„Es gab einen Generationswechsel“

Die Studierenden im AS sind nicht gut auf die FSI Jura zu sprechen, weil diese den Sitzungen fernbleibt. Die Kandidaten erklären im Interview, was sie nun besser machen wollen. Von Veronika Völlinger

Jan Rinklake, Hannah Gennen und Dániel Krizsán (v.l.) wollen die FSI Jura verändern. Foto: Veronika Völlinger

Jan Rinklake, Hannah Gennen und Dániel Krizsán (v.l.) wollen die FSI Jura verändern. Foto: Veronika Völlinger

Die Fachschaftsinitiaitive (FSI) der Juristen mit ihrem Café Tatort vertritt einen großen Fachbereich. Dort ist die FSI beliebt, dem Asta und vielen Mitgliedern im Studierendenparlament (Stupa) und im Akademischen Senat (AS) ist sie jedoch ein Dorn im Auge. Einerseits, weil sie sich nicht als linke und kritische FSI definiert. Andererseits, weil der AS-Abgeordnete der FSI Jura seit geraumer Zeit einfach nicht mehr bei den Sitzungen erscheint – und damit die anderen Studierendenvertreter im AS hängen lässt, so der Vorwurf. Neuling und Stupa-Kandidat Dániel Krizsán, die langjährige Hannah Gennen und AS-Kandidat Jan Rinklake erzählen im Interview, wie es dazu kommen konnte – und was sie im Parlament und im Senat vorhaben.

FURIOS: Seit zwei Jahren sitzt ihr im AS. Seit einem Jahr geht euer Vertreter Julian Tristram nicht mehr zu den Sitzungen, werfen euch andere Studierende vor. Warum?

Dániel Krizsán: Ich bin seit diesem Semester erst beim Café Tatort und mir war nicht bewusst, dass wir dort nicht so aktiv dabei waren. Es gibt immer Luft nach oben. Wenn wir diesen Fehler gemacht haben, kann die nachfolgende Generation die Möglichkeit nutzen, hinzugehen und die Arbeit richtig mitzugestalten.

Hannah Gennen: Es hat bei uns intern einige Veränderungen und einen Generationswechsel gegeben. Wir sind auch nicht glücklich darüber, dass wir nicht mehr im AS präsent waren und wollen vieles besser machen.

FURIOS: Wie wollt ihr es trotzdem schaffen, wiedergewählt zu werden? Reicht eure Stammwählerschaft dafür aus?

Hannah: Ja und ansonsten sind unsere Wahlkandidaten dieses Jahr auch aktiver.

FURIOS: Wart ihr schon mal bei einer AS-Sitzung?

Jan Rinklake: Nein, ich noch nicht.

FURIOS: Es gibt im AS oft Streit zwischen Studierenden und dem Präsidium. Wie glaubt ihr, euch da integrieren zu können?

Hannah: Unsere FSI ist eine von denen, die sich keiner der gängigen politischen Meinungen anschließt. Unsere Mitglieder haben unterschiedliche politische Ansichten, deshalb schauen wir tatsächlich auf das einzelne Problem. Ich denke, dass unsere Kandidaten da sehr konstruktiv mitarbeiten können.

FURIOS: Glaubt ihr, dass eine Zusammenarbeit mit den anderen drei studentischen Vertretern im AS möglich sein wird?

Hannah: Die Möglichkeit ist natürlich nie ausgeschlossen, das beruht auf gegenseitiger Kooperation.

Jan: Uns geht es darum, die Studierendenschaft zu vertreten. Wenn es für uns Sinn ergibt, mit den anderen drei Vertretern zusammen zu arbeiten, dann werden wir das sicher tun. Wenn unser Vertreter eine vollkommen andere Meinung vertritt, dann wird er das mit seinem Gewissen wohl vereinbaren können, nicht mit den anderen zu kooperieren.

FURIOS: Ihr seid stark an eurem Fachbereich verankert, im AS geht es aber eher um uniweite Themen. Wie könnt ihr an solchen Themen im AS mitarbeiten?

Hannah: Unser Vertreter muss und wird sich dann in die Themen einarbeiten.

Jan: Wir spüren an unserem Fachbereich auch die Überbelegung an der FU. (zeigt auf Daniel) In seinem Jahrgang waren 486 Leute.

Hannah: Normalerweise sind es etwa 60 weniger. Wir weichen regelmäßig mit den Ersti-Vorlesungen in den Henry-Ford-Bau aus oder müssen Vorlesungen per Video übertragen. Das ist blöd, weil Studierende keine direkten Nachfragen stellen können. Das zeigt sich auch in den Tutorien: Budgetkürzung über Budgetkürzung. Darunter leiden die Tutoren und die Teilnehmer. Jura ist ein Fach, das auch kleine Arbeitsgruppen braucht und wenn es immer mehr Erstis werden, das ist irgendwann nicht mehr zu leisten.

FURIOS: Wie könnt ihr dieses Thema angehen?

Jan: Nicht im AS oder im Stupa, aber wir können an der Studienstruktur-Reform hier am Fachbereich mitarbeiten. Das wird aber im Stupa schwierig einzubringen.

Hannah: Am Fachbereich läuft die Zusammenarbeit mit den Kritischen Juristen auch immer besser.

Jan: Es wäre auch schön, wenn der Asta uns endlich mal als FSI auflisten würde. Es werden nur die Kritischen Juristen für unseren Fachbereich aufgezählt.

FURIOS: Ihr kandidiert auch wieder fürs Stupa, was werden dort die großen Themen sein?

Jan: Die Flüchtlingsproblematik.

FURIOS: Wir könnt ihr euch da einbringen?

Jan: Das kommt auf den Rahmen an. Wenn man uns fragt, arbeiten wir gerne an Projekten mit. Wir können uns juristisch in das Thema einarbeiten und Kontakt zu Professoren herstellen, die dazu arbeiten.

FURIOS: Wie läuft die Zusammenarbeit mit anderen Gruppen im Stupa?

Jan: Was an uns herangetragen wurde, war der Umgangston im Stupa, der über den normal rauen Umgangston in der Politikhinausgeht. Es nützt nichts, wenn man sich dort beschimpft. Wir arbeiten mal mit diesen, mal mit jenen Gruppen zusammen, weil unsere Mitglieder nach ihrem eigenen Gewissen abstimmen.

FURIOS: Daniel, du gehörst zur neuen Generation in der FSI. Was willst du verändern?

Dániel: Als Neuer fehlt mir natürlich Erfahrung in der Unipolitik. Aber ich will es ausprobieren und die Erfahrung machen, mich auch mit allgemeinen Themen der Studierendenschaft auseinanderzusetzen und ein politisches Mitbestimmungsrecht auszuüben.

Hannah: Die Ablösung durch den Nachwuchs ist weitestgehend vollzogen. Unser größtes Projekt, das Café, wollen wir natürlich weiterführen und sind da auch gut aufgestellt. Politisch werden wir die gleiche Schiene weiterfahren, nämlich die individuelle.

 

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2010

Ähnliche Artikel

2 Responses

  1. Conni Struktiv sagt:

    Da habt ihr ja die kompetenteste Gruppe im Interview gefeaturet! Die meisten anderen Listen bieten schon auf ihren Wahlplakaten mehr Inhalte als die FSI Jura in einem ausführlichen Interview…

  2. Servan sagt:

    Das cafe- Tatort war immer so beliebt bei den Studenten, weil es unpolitisch und gerade nicht linksextrem war. Leider scheint nun auch diese Zeit vorbei: siehe Flüchtlingspolitik als Hauptthema im stupa ?, und Zusammenarbeit mit den kritischen … Adieu Café tatort… Schade

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.