesem Jahr im Nachhaltigkeitsrat der Bundesregierung. Von Lior Schechori

Gerhard de Haan setzt sich für nachhaltige Entwicklung durch Bildung ein. Foto: Eva Häberle

Gerhard de Haan setzt sich für nachhaltige Entwicklung durch Bildung ein. Foto: Eva Häberle

In unserer Serie „Kluge Köpfe“ porträtieren wir interessante Wissenschaftler der FU. Teil 1: Gerhard de Haan, Erziehungswissenschaftler.

Geht man die Treppe des einstöckigen Hauses in der Arnimallee 9 hoch, sieht man die offene Tür eines Büros. Dahinter sitzt Professor Gerhard de Haan. Mit seinem gelb-rot-blau gestreiften Hemd und seiner noch bunteren Fliege macht er einen etwas spielerischen Eindruck. Wenn es um nachhaltige Entwicklung geht ist er aber völlig ernst.

Gerhard de Haan ist Professor für Erziehungswissenschaft und leitet das Institut Futur für Erziehungswissenschaftliche Zukunftsforschung an der FU. Seine Schwerpunkte sind Bildung und Natur und er beschäftigt sich seit Jahren mit Nachhaltigkeit. Für ihn hat Nachhaltigkeit immer mit der Zukunft zu tun, denn „Nachhaltigkeit ist nicht etwas, das existiert, sondern sie ist etwas, das realisiert werden sollte“. Deshalb hat er 2010 den Masterstudiengang Zukunftsforschung initiiert – eine Neuheit im deutschsprachigen Raum.

„Zukunftsforschung beschäftigt sich mit der Frage, was möglich gewünschte, plausible und wahrscheinliche Zukünfte sind“, sagt de Haan. Im Masterstudiengang werde inter- und transdisziplinärer gearbeitet. Am Institut studieren, lehren und forschen Juristen neben Wirtschaftswissenschaftlern und Ingenieuren: Die Tür sei für Studierende und Forschende aus allen Fachbereichen offen, so der Erziehungswissenschaftler. Was alle gemeinsam haben: Die Verpflichtung zum Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung.

Für eine nachhaltige Gesellschaft

Auch außerhalb der Universität setzt de Haan sich für eine nachhaltige Gesellschaft ein. Seit Anfang des Jahres ist er Mitglied des Nachhaltigkeitsrats der Bundesregierung. Der Rat begleitet und berät das Kabinett in ihrer Nachhaltigkeitspolitik. Seine Mitglieder schlagen Projekte und Initiativen vor und analysieren den Stand der nachhaltigen Entwicklung in Deutschland. De Haan möchte innerhalb des Rates einen Schwerpunkt auf Bildung setzen. „Man braucht einen mentalen Wandel, um eine erfolgreiche nachhaltige Entwicklung betreiben zu können“, sagt er. „Es geht nicht nur um Fragen der Technologie, der Gesetzte und der Verantwortlichkeit der Wirtschaft, sondern darum, dass sich in den Köpfen etwas ändert.“ Das, so de Haan, gehe nur über Bildungsprozesse.

De Haans Beschäftigung mit nachhaltiger Entwicklung beschränkt sich nicht auf die nationale Politik: Auch auf internationaler Ebene ist er aktiv. So ist er Vorsitzender des Deutschen Nationalkomitees für die UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“, die 2005 angefangen hat und dieses Jahr endet. Die Dekade ist ein Programm der Vereinten Nationen, das die Prinzipien nachhaltiger Entwicklung weltweit in den nationalen Bildungssystemen verankern soll. Zu den Aufgaben des Komitees gehören die Koordination und Umsetzung der Weltdekade in Deutschland. „Diese internationale Kooperationen sind wichtig“ sagt de Haan, „aber es ist auch wichtig, einen zwischenstaatlichen Ideenaustausch und gegenseitige Unterstützung zu haben.“ Ihm zufolge sollen also nicht nur Richtlinien von oben herab vorgeschrieben werden, sondern auch Initiativen auf regionaler Ebene entstehen.

Nachhaltigkeit an der FU

Wie sieht es nun an der FU mit der Nachhaltigkeit aus? Welche Rolle spielt diese in der Lehre, Forschung und bei Fragen wie zum Beispiel Sanierung und Stromverbrauch? Einerseits ist die FU De Haan zufolge in bestimmten Bereichen fortgeschritten: In den Politikwissenschaften, Jura, BWL und Geographie wurde das Thema Umwelt als Schwerpunkt gesetzt. Außerdem ist die Universität seit 2005 nach der internationalen Umweltmanagementnorm ISO 14001 zertifiziert. Anderseits gibt es noch viel zu verbessern. „Wir könnten zum Beispiel mehr zu regenerativen Energien forschen, im Beschaffungswesen viel verbessern und die Mensen besser gestalten“ sagt der Erziehungswissenschaftler.

In seiner Dissertation aus dem Jahr 1984 spricht de Haan von „einer Möglichkeit der Un-möglichkeit von Zukunft“. Heute zieht er diese Aussage zurück. „Die Welt geht – bei allen Katastrophenmeldungen – nicht unter“, sagt er. „Die Frage ist nur: Wie? Weiter geht es auf jeden Fall. Es geht nicht um irgendeine, sondern um die gute Zukunft. Das ist der Punkt“. De Haan zufolge berät uns die Zukunftsforschung darüber, was wir tun müssten, um die gewünschte Zukunft zu realisieren. „Ob wir es tun, ist eine andere Frage. Das kann ich nicht prognostizieren“.

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2008

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