Wohnheime auf dem Feld? Eine Illusion!

Die Berliner SPD schlägt vor, auf dem Tempelhofer Feld Wohnheime für Studenten zu errichten. Damit will sie die Studenten für den Volksentscheid auf ihre Seite ziehen. Maik Siegel erklärt, warum das ein leeres Versprechen ist.

Montagskommentar (neu)

Die wahlkampftaktischen Manöver gehen in die heiße Phase: die SPD will uns Studenten davon überzeugen, beim Volksentscheid am 25. Mai für die Bebauungspläne des Senats zu stimmen. Denn der Berliner SPD-Abgeordnete Lars Oberg schlug jüngst vor, auf dem Tempelhofer Feld Studentenwohnheime zu errichten. Damit wollen die Sozialdemokraten diejenige Gruppe ködern, die stark unter dem Berliner Wohnungsmangel zu leiden hat: die Studenten. Ein verlockendes Angebot – trotzdem sollten wir uns nicht von der Politik vereinnahmen lassen.

Um die Bebauung des Tempelhofer Feldes tobt seit Monaten ein erbitterter Streit zwischen dem Senat, der auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Gewerbe- und Wohnhäuser errichten will, und der Initiative „100 Prozent Tempelhofer Feld“, die die Freifläche unberührt lassen möchte. Der Senat rechtfertigt die Bebauungspläne vor allem mit dem alarmierenden Wohnungsmangel in Berlin. Gerade Studenten sind die Leittragenden dieser Situation: Für das Wintersemester erwartet das Studentenwerk eine Warteliste von 2000 Studenten für die Wohnheimplätze. Die sind in Berlin rar gesät: Derzeit stehen nur 6,1 Prozent der in Berlin lebenden Studenten Wohnheimsplätze zur Verfügung, der Bundesdurchschnitt liegt bei 10 Prozent.

Den Köder nicht schlucken

Also doch für die Senatspläne stimmen, damit sich die Lage entschärft? Nein, diesen Köder sollten wir nicht schlucken. Denn ein „Ja“ zum Bauplan würde voraussichtlich nur eine geringe Zahl von Wohnheimplätzen schaffen – die gilt es abzuwägen gegen das Einstampfen von bis zu 25 Prozent der bisherigen Freifläche. Wie auf eine geringe Zahl von Wohnheimplätzen zu schließen ist? Mehr als die Hälfte der geplanten Baufläche ist für Gewerbe reserviert. Und es ist damit zu rechnen, dass die Häuser, die tatsächlich entstünden, für einen Großteil der Bevölkerung nicht erschwinglich wären.

Die Logik dahinter ist sogar verständlich: Wer auf dem Feld wohnen möchte, bekäme eine Top-Lage: Mitten in der „Natur“, in der Nähe der Neuköllner Szenekieze und unweit vom Zentrum – wie rechtfertigte eine klamme Stadt vor sich den Bau von Sozialwohnungen oder subventionierten Wohnheimen, wenn dort richtig Geld zu machen wäre? Zumal ausreichend Baufläche für diese Art Häuser anderswo vorhanden wäre, schließlich gibt es in Berlin 972 Hektar bereits erschlossene innerstädtische Baulandreserven, immerhin fast dreimal so viel Fläche, wie das Tempelhofer Feld sie zu bieten hat.

Es geht nicht nur um Grillflächen

Es geht nicht darum, dass die bei Studenten beliebten Grillflächen zugunsten von Wohnheimen verschwinden könnten. Es geht um mehr: 600 Millionen Euro würde die geplante Bebauung kosten – Geld, das der Senat genauso gut für Bau von Wohnheimen an anderer Stelle nutzen könnte. Das wäre zumindest kostengünstiger, weil das Feld bisher nicht einmal über die nötige Infrastruktur verfügt, die ebenfalls errichtet werden müsste, und umweltverträglicher, weil eine einzigartige Naturfreifläche unberührt bliebe. Und so wäre zumindest einem großen Teil der verzweifelten Wohnungssucher schon geholfen.

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2008

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