Alternativlos Alt

FU-Präsident Alt ist der einzige Kandidat für die Präsidentschaftswahl im April. Seine Wiederwahl gilt als sicher. Eine Berliner Tageszeitung findet das hervorragend – Florian Schmidt ist weniger begeistert.

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Das Lob im „Tagesspiegel“ war kurz, aber überschwänglich. Anlässlich der nahenden Präsidentschaftswahlen an der FU vermeldete die Tageszeitung vergangene Woche, dass lediglich eine Bewerbung um das höchste Amt der Uni eingegangen sei: Peter-André Alt, seit vier Jahren Leiter der Uni, möchte bis 2018 FU-Präsident bleiben. Gegenkandidaten gibt es nicht, seine Wiederwahl gilt als sicher.

Neben dieser Meldung verfasste die Autorin Anja Kühne zudem einen Kommentar, der dem Präsidenten schmeicheln dürfte: Alt sei als „angesehener Germanist“ eine „exzellente Wahl“, „der Richtige“, ein „Aushängeschild der Uni“. Er habe der FU ein weiteres Mal zu Exzellenzwürden verholfen, vernetze die Uni zu allen Seiten – und stelle sich selbst dabei nicht in den Vordergrund, lobte Kühne.

Die zuletzt genannten Erfolge lassen sich nicht bestreiten. Tatsächlich ist die FU unter seiner Führung 2012 erneut zur Elite-Uni ausgezeichnet worden, tatsächlich ist Alt ein charismatischer und charmanter Mann, der die Uni hervorragend zu repräsentieren vermag. Und nicht zuletzt auch dank seines ausgleichenden Auftretens mag er fester im Sattel sitzen als die Präsidenten der anderen Berliner Unis. Die mussten jüngst schon einmal zurücktreten oder wurden abgewählt. Doch ist seine Bestätigung im Amt deshalb eine exzellente Wahl?

Zunächst einmal ist sie vor allem eines: alternativlos – und damit schon in demokratischer Hinsicht alles andere als exzellent. Zwar war das bereits bei seiner ersten Wahl 2010 der Fall. Damals zogen Alts Gegner, Raúl Rojas und Christiane Lemke, ihre Kandidaturen kurz vor der Wahl zurück, sodass er schon vor vier Jahren als einziger Kandidat gewählt wurde. Trotzdem gab es 2010 zumindest im Ansatz mehrere Bewerber, zumindest gab es einen kleinen Diskurs darüber, wohin es mit der FU gehen soll.

Never change a winning team?

In diesem Jahr kann davon nicht die Rede sein. Niemand scheint zu wagen, es mit Alt aufzunehmen. Die Dominanz des Präsidiums scheint zu groß, die Bequemlichkeit alles so zu lassen, wie es ist, zu verlockend. Natürlich ließe sich das auch positiv formulieren: Never change a winning team, sprich, wo es keine Kritik, keine Skandale gibt, läuft der Laden rund.

Tatsächlich aber gab es die in den vergangenen Jahren. Proteste gegen die undurchsichtige Ausarbeitung der Rahmenstudien- und Prüfungsordnung (RSPO), mehrere Polizeieinsätze an der Uni, AS-Sitzungen unter dem Schutz von Wachleuten in Teltow, Gerüchte über telefonische Wahlempfehlungen des Präsidiums an Professoren – so souverän, zurückhaltend und diplomatisch Alts Auftreten meist ist, vor all dem bewahrt hat es ihn nicht. Im Gegenteil: Speziell in der Diskussion über die RSPO zeigte sich, wie umstritten die Geheimniskrämerei des Präsidiums und Alts Führungsstil nicht nur bei den Studenten des Bildungsprotestes zuweilen sind.

Summa summarum lässt sich festhalten: Die Wiederwahl des aktuellen FU-Präsidenten ist nicht in jeder Hinsicht exzellent. Alt hat viel erreicht, seine Erfolge geben ihm Recht, er kann Präsident. Die Umstände der Wahl allerdings sind nicht ideal – nicht zuletzt deshalb, weil sie widerspiegeln, wie bequem die Uni-Politiker trotz vieler Streitpunkte zu sein scheinen, und wie unkritisch sie dem aktuellen Präsidium gegenüber stehen.

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2008

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