Warum wir trotzdem Tiere essen

Wieso beuten wir Tiere weiterhin aus, wenn alle dagegen sind? Dieser Frage ging die Philosophin Friederike Schmitz in einem Vortrag auf den Grund. Josta van Bockxmeer hörte zu.

Die Philosophin Friedrike Schmitz bei ihrem Vortrag. Foto: Onur Simsek

Die Philosophin Friedrike Schmitz bei ihrem Vortrag. Foto: Onur Simsek

Gebannt lauschen die Zuhörer in dem kleinen, vollen Klassenraum in den Mehringhöfen der Philosophin Friederike Schmitz. „Wir finden die Ausbeutung von Tieren problematisch, aber trotzdem passiert es“, sagt Schmitz in ihrem Vortrag „Institutionen statt Individuen“. Damit hat sie Recht: In den letzten Jahren findet das Thema in der breiten Öffentlichkeit zunehmend Anklang. Trotzdem isst nur etwa ein Prozent der Deutschen vegan. Warum ändern wir unser Verhalten nicht, wenn wir es falsch finden? Ihre Lesung am Mittwoch war die zweite in der Reihe „Von Tieren und Menschen, Grenzen und Widerständen“, die der Chimaira Arbeitskreis für Human-Animal-Studies, an dem sich auch Mitarbeiter der FU beteiligen, organisiert.

Die Antwort, so Schmitz, liege darin, dass es in der Debatte um die Gleichberechtigung von Tieren nur um individuelle Entscheidungen geht. Peter Singer, der bekannteste Tierethiker, kritisiert den sogenannten „Speziesismus“: Es ist falsch, Tiere aufgrund ihrer Spezies anders zu behandeln, genauso wie Menschen nicht aufgrund ihrer Rasse diskriminiert werden dürfen. „Oft enden diese Texte damit, dass wir alle Vegetarier oder Veganer sein sollten“, so die Philosophin.

Veränderung der politischen Strukturen

Viele sympathisieren mit dieser Auffassung, finden sie im täglichen Leben aber schwierig umzusetzen. Die Forderung nach Gleichberechtigung der Tiere sei nicht ihres Inhalts wegen unbeliebt, sondern weil es schwierig sei, sie als Einzelner zu verwirklichen, so Schmitz. Als Beispiel nennt sie Tierversuche bei der Entwicklung von Medikamenten, die oft gesetzlich verpflichtend sind. „Wenn wir nur fordern, dass Individuen ihr Verhalten verbessern, hat das eine begrenzte Reichweite“, sagt sie. Stattdessen sei es notwendig, die politischen Strukturen, die dieses Verhalten lenken, zu ändern.

Deshalb arbeitet Schmitz an einer eigenen Theorie, die das Ethische mit dem Politischen vereinbaren soll. Die Frage danach, wie wir uns als Individuen verhalten, sollte mit der Frage verbunden werden, welche gesellschaftlichen Strukturen dieses Verhalten fördern oder verhindern. Ihr Projekt steht erst am Anfang – sie hat gerade einen Antrag auf Postdoc-Förderung gestellt – aber Einiges ist schon klar: In einer tiergerechten Gesellschaft gehört für sie der Besitz von Tieren abgeschafft. Auch sollten wir Tiere dann nicht mehr zu unserem Nutzen verwenden – geschweige denn essen.

Friederike Schmitz lebt für ihr Thema

Schmitz sagte kürzlich in einem Interview mit der „ZEIT“ über sich selbst, dass sie sich vegan ernährt. Schon seit Jahren setzt sie sich mit der Tierethik auseinander und ist in der Tierbefreiungsbewegung aktiv. Dementsprechend idealistisch ist auch ihre Philosophie. Die Ergebnisse ihrer Forschung klingen nach einer Utopie, die sich nicht in den nächsten vierzig Jahren umsetzen lässt – denn so lange ist es etwa her, dass der Tierethiker Peter Singer sein Buch „Animal Liberation“ veröffentlichte. Doch wie Schmitz zu Recht bemerkt: Man weiß nie, wie sich die öffentliche Meinung zukünftig ändern wird.

Die Ankündigungen für die weiteren Vorträge aus der Reihe findet ihr hier.

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2008

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