Ein Tag in: Steglitz

Steglitz ist traditionell ruhig und bourgeois. Aber es besitzt einen diskreten Charme. Findet zumindest Cecilia Fernandez, die einen Tag im stillen Westen verbracht hat.

Tausende Studierende sind täglich in Steglitz – allerdings nur universitätsbedingt. Ruft keine Lehrveranstaltung und keine Sprechstunde, lockt der Bezirk nur wenige Besucher in seine Straßen. Dabei kann es sich durchaus lohnen, den stillen Westen auch jenseits universitärer Pflichten zu erkunden.

Zum Beispiel lädt die Gemächlichkeit, die der Gegend eigen ist, zu gedankenversunkenen Spaziergängen ein. Gerade in der Frühlingssonne bieten die ehemaligen Villenkolonien hierzu einen charmanten Hintergrund. Auch der Botanische Garten an „Unter den Eichen“ eignet sich zum Promenieren. Die Anlage ist in Deutschland die größte ihrer Art und beherbergt neben zahlreichen Gewächshäusern und Spazierwegen auch das Botanische Museum, Kunstgärten sowie wechselnde Ausstellungen.

Kultur- und Konsumrausch

Wenige Gehminuten entfernt bietet die Schwartzsche Villa an der Grunewaldstraße Kultur zu kleinen Preisen. In ihren Räumlichkeiten finden regelmäßig Ausstellungen, Konzerte, Lesungen und Theateraufführungen statt. Zwar versammelt sich in diesem Zentrum nicht die kosmopolitische Kunstelite. Doch gerade aus diesem Grund widmet sich die Schwartzsche Villa immer wieder Kunstschaffenden, die in den großen Häusern Berlins keine Beachtung finden. Jeden Montag kann man hier Lesungen des Autorenforums beiwohnen, in denen Schreiberline mit Literaturliebhabern zusammentreffen, um gemeinsam zu lesen und zu diskutieren.

Vom Kulturprogramm direkt in den Konsumrausch: Von der Grundewaldstraße ist die Schloßstraße, die längste Einkaufsstraße Berlins, nur Sekunden entfernt. Wer an den üblichen Verdächtigen in Sachen Shopping vorbei bummelt, kann schnell dem einen oder anderen Angebot verfallen. Kann sich aber auch der langen Reihe verwirrter Passanten anschließen, die vergeblich versuchen, die architektonische Ausgestaltung und den stadtgestaltenden Zweck des „Bierpinsel“ zu erfassen. Mit ihren 46 Metern Höhe überragt die mehreckige Baute auf ihrem schmalen Sockel die Schloßstraße und versprüht mit ihrer grellbunten Fassade futuristisches Flair.

Und wer inmitten der Steglitz’schen Gemächlichkeit mit harten sozialen Realitäten konfrontiert werden will, darf sich in die erste und bisher noch einzige Berliner Filiale des Primark wagen. Dort können selbst hartgesottene Shopper am eigenen Leib erfahren, wie der Kauf eines einfachen weißen T-Shirts zu einer charakterbildenden Übung in puncto Durchsetzungsvermögen und Geduld ausarten kann.

Blick in die Zukunft

Am Ende der Schloßstraße wird es Viele ins benachbarte Schöneberg ziehen. Doch wer auch die nächtlichen Stunden in Steglitz verbringt, kann herausfinden, wie Menschen in oder jenseits der Midlife Crisis ihre Wochenendabende gestalten. Freunde der gepflegten Eckkneipe können beispielweise im schottischen Pub „Loch Ness“ in der Roonstraße diesen leicht beunruhigend Blick in eine mögliche Zukunft werfen.

Das Lokal ist klein aber gemütlich und auch unter der Woche gut besucht. Die Spezialität des Hauses sind die 691 unterschiedlichen Whiskeysorten. Bei der Entscheidung beraten Wirt und Bedienung, mit denen die Gäste hier noch per Du sind, gerne und kompetent. Nach einer intensiven Verköstigung lässt sich dann auch der lange Weg nachhause frohen Gemüts ertragen.

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2008

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2 Responses

  1. Django sagt:

    Und worin genau besteht nun der “diskrete Charme” der Steglitzer Bourgeoisie? In den Menschenmassen, die erst Primark stürmen und mit ihren Primark-Tüten dann die U9? Oder in den vielen Whiskeysorten, die im Werbeblock erwähnt werden? Währe das Gymnasium Heesestraße nicht ein besseres Beispiel für die Bourgeoisie? Oder Adria-Kino und Schlossparktheater? Prägend für Steglitz ist auch das Klinikum. Und der Stadtpark. Und das Stadtbad gibt es auch. Und was hat es mit dem Bierpinsel nun auf sich? Aber Journalismus ist ja nicht dazu da, Fragen zu beantworten…

    Ach noch was: Geht es im Artikel um den Stadtteil Steglitz oder den Bezirk Steglitz-Zehlendorf? Es muss wohl letzteres sein, sonst wären die Tausenden von Studierenden ja nicht erwähnenswert. Die FU liegt nämlich in Dahlem und nicht in Steglitz. Allerdings wurde sie in Steglitz gegründet: Der Titania-Palast war früher nämlich kein Schachtelkino, sondern ein großer Veranstaltungssaal, der in den ersten Jahren für die FU genutzt wurde. Aber das müssen Journalist/inn/en nicht wissen, denn dafür müssten sie ja recherchieren.

  2. Django sagt:

    Ich bin mir ja nicht sicher, ob die Autorin so genau weiß, wo Steglitz liegt. Die vielen FU-Studierenden finden sich kaum jeden Tag in Steglitz ein – bis auf wenige Gebäude ist die FU nämlich in Dahlem angesiedelt. Das gilt auch für den Botanischen Garten… Oder war der Bezirk gemeint? Nun, der heißt nicht Steglitz, sondern Steglitz-Zehlendorf, umfasst dann zwar Dahlem, aber auch Zehlendorf, Düppel, Wannsee, Lichterfelde und einen Teil des Grunewalds…

    Aber so ganz erschließt sich mir die Auswahl dessen nicht, was über Steglitz berichtet wird. Die Schwartzsche Villa wird erwähnt, aber das Schlossparktheater nicht und auch nicht das Adria-Kino. An der Schlossstraße steht der Titaniapalast, und der hat eine Vergangenheit vor seiner jetzigen Existenz als Schachtelkino: Hier fand die Gründungsversammlung der FU BErlin statt. Der Teltowkanal wird nicht erwähnt und der Stadtpark nicht.

    Vielleicht wird beim nächsten Beitrag dieser Reihe wirklich recherchiert?

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