Schluss mit der Aufschieberei!

Hausarbeiten rechtzeitig schreiben oder mit System für Klausuren lernen. Unmöglich? Zwei Workshops zeigen, wie der Teufelskreis aus Aufschieben und Nachtschicht durchbrochen werden kann. Von Julia Südhölter

Bei den Workshops der ProkrastinationsPraxis  lernen Studierende der Aufschieberei ein Ende zu setzen. Illustration: Zoë Schütte

Bei den Workshops der ProkrastinationsPraxis lernen Studierende, der Aufschieberei ein Ende zu setzen. Illustration: Zoë Schütte

Ein neues Semester beginnt und dieses Mal wird alles besser! Das sagen sich viele Studierende, wenn nach Semesterbeginn die Klausurtermine feststehen, die Referate verteilt sind und die nächste Hausarbeit in bedrohliche Nähe rückt. Doch von den guten Vorsätzen ist leider später oft nicht mehr viel übrig. Kurz vor der Deadline ist dann wieder Stress pur angesagt. Dieses leidige Phänomen hat einen Namen: Prokrastination.

Aufgaben werden wieder und wieder aufgeschoben bis es fast zu spät ist, erläutert Hans-Werner Rückert das Problem der Prokrastination. Er ist Leiter der psychologischen Beratung der FU und leitet ab diesem Semester die Prokrastinationsworkshops. Wenn nicht alles so klappt, wie man es gerne hätte, dann werden Ausreden erfunden, so Rückert. Weniger dringende Tätigkeiten erscheinen plötzlich wichtiger: Der Anruf der Mutter wird zur Ausrede, um nicht lernen zu müssen, der Schreibtisch muss unbedingt aufgeräumt werden und der Kühlschrank ist auch schon wieder leer.

Probleme herausfinden und sie anpacken

Etwa 65% aller Studierenden leiden unter diesem Aufschiebeverhalten. Es ist bei einigen mehr und und bei anderen weniger ausgeprägt. Deshalb hat die psychologische Beratung der FU nun die „ProkrastinationsPraxis“ mit zwei Workshops ins Leben gerufen: Der erste zielt auf eine Verhaltensänderung ab. Dort wird den Studierenden geholfen, ihre Arbeitszeiten zu planen und ein besseres Zeitmanagement zu entwickeln, wenn eine Prüfung oder Hausarbeit ansteht. In einem Online-Tagebuch dokumentieren die Teilnehmer ihre Fortschritte. So sollen negative Kreisläufe durchbrochen werden. Das Gefühl, lernen zu müssen, wird abgelöst durch das Gefühl, lernen zu dürfen. Die Teilnehmer lernen, Arbeit und Freizeit zu trennen und die geplante Lernzeit effizienter zu nutzen. Bei dem zweiten Workshop wird nach den Ursachen des Aufschiebens gefragt: Wo liegen die Probleme und wie können sie gezielt angepackt werden? Innere Konflikte sollen gelöst und die Selbstakzeptanz gestärkt werden.

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen

Der Psychoanalytiker Rückert hat sich in seiner Arbeitspraxis schon viel mit Prokrastination beschäftigt und kennt die gängigen Probleme. Viele Studierenden hätten zum Beispiel ein flaues Gefühl im Magen, wenn sie sich an wichtige Aufgaben setzen, erklärt er, und gehen deshalb lieber erst etwas essen, als konsequent durchzuarbeiten. Rückerts Tipp: Erst den angefangenen Text zu Ende lesen und sich dann mit einem Joghurt belohnen, statt sich Belohnung schon vor der Arbeit abzuholen. Tage und Nächte durcharbeiten und literweise Kaffee trinken helfe vielleicht, die Arbeit fertigzustellen und fristgerecht abzugeben, aber das Ergebnis sei in der Regel nicht wirklich gut.

Wer sich angesprochen fühlt kann beim Online-Selbsttest herausfinden, ob tatsächlich Handlungsbedarf besteht. Die Anmeldung zu den platzbeschränkten Workshops erfolgt per Mail: Name, Studienfach, Semesterzahl und dem Stichwort VT für Workshop 1 und TP für Workshop 2 an kontakt@prokrastinationspraxis.de.

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2008

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