Für immer Spielplatz

Nach dem Auskatern heißt es zurückblicken, auf ein Highlight der Semesterferien: das „Berlin Festival“ am vergangenen Wochenende in der neuen Location im Arena Park Treptow. Von Veronika Völlinger

Musik am Wasser: Hunderte tanzen am Rande des Badeschiffes. Foto: Stephan Flad

Hunderte tanzen am Ufer der Spree. Im Hintergund: das Badeschiffes. Foto: Stephan Flad

Als der Himmel am Sonntagnachmittag kurz davor ist, die Festival-Besucher bis auf die Knochen zu durchnässen, rappt Edgar Wasser, dass er ja gerne die Welt verbessern würde, aber bitte nicht jetzt. Und alle singen mit: „Bevor die Entscheidung, die ich treff, falsch ist, entscheid’ ich mich halt nicht.“

Ist das noch das „Berlin Festival“, dieses Indie-Elektro-Musik-Kultur-Ding mit bis zu 20.000 Besuchern? Oder ist es eine Doku über das, was Feuilletonisten die Generation Y nennen: junge hippe Menschen mit vielen Ambitionen und noch mehr Möglichkeiten, aber irgendwie doch keinem Bock auf Revolution?

Ja doch, es ist ersteres. Das „Berlin Festival“ war so eine herrliche Momentaufnahme von, wenn man das so nennen will, zeitgenössischer Musik und Kultur, dass man eigentlich gar nicht zurückblicken mag und nur weiter das Gefühl behalten will.

Das Areal glich einem urbanen Spielplatz

Erstmals fand das Festival nicht im ehemaligen Flughafen Tempelhof statt, sondern auf dem Gelände des Arena Parks nahe dem Treptower Park. Die neue Location bot mit einem Mix aus angesagter Schwimm-Location auf dem Badeschiff, Industriehallen-Charme und rohen, graffiti-bedeckten Backsteinwänden die perfekte Kulisse für die tausenden schönen jungen urbanen feiernden Menschen.

Als der Umzug Anfang August bekannt gegeben wurde, munkelte man, es seien nicht genügend Karten abgesetzt worden, um den Flughafen Tempelhof zu füllen. Die Veranstalter hingegen verkauften den Location-Wechsel mit dem Mehr an „Berlin-Flair“ und dem Vorteil, dass die Besucher 48 Stunden an einem Ort bleiben könnten.

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Das einheitliche Gelände mit seinen unterschiedlichen Ecken für verschiedene Bühnen machte Eindruck; es gab den Besuchern tatsächlich dieses Gefühl vom urbanen Spielplatz, der nie seine Pforten schloss. Teilweise erschien das Areal jedoch zu verschachtelt und zu eng, besonders wenn riesige Menschenmassen nach den Headliner-Konzerten aus der Halle mit der Mainstage strömten. Eine Chill-Out-Area hat bei diesem Gewusel gefehlt.

Die Headliner hielten, was sie versprachen

Dass bei bis zu acht Bühnen jeder Besucher sein ganz eigenes Festival- und Musikerlebnis hatte, steht außer Frage. Wie Darkside freitagnachts um 1 Uhr die Mainstage hat beben lassen? Keine Ahnung. Ob es bei Alle Farben sonntagmittags vorm Badeschiff übervoll oder doch nur mäßig eng war? Keinen Schimmer.

Man konnte sich verlieren zwischen all den Acts und sicher auch die eine oder andere Neuentdeckung machen, denn betrachtet man das Line-Up der vergangenen Jahre, waren da sicher bekanntere Namen dabei. Die Headliner aber hielten, was sie versprachen. Bisweilen war es bei den Shows von Woodkid, Moderat und Co. trotz der unfassbaren Größe der Arena-Halle sehr heiß und eng.

Doch es gab ja auch noch entspannten Nachmittags-Open-Air-Elektro mit Füßen im Sand bei Magda am Badeschiff. Oder eben den klugen Generation-Y-Hip-Hop von Edgar Wasser und Fatoni auf der Splash! Mag Stage. Oder, oder, oder.

Was bleibt, ist ein 48 Stunden kurzes Aufblitzen junger Menschen vor schöner Kulisse mit hipper Musik. Ein urbaner Spielplatz für die Semesterferien. Da trifft einen die Melancholie nachdem alles vorbei ist umso härter, wenn man das Geländer verlässt und plötzlich wieder im Herzen dieser Stadt steht, die so viele Möglichkeiten bietet. Und so viele Entscheidungen abverlangt.

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2008

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