Lieber Semester als Ferien

Egal, ob Semesterferien oder nicht: Carola Glasenapp ist immer in der Cafeteria in der Silberlaube zu finden. Seit 35 Jahren arbeitet sie fürs Studentenwerk. Josta van Bockxmeer traf sich mit ihr auf einen Kaffee.

Sorgt seit 35 Jahren Jahren für den Pausenkaffee von Berliner Studierenden: Carola Glasenapp. Foto: Josta van Bockxmeer

Sorgt seit 35 Jahren Jahren für den Pausenkaffee von Berliner Studierenden: Carola Glasenapp. Foto: Josta van Bockxmeer

Freitagmorgen, neun Uhr in den Semesterferien: Die Silberlaube ist wie ausgestorben. In der Cafeteria am Eingang sind Carola Glasenapp und eine Kollegin aber schon fleißig dabei, sauberzumachen und alles für die ersten Kunden bereitzustellen. Sieben Tage pro Woche schenken sie und ihre vier anderen Kolleginnen den bitter notwendigen Pausenkaffee aus.

Glasenapp arbeitet schon fürs Studentenwerk, seit sie zwanzig Jahre alt ist. Ursprünglich hatte sie mit fünfzehn eine Ausbildung zur Zahnarzthelferin angefangen, aber als sie mit siebzehn schwanger wurde, musste sie die abbrechen. „Drei Jahre lang war ich zuhause“, sagt die 57-jährige. In ihrer Heimat West-Berlin sei es „nicht die Regel gewesen“, so jung Kinder zu bekommen. „Es war auch nicht beabsichtigt, es ist halt passiert, “ sagt sie in dem für sie typischen nüchternen Ton. „Ich kann kein Kind abtreiben, das funktioniert nicht.“

Der beste Kaffee

Während viele Studierende nicht warten können, bis die Semesterferien beginnen, ist Glasenapp die Zeit im Semester lieber. In den Semesterferien sei es nur zur Mittagszeit voll, den Rest des Tages gäbe es wenig zu tun. „Irgendwann hat man mal alles durchgeputzt.“ Während des Semesters habe sie immer was zu tun: „Es ist anstrengender, aber ich finde es schöner.“

Stammkunden habe sie viele. „Es gibt Leute, die kommen immer hier vorbei. Wir sehen sie dahinten und dann können wir schon Kaffee aufsetzen.“ Für Gespräche sei aber weniger Zeit: „Die Kunden kommen in den Pausen, und die sind nicht lange. Die wollen schnell ihren Kaffee und raus, eine rauchen.“

Glasenapp zufolge kommen viele Leute, die in der Mensa gegessen haben, für den Kaffee extra zur Cafeteria. „Viele haben gesagt, dass der Kaffee hier besser schmeckt. Das liegt wahrscheinlich an der Sorte.“ In der Cafeteria verkaufen Glasenapp und ihre Kolleginnen nämlich Fairtrade-Kaffee. Und auch nicht unwichtig: „Hier wird man bedient.“

Arrogante Studierende

Ob sie manchmal unhöfliche Kunden habe? „Es gibt schon arrogante Studenten. Nicht viele, aber die gibt es.“ Das merke sie daran, wie jemand spreche, oder wie er bezahle: „So von wegen, ‚ich habe genug‘“. Glasenapp bleibt aber immer freundlich. „Ein einziges Mal habe ich gesagt: ‚Ein bisschen freundlicher, bitte.‘ Aber das bringt meistens nicht viel.“

Wenn sie mal nicht für ihre Kunden da ist, fährt Glasenapp Fahrrad. Jeden Nachmittag nach ihrer Arbeit radelt sie eine Stunde durch den Tiergarten. Aber: „Ich kann nicht Fahrradfahren, wenn es regnet.“ Darum nehme sie zur Sicherheit lieber das Auto zur Arbeit. Und dann gibt es noch etwas, das sie selbst schmunzelnd eine „doofe Leidenschaft“ nennt: Computerspiele. Über die Internetspiele „Kings of Kings“ und „Chaos“ habe sie einen Freundeskreis aufgebaut, den sie ein paar Mal pro Jahr besucht. Wenn sie mal Ferien hat.

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2010

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