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Von Ökonomie und Vielfalt

Wirtschaftswissenschaften einmal anders denken – lange haben FU-Studenten für diese Idee gekämpft. Auf dem „Pluralofestival“ luden sie Anfang der Woche andere zum Mitdenken ein. Von Thekla Brockmüller

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Am Dienstag erstrahlte das sonst recht grau anmutende Institut für Wirtschaftswissenschaften in ungewöhnlich bunten Farben. Anlässlich des „Global Action Day“, durch den viele kritische Organisationen weltweit ihren Forderungen nach mehr Pluralismus in der Lehre Ausdruck verleihen, organisierten die „Kritischen WirtschaftswissenschaftlerInnen“ (KriWis) das „Pluralofestival“. Die Gruppe setzt sich für die kritische Auseinandersetzung mit den an der FU vermittelten Lerninhalten ein.

Schon ab den frühen Morgenstunden bot das Fest den Besuchern abwechslungsreiche Diskussionen und Vorträge, etwa zu „Alternativen Denkschulen der VWL“ oder „Postwachstum“. Zu späterer Stunde folgte die Vorpremiere des Filmes „Boom Bust Boom“. Er greift ein Thema auf, das zentraler Bestandteil der aktuellen Lehrveranstaltungen der KriWis ist: die Finanzkrise. Die Veranstalter wollten mit der Aktion vor allem an die studentische Initiative ISIPE, den Ursprung des Pluralismusgedanken, erinnern und darüber hinaus noch mehr Studenten für die Vielfältigkeit begeistern.

Am Anfang nur zu zweit

Die Idee, Ökonomie an der FU mal aus einer alternativen Perspektive anzugehen, hatten die beiden Masterstudenten Janina Urban und Lino Zeddis. Auf ihre Initiative wurde im Wintersemester erstmals die Lehrveranstaltung „Denkschulen und aktuelle Kontroversen der Ökonomik“ angeboten. Die Einführung eines eigenen Moduls stand zunächst vor verschiedenen Hürden. Es musste die Zustimmung durch alle Professoren erfolgen und darüber hinaus einer von ihnen als Kursleiter fungieren. „Da hatten wir ein Riesenglück, dass wir Professor Kisker an unserem Fachbereich hatten. Er hat unsere Initiative enthusiastisch unterstützt“, erzählt Lino. Mit der Übernahme der Leitung schuf er außerdem für viele Studenten die Möglichkeit, sich die Leistungspunkte für die Veranstaltung regulär anrechnen zu lassen.

Aber auch in diesem Sommersemester gab es Anlaufschwierigkeiten. Die neue Lehrveranstaltung „Geldsysteme und Finanzkrisen“ wurde anfangs vom Fachbereich abgelehnt. „Die Professoren hatten große Bedenken, dass wir gute Noten verschenken könnten und mit gleichen Inhalten zwei verschiedene Module belegen “, erklärt Lino. Schlussendlich haben die KriWis es dann durch gute Überzeugungsarbeit doch geschafft. Jeden Mittwoch besuchen Studenten der VWL den neuen Kurs.

Die Studenten sind zufrieden

Nach einem Semester kritischer Wirtschaftswissenschaften an der FU ist das Feedback vieler Studenten positiv. „Ich habe gemerkt, dass mir die Professoren Sachen erzählen konnten, die ich vorher im Studium nicht mitbekommen habe“, sagt Friederike. Sie studiert im vierten Semester VWL und ist auch bei den KriWis aktiv. Durch das im Wintersemester angebotene Modul haben sich noch weitere Studenten gefunden, die sich miteinbringen wollen. Auch die Professoren scheinen auf den Geschmack gekommen zu sein. Einige könnten sich sogar vorstellen, früher oder später das Modul mitzugestalten, erzählt Lino. Klingt nach reichlich Vielfalt in der Zukunft.

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