FURIOS auf Reisen: In der Werbebroschüre

Thailand hinter den Kulissen erleben – das gelang Dorothea Drobbe nicht. Stattdessen versteht sie jetzt, dass zu einem Land auch Klischees gehören.

Dorothea vor dem Pool am Haus ihres Vaters. Foto: Privat

Dorothea vor dem Pool am Haus ihres Vaters. Foto: Privat

Es könnte aus der Werbebroschüre einer Thailand-Pauschalreise sein: Zwischen Palmen servieren hübsche junge Mädchen Abendessen, das irgendwie exotisch aussieht. Im Cocktail steckt eine Ananasspalte, bunte Glaslampen baumeln im sanften Wind. Im Hintergrund rauscht das Meer. Das Restaurant, in das mich meine thailändischen Bekannten mitnehmen, sieht genauso aus, wie Deutsche sich das wohl ausmalen. Dabei ist einer der größten Reize am Reisen doch das Unbekannte, der Blick hinter die Kulisse.

Es ist schon mein fünfter Besuch in Pattaya, einer großen thailändischen Stadt, die leider hauptsächlich als berüchtigtes Sextourismus-Paradies bekannt ist. Seit mein Vater hierhin ausgewandert ist und inzwischen mit thailändischer Frau und Kind hier wohnt, hat die Stadt es mir angetan. Allmählich kann ich die hübsch gekringelten Buchstaben der Straßenschilder lesen und entwickle einen groben Orientierungssinn.

Doch obwohl ich mich hartnäckig bemühe, die Vielfalt des Landes zu entdecken – immer noch sehe ich überall Klischees: In einem Café sitzen alte weiße Männer mit ihren jungen thailändischen Freundinnen und kaufen einen Snack von einem Straßenverkäufer. Der Verkehr ist vollkommen undurchschaubar. Zwischen sich wild kreuzenden Motorrädern, Autos und Bussen dösen seelenruhig Straßenhunde; wenn es Vorfahrtsregeln gibt, erschließen sie sich mir nicht. Der Himmel ist schwarz vor Kabelwäldern und Auspuffdampf, zwischen Motorengeräuschen, Sprachfetzen und Baustellenlärm flimmert die stehende Luft.

Langsam muss ich anerkennen: Die Klischees gehören nun einmal zum Land. Vielleicht nur, weil die Bevölkerung davon profitiert sie aufrecht zu erhalten, um den zahlreichen Touristen genau die Erfahrung zu bieten, die der Reisekatalog verspricht. Vielleicht aber auch, weil Thais das ein oder andere Klischee selbst ganz schön finden und es gern in ihrer Lebensrealität behalten. Womöglich sagt dieser allgegenwärtige Schleier aus Stereotypen mehr über das echte Thailand aus, als jeder Blick hinter ihn. Über ein Land, das Erwartungen erfüllen muss, um zu leben. Und wo zwischen den Klischees dann doch irgendwo der Alltag stattfindet.

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2008

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