Gleiche Semesterzeiten für alle!

Die deutschen Semesterzeiten unterscheiden sich von denen anderer Länder, Auslandsaufentalte werden dadurch erschwert. Eine Anpassung an internationale Gepflogenheiten ist überfällig, findet Hannah Zabel.

Montagskommentar (neu)

Es reicht nicht, einfach zu studieren. Nichts geht mehr ohne Praktika, Sprachkenntnisse, soziales Engagement – und, ganz wichtig, Auslandsaufenthalte. Ohne sie ist ein Lebenslauf kaum vorstellbar.

Umso verwunderlicher ist es, dass sich die deutschen Semesterzeiten von denen fast aller anderen Länder unterscheiden. Ende Mai endet in Ländern wie den USA, Finnland oder Slowenien bereits das Frühlingssemester. In Deutschland hingegen stecken wir inmitten der Vorlesungszeit. Anderes Beispiel: Beginnt in den USA, Großbritannien oder Kanada bereits das Sommersemester, werden hier noch die letzten Klausuren des Wintersemesters geschrieben.

Die gebetsmühlenartig geforderten Auslandsaufenthalte werden dadurch unnötig erschwert. Besonders absurd: Einerseits wird penibel darauf geachtet, dass sich die während eines Auslandssemesters belegten Veranstaltungen auf das Studium anrechnen lassen, um auf keinen Fall die Einhaltung der Regelstudienzeit zu gefährden. Doch durch die inkompatiblen Semesterzeiten müssen nicht wenige Studierende am Ende ein Semester mehr in Kauf nehmen – die universitäre Todsünde schlechthin.

Mannheim macht’s vor

Dabei wäre das Problem im Prinzip einfach zu lösen: Der Beginn der Vorlesungszeit müsste anderthalb Monate vorgezogen werden. Statt von Oktober bis Februar ginge das Wintersemester dann von September bis Weihnachten. Aus dem Wintersemester würde somit ein Herbstsemester. Das Sommersemester ginge statt von April bis Juli nun von Februar bis Ende Mai und wäre somit ein Frühlingssemester. In Deutschland hat diesen Schritt als einzige öffentliche Universität bisher nur Mannheim gewagt. Dabei böte eine Anpassung der Semesterzeiten enorme Vorteile. Nicht nur deutsche Studierende, die ins Ausland gehen, sondern auch ausländische Studierende, die in Deutschland studieren möchten, würden profitieren.

Alleingänge wie in Mannheim verlagern die Probleme jedoch nur vom Ausland ins Inland. Zwar werden Auslandsaufenthalte vereinfacht, die Zusammenarbeit zwischen Universitäten innerhalb Deutschlands aber erschwert: viele Fachtagungen finden in den vorlesungsfreien Zeiten statt und auch Bewerbungsfristen müssten angepasst werden. Die deutsche Hochschulrektorenkonferenz forderte schon 2007 eine bundesweit einheitliche Anpassung der Semesterzeiten. Der Vorstoß blieb ohne Erfolg. Es braucht also die Anpassung an internationale Semesterzeiten – aber alle deutschen Universitäten müssen mitziehen.

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2010

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