Zündstoff Zöllner

Mit Jürgen Zöllner hat sich die FU einen früheren Spitzen-Politiker ins Kuratorium geholt. Die Studierenden im Akademischen Senat protestieren. Doch wofür steht der Mann eigentlich? Von Mareike Edler

Stiftung Charité, Foto: zweifrauwerk
Der Berliner Ex-Senator und neuer FU-Kurator Jürgen Zöllner.
Foto: Stiftung Charité/zweifrauwerk

Seit die FU-Leitung den früheren Berliner Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner für einen Posten im Kuratorium der FU ins Gespräch gebracht hatte, herrschte dicke Luft im Akademischen Senat (AS). Die Uni-Leitung hoffte auf einen prominenten Fürsprecher der FU in der Berliner Politik, denn öffentliche Interessenvertretung ist die Aufgabe des Kuratoriums. Die Studierenden im AS machten Zöllner dagegen für die „Hierarchisierung der Hochschullandschaft“ im Zuge der Exzellenzinitiative verantwortlich. In einem offenen Brief hatte ein neugegründeter Arbeitskreis Hochschulpolitik Zöllner gar aufgefordert, den Posten abzulehnen. In der vergangenen Sitzung hat der AS seine Ernennung ins Kuratorium trotzdem beschlossen.

Doch warum löst dieser 69-jährige Mann eine solche Kontroverse aus? Unbestritten ist, dass Jürgen Zöllner große Erfahrung im Bereich der Bildungs- und Wissenschaftspolitik mitbringt. Er ist Deutschlands dienstältester Minister, mehr als 20 Jahre war er im Amt. Die politische und akademische Heimat des SPD-Politikers ist Rheinland-Pfalz. Nach seinem Medizinstudium wurde er Professor für Physiologische Chemie in Mainz und dort schließlich auch Universitätspräsident. Von 1994 bis 2006 war er Minister in Rheinland-Pfalz, von 2006 bis 2011 dann wurde er Senator für Bildung, Wissenschaft und Forschung in Berlin.

Exzellenzinitiative und Hochschulfinanzierung

Zöllner ist ein Verfechter der Exzellenzinitiative. Dass es dadurch zu mehr Wettbewerb und Konkurrenz zwischen den Unis kommt, sieht er positiv für die Qualität der Universitäten. 2007 sagte er im Zusammenhang mit der ersten Verlängerung der Exzellenzinitiative, der Wettbewerb habe ungeahnte wissenschaftliche, aber auch Strategische Kräfte freigesetzt.

Erst vor einem Jahr veröffentlichte Zöllner einen „Masterplan Wissenschaft 2020“, der eine zukünftige Finanzierung der Unis diskutiert, wenn die bisherigen Modelle auslaufen. Seine Vision ist die Bildung von „Universitätsclustern“, die exzellente Forschung in Zusammenarbeit mit außeruniversitären Instituten leisten sollen. Einige von ihnen sollten so gefördert werden, dass sie sich mit der internationalen Elite messen können. Studierende der FU haben diese Idee scharf angegriffen und sehen darin eine Zwei-Klassen-Wissenschaft, in der „nur die ‚Spitze‘ in der Lage [ist], wissenschaftsrelevante Forschung zu betreiben, während die ‚Breite‘ nur einen Anwendungs- und Vermittlungsauftrag hat.“

Für Zöllner stellt die Elitenbildung allerdings nicht zwingend einen Widerspruch zur individuellen Entfaltung dar. „Wir brauchen möglichst viele gut ausgebildete Menschen in allen Bereichen und gleichzeitig Spitzenforschung als Treiber für eine gelungene Innovation“, sagte er 2011 im Interview mit FURIOS. In einem anderen Interview befürwortete er sowohl die Elitenförderung, als auch „individuelle Förderung in der Breite“.

Berliner Hochschulgesetz

In seiner Zeit als Bildungssenator war Zöllner ebenfalls verantwortlich für eine Novellierung des Berliner Hochschulgesetzes. Studierende sehen darin nach wie vor eine Beschneidung ihrer Freiheiten im Studium. Zwangsberatung und die Drohung der Exmatrikulation bei zu langem Studium waren der Stein des Anstoßes. Außerdem erwirkte Zöllner eine Begrenzung der Prüfungswiederholungen auf zwei Wiederholungsversuche.

Für die Finanzierung der Lehre stellt sich Zöllner neben einer gewissen Grundfinanzierung, ein Modell vor, dass er „Geld folgt Studierenden“ nennt. Damit würde jeweils das Land, in dem ein Student sein Abitur gemacht hat, der Uni direkt die Ausbildungskosten pro Studienanfänger überweisen. Die Unis müssten sich bemühen, für die Studierenden attraktiv zu sein. Bleiben die Studis fern, verliert die Uni die Mittel. Auch hier geht es also wieder um den Wettbewerb der besten Lehre.

Studiengebühren

Entgegen der Vorwürfe im Akademischen Senat sagt Zöllner, Studiengebühren lehne er ab. Er betont, in seiner Funktion als Bildungsminister habe er in Rheinland-Pfalz als einzigem westlichen Flächenland deren Einführung verhindert. Er fordere außerdem, dass der Bund die Ausbildungskosten für Studierende aus Entwicklungsländern übernehme. Allerdings erwägt er in seinem Masterplan, ob zum Beispiel Studierende aus den USA, die in ihrem Heimatland Studiengebühren zahlen müssen, auch während eines Aufenthalts an einer deutschen Uni einen gewissen Betrag zahlen könnten. Eine kritische Nachfrage dazu bei der vergangenen Sitzung des AS ging in Protestrufen unter. Zumindest im öffentlichen Teil der Befragung äußerte sich Zöllner nicht mehr.

Was Zöllner und seine Visionen für die FU bedeuten könnten, lässt sich noch nicht sagen. Er sei noch nicht im den Vorgängen an der FU vertraut, sagte er im AS. Fragen zur immer noch fehlenden Grundordnung, der Planung von Stellen für Professoren und anderen Mitarbeitern oder Überlegungen zu einem Studium generale, wollte er nicht beantworten. Auf Anfrage formulierte er seine Prioritäten allerdings folgendermaßen: „Die Freie Universität muss den Anspruch haben, in der Breite und in der Spitze, in Lehre und Forschung, besonders erfolgreich zu sein. Es darf kein Entweder-Oder geben. Dabei zu helfen ist mir besonders wichtig.“ Die Studierenden werden das sicher weiterhin kritisch begleiten.

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2008

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