„Nichts gegen Herrn Thiel“

Am vergangenen Dienstag wurde an der FU die Frage diskutiert, ob die U-Bahnhof „Thielplatz“ in „Freie Universität Berlin“ umbenannt werden soll. Lior Shechori war dabei.

Bei der öffentlichen Diskussion am Dienstagabend waren kritische Stimmen hauptsächlich aus den Reihen der Bürgerinnen und Bürger zu hören. Alle, die an diesem Abend auf dem Podium Platz genommen hatten, waren Befürworter der Umbenennung. An der Podiumsdiskussion nahmen Bezirksbürgermeister Norbert Kopp (CDU), FU-Präsident Alt, sowie Christfried Tschepe, Vorsitzender des Berliner Fahrgastverbandes IGEB e. V teil. Der Dahlemer und FU Alumni Ingo Hoppe, seines Zeichens RBB- Rundfunkmoderator moderierte.

Neben bekannten Argumenten wurden dabei auch neue Perspektiven erörtert:Ein anderer U-Bahnhof, die „Neue Grottkauer Straße“ in Hellersdorf soll ab 2017 „Kienberg-Gärten der Welt“ heißen, da eben diese Gärten ganz in der Nähe liegen. Der FU-Präsident sieht darin eine Chance für sein Projekt: Wenn man beide Vorhaben miteinander verknüpfe, blieben die Kosten in minimalen Rahmen, so Alt. Genaue Zahlen konnte er nicht nennen. Kritiker befürchten, die Umbenennung der Haltstelle Thielplatz würde etwa 300.000 Euro verschlingen.

Das Herzstück der Universität

„Der U-Bahnhof ist für uns zentral“, sagte Alt. Hier lägen wichtige Einrichtungen der Universität, wie die Fachbereiche Rechts- und Wirtschaftswissenschaft, argumentierte er. Diese bildeten das Herzstück der Universität. Warum die Naturwissenschaften nicht zum Kern der Uni gehören, blieb unbeantwortet. Bezirksbürgermeister Kopp ergänzte: „Die FU ist als Exzellenz-Universität eine herausragende Institution.“ Deswegen sei es wichtig, ihre Bedeutung auch auf dem Verkehrsplan Berlins sichtbar zu machen.

Ob der Thielplatz zentraler für die FU sei als der U-Bahnhof Dahlem-Dorf, bezweifeln jedoch die Einwohner und Einwohnerinnen der Gegend. „Heute spielt sich das Studentenleben in Dahlem-Dorf ab“, stellte ein Beobachter aus dem Publikum fest. Bei Dahlem Dorf stiegen viel mehr Studierende ein und aus als am Thielplatz. Wirklich messen lässt sich dieser Eindruck allerdings nicht.

Die Geschichte der FU oder die Geschichte Dahlems?

„Wir waren so stolz darauf, hier frei studieren zu dürfen“, sagte eine ältere Dame aus dem Publikum, die für eine Umbenennung plädierte. „Hier nahm die FU ihren Anfang und hier haben wir als erste immatrikulierte Studierende die Entfaltung der Uni mitbestimmt.“ Diese Geschichte müsse mit dem Namen der U-Bahnstation gewürdigt werden.

Andererseits geht es beim Namen „Thiel“ ebenfalls um einen Teil der Geschichte Dahlems. Als Ministerialdirektor sorgte Hugo Thiel für den Ausbau Dahlems von einer landwirtschaftlichen Einöde zu einem prunkvollen Villenviertel. Viele Besucher und Besucherinnen der Veranstaltung äußerten sich daher gegen die Umbenennung. Auch dieser Teil der Geschichte sei der Würdigung wert.

Die Umbenennung ginge nicht zulasten der historischen Persönlichkeit, erwiderte Alt: „Wir haben nichts gegen Herrn Thiel“. Er werde weiterhin mit dem Thielpark und der Thielallee im Straßenbild präsent sein, argumentieren die drei Männer auf der Bühne.

Der Berliner Senat und die BVG teilen bisher die Skepsis vieler Dahlemer gegenüber der Namensänderung. Wie das Verfahren sich weiter entwickelt, ist daher unklar. Man kann nur hoffen, dass die Meinungen der Bürger und Bürgerinnen dieses kleines Teils Süd-West Berlins berücksichtigt werden.

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2008

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