Ein Tag in: Marzahn-Hellersdorf

Wer braucht schon Kreuzberg oder Neukölln? Berlin hat noch viel mehr zu bieten! In den Semesterferien zeigt FURIOS euch, was man in anderen Bezirken entdecken kann. Teil I: Ein Tag in Marzahn-Hellersdorf. Von Valerie Schönian

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Wer sich normalerweise in Friedrichshainer Clubs rumtreibt, genauer im Suicide Circus, der wird Marzahn vielleicht zuerst mit Klogeruch und Drogen assoziieren. Nicht, weil es da so stinken würde. Sondern weil jemand, der entweder eine so große Marzahn-Abneigung hat, dass sie ihn sogar beim Feiern verfolgt oder aber jemand, der wahrlich gute Zähne hat, mit Edding an der Toilettenwand des Clubs für alle Partywütigen festhielt: „Lieber mal nen Zahn ziehn, als nach Marzahn ziehn!“

Tja, Marzahn. Spätestens seit der Komödiantin in Nicky-Stoff-Outfit ist dieser Name berüchtigt. Dabei ist Marzahn gerade mal ein Teil von etwas viel Größerem: dem Bezirk Marzahn-Hellersdorf. Dort gibt es viel zu entdecken. Wer‘ s riskieren will, geht nicht zum Zahnarzt, ja, wendet sich von den Jutebeutel tragenden Hornbrillen-Menschen innerhalb des Berliner Ringes ab und setzt sich am Alexanderplatz in die U5 Richtung Hellersdorf. Und wer den Weg schon auf sich nimmt, bleibt am besten gleich den ganzen Tag.

Die Welt von Brandenburg bis zum Fernsehturm

Schon aus der Bahn erkennt man, was den Bezirk ausmacht: viele leere Flächen. Oder besser gesagt: Stücke unberührter (naja, fast unberührter) Natur. Also eben das, wonach man in Friedrichshain & Co. vergeblich sucht. Und dafür braucht es noch nicht einmal ein Volksbegehren. Das einfach mal zu genießen zu können, macht den Charme des Bezirks aus.

Dass Marzahn-Hellersdorf trotzdem zur trubelnden Hauptstadt gehört, erkennt, wer auf dem Kienberg steht. Nur etwa 20 Minuten zu Fuß von der U-Bahn-Station Hellersdorf entfernt, hat man hier eine Aussicht wie Mufasa und Simba über ihr Königreich. Ja, man sieht sogar die schattigen Teile außerhalb des Bezirks: Brandenburg. Und ganz hinten in der Ferne, bei gutem Wetter, ist auch der Fernsehturm erkennbar.

Vom Berg runter geht’s in den Wuhle-Park – ein kleiner Wanderweg, der bis nach Köpenick führt: rechterhand die schmale, plätschernde Wuhle, links die Fernwärmeleitung. Einem der Wege folgend (Karte oder Smartphone am besten dabei haben, sonst wird’s brenzlig), kommt man zur Attraktion des Bezirks: die Gärten der Welt. Der Name ist Programm: Von Deutschland über Indien bis China sind Pflanzenarten und Designvarianten vertreten. Der Eintritt kostet in der Nebensaison (bis Mitte März) zwei, ansonsten vier Euro. Sogar die Liegen sind kostenlos (wenn auch bei Minustemparaturen nicht empfehlenswert)!

Kultur, Cocktails und gegelte Haare

Wer Hunger hat, macht am besten gleich ein Picknick hier im Park. Für alle Fleischverfechter gibt es Schnitzel mit Pommes für 2,99 bei Kaufland: Hier findet man auf jeden Fall jemanden zum Quatschen. Kaffee, Kuchen oder eben Bier gibt es in der „Kiste“: Das Kulturzentrum in Marzahn-Hellersdorf stand schon im Mittelpunkt vieler junger Generationen, noch immer kommen sie ab und an vorbei. Hier gibt es immer was anderes: Konzerte, Filme, Ausstellungen.

Irgendwann reicht es aber bekanntlich selbst hippen Mitte-Studis mit der Kultur. Dann ist die „Sahara“-Bar die nächste Anlaufstelle. Auf den ersten Blick nur ein orientalisches Restaurant mit Shisha-Option und überteuerten Cocktails. Doch ab 18 Uhr ist Happy Hour: alle Cocktails nur 3,60 Euro! Die „Sahara“-Bar ist somit die perfekte Vorbereitung für den „Höhepunkt“ des Abends: das „Pulsar“. Wenn schon abends in Marzahn-Hellersdorf, dann aber richtig!

Das „Pulsar“ gehört zu jener aussterbenden Sorte Clubs, wo es keine Club Mate auf der Getränkekarte gibt. Hier ist jeder richtig, der genug von Jutebeuteln, Stirnbändern und Blümchendeko hat: Menschen, die hier her kommen, nehmen sich noch Zeit für sich und ihre Frisur. Jeder Abend wird hier anders, je nachdem, ob Russische Disko, 80er-Party oder „Flirt Revival Treffen“ im Kalender steht.

Eines ist klar: Das Pulsar und der Suicide Circus haben so gut wie nichts gemeinsam und zwischen Friedrichshain und Marzahn-Hellersdorf liegt mehr als nur die U5. Doch die fährt zumindest am Wochenende die ganze Nacht – und bringt einen notfalls selbst vom „Pulsar“ nach Hause.

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2008

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