Präsidiumskritische Profs werfen hin

Vor vier Jahren war es eine Sensation: Die neue Professorenliste „Exzellenz und Transparenz“ sollte frischen Wind in den Akademischen Senat bringen. Jetzt steht die Liste vor dem Ende. Von Max Krause

Informatik-Professor Raúl Rojas tritt nicht mehr zum AS an. Foto: Margarita Esponda

Informatik-Professor Raúl Rojas tritt nicht mehr zum AS an. Foto: Margarita Esponda

Die verlorene Hoffnung – nie wurde sie so deutlich wie im vergangenen Jahr, als die Neuwahl des Präsidiums anstand. FU-Präsident Peter-André Alt war der einzige Kandidat für das Amt, auch seine Vizepräsidenten waren durch Absprachen im Vorfeld bereits festgelegt, sagen Kritiker. Um einen Kontrapunkt zu setzen, schlugen studentische Vertreter Raúl Rojas vor.

Seit 2011 sitzt Rojas mit seiner präsidiumskritischen Liste „Exzellenz und Transparenz“ im Akademischen Senat (AS) und sorgte dort für ein Gegengewicht unter den größtenteils präsidiumsnahen Professoren. Der Informatik-Professor lehnt ab; die Kandidatur habe keinen Sinn, ließ er mitteilen, und fügt hinzu: „Bei anderen Universitäten ist es keine Schande als Kandidat anzutreten.“ Nicht so an der FU, klingt unterschwellig mit.

Vier Jahre zuvor, als Alt zum ersten Mal zum Präsidenten gewählt wurde, hörte Rojas sich noch anders an. Damals entschied er sich, mit einem Knall die hochschulpolitische Landschaft aufzuwühlen: Rojas kandidierte selbst für das Amt des Präsidenten. In seiner Bewerbung schrieb er, es sei schwer jemanden zu finden, „der sich mit der FU Berlin so verbunden fühlt wie ich“.

Die Revolution blieb aus

Seine Bewerbung hatte keinen Erfolg, aber davon ließ Rojas sich nicht einschüchtern. Zusammen mit anderen Professoren, die mit der Politik des Präsidiums nicht einverstanden waren, gründete er die Liste „Exzellenz und Transparenz“ und holte zwei Sitze im Akademischen Senat (AS). Es war die erste erfolgreiche Neugründung einer professoralen Liste seit 30 Jahren.

In den vier Jahren seither konnte die Liste Akzente setzen, eine Revolution der Machtverhältnisse blieb aber aus. Die übrigen professoralen Listen nahmen „Exzellenz und Transparenz“ nicht als Bereicherung, sondern eher als Bedrohung wahr. Bei der Neuaufstellung des Präsidiums im letzten Jahr war „Exzellenz und Transparenz“ die einzige Professorenliste, die keinen Posten im Präsidium bekam.

Bei den diesjährigen Wahlen tritt Rojas’ Liste nicht wieder an. Einige der Mitglieder haben die FU verlassen, Rojas selbst ist derzeit auf einem Auslandsaufenthalt in Princeton. Trotzdem sind personelle Engpässe nicht der Hauptgrund für das Ende von „Exzellenz und Transparenz“. Den ehemaligen Hoffnungsträgern ist die Hoffnung abhandengekommen.

Rojas glaubt nicht daran, dass seine Liste im AS etwas ändern kann. „Alle wesentlichen Entscheidungen werden heute nicht mehr dort getroffen“, sagt er. Niemand interessiere sich wirklich für das Gremium, weil niemand wisse, wofür es noch wichtig ist. „Nach vier Jahren im AS weiß ich es selbst nicht mehr.“

Das vergiftete Gremium

Zudem sei die Atmosphäre in dem Gremium vergiftet. „Andere Vertreter im AS unterbrechen, wenn sie gerade Lust haben, oder sind sehr schnell darin, den Diskussionsgegner als Lügner abzutun.“ Es habe Sitzungen gegeben, bei denen Rojas nicht das Wort ergriffen habe, „und trotzdem wurde ich prompt namentlich angegriffen.“ Auch die Aktionen der Studierenden im Zusammenhang mit der RPSO-Debatte hätten nicht dazu beigetragen, das Klima zu bessern.

Die Zusammenarbeit von Rojas’ Liste mit studentischen Vertretern funktionierte oft besser als die Koordination mit seinen Kollegen. „Exzellenz und Transparenz“ teilt zentrale Anliegen mit den Studi-Listen: Den Kampf gegen Absprachen im Voraus und die Schaffung von mehr Transparenz bei hochschulpolitischen Prozessen. Nach der kommenden Wahl werden die Studierenden noch weniger Rückhalt mit ihren Anliegen haben.

Mit dem Ende der Liste wird die professorale „Sperrmehrheit“, wie Rojas sie nennt, weiter gestärkt. In Zukunft werden sich die Gräben zwischen den Statusgruppen eher weiten als schließen – mit Rojas geht eine vermittelnde Kraft verloren. Ob es wieder 30 Jahre braucht, bis die professorale Einheitsfront gebrochen wird? Rojas hat seine Kollegen noch nicht aufgegeben. „Die Probleme an der FU werden nicht kleiner. Ich denke, dass einige Kollegen im geeigneten Moment von selbst wieder aktiv werden.“

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2008

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