„Wir machen ernste Politik”

Christopher Hölzel und seine Liste „Fahr Rad!“ gehören zu den Newcomern der diesjährigen Stupa-Wahl. David Rouhani sprach mit ihm über fehlende Stellplätze, Dopingkontrollen und was das alles mit „Die Partei“ zu tun hat.

Christopher Hölzel möchte sich im Stupa für RadfahrerInnen einsetzen. Foto: privat

Christopher Hölzel möchte sich im Stupa für RadfahrerInnen einsetzen. Foto: privat

FURIOS: Wofür steht Eure Liste „Fahr Rad!“?

Christopher: Wir sind eine Gruppe begeisterter RadfahrerInnen und wollen die Situation für diejenigen verbessern, die täglich mit dem Fahrrad zur Uni fahren. Es gibt hier einige Missstände, und die gilt es zu beheben.

Welche denn?

Vor den meisten Instituten gibt es leider keine ausreichende Anzahl an Fahrradstellplätzen. Die vorhandenen sind meist überfüllt und nicht überdacht, wodurch die Räder nass werden und schneller verschleißen. Außerdem hat die FU keine gute Fahrrad-Infrastruktur. An der TU und der HU gibt es zum Beispiel selbstverwaltete Fahrradwerkstätten, wo Werkzeug vorhanden ist und man sich beraten lassen oder selbst helfen kann.

Ist der Name Euer gesamtes Programm?

Ja. Es mag zwar schwierig erscheinen, sich als Ein-Themen-Partei durchzusetzen, aber wir glauben, dass wir mit unserem aufsehenerregenden Thema vor allem NichtwählerInnen überzeugen können. Das ist ja auch beim Volkentscheid zum Erhalt des Tempelhofer Feldes passiert, wo man deshalb zum Glück auch heute noch mit vielen Fahrrädern gleichzeitig im Kreis fahren kann.

Ihr müsst also erst einmal Aufsehen erregen. Sind schon konkrete Aktionen geplant?

Wir wollten eine „Critical Mass“ mit dem berühmtesten Fahrradfahrer Deutschlands – Hans-Christian Ströbele – veranstalten, doch der hatte leider einen Platten.

Ihr sagt, Ihr vertretet alle Leute mit Fahrrad. Wie verhaltet Ihr Euch gegenüber Leuten ohne Fahrrad?

(Lacht) Ich habe auch Freunde und Freundinnen ohne Fahrrad. Das Ziel sollte aber sein, dass alle mit dem Fahrrad zur Uni fahren und niemand durch eine schlechte Infrastruktur davon abgehalten wird.

Wenn Ihr es ins Stupa schafft, werdet Ihr nicht nur mit Fahrrädern konfrontiert. Wie wollt Ihr Euch zu anderen Themen verhalten?

Sollte es von anderen Gruppen Anfragen zu Verhandlungen geben, werden wir auch Vorschlägen zustimmen, die dazu beitragen, dass sich die Bedingungen für Studierende in anderen Bereichen verbessern. Voraussetzung dafür ist, dass wir unsere Forderungen im Windschatten des Asta platzieren können.

Welche Forderungen sind das konkret?

Neben überdachten Stellplätzen und der Einrichtung einer selbstverwalteten Fahrradwerkstatt wollen wir uns 2017 für ein VBB-Gesamtticket stark machen, um Fahrradausflüge nach Brandenburg bezahlbar zu machen. Außerdem fordern wir, dass das Präsidium einer Dopingkontrolle unterzogen wird. Das ist für die WählerInnen verständlicher als die Erklärungsversuche des Asta.

Das klingt sehr ambitioniert. Wie wollt Ihr Eure Ziele umsetzen? Habt Ihr bereits Erfahrung in der Hochschulpolitik sammeln können?

Nein, wir sind neu auf dem Gebiet. Daraus ziehen wir auch unsere Motivation, den Einheitsbrei der letzten Jahre aufzumischen. Wir haben durchaus das Potenzial, rhetorisch noch einen Gang hochzuschalten. Unser Vorbild ist dabei „Die Partei“, die ebenfalls versucht, sich mit Humor Gehör zu verschaffen und es auf diese Weise bis ins Europaparlament geschafft hat.

Ihr seid also auch bloß ein Spaßverein?

Nein. Wir machen ernste Politik. Denn die Fahrräder haben nichts zu verlieren – außer ihre Ketten.

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2008

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