Gestrandet im Marvel-Universum

Der neueste Teil der „Avengers” ist nur ein Baustein im Superhelden-Universum der Marvel-Studios. Entsprechend grob und gehetzt wirkt der Film. Von Cecilia T. Fernandez

kulturreif

Er ist einfach nicht zu stoppen: der Reigen an Superheldenfilmen, der seit Beginn der 2000er-Jahre die Kinoleinwände heimsucht. Mittlerweile hatten schon alle großen Namen ihren Auftritt: Batman, Superman oder die X-Men, all sie begeisterten in mehrteiligen Reihen das Publikum. Irgendwann sollte die Filmindustrie das Genre doch ausgeschöpft haben, oder?

„Nein”, antworten die Marvel-Studios bestimmt. Und die müssen es wissen, immerhin mischen sie spätestens seit dem ersten „Iron Man”-Film im Jahr 2008 ordentlich im Wettbewerb um die Kinokassen mit. Dabei haben sich die Studios einem gewagten Unterfangen verschrieben: Sie wollen ein Superhelden-Universum erschaffen, in dem jeder einzelne Film in die anderen greift, alle in einem fulminanten Finale kulminieren.

Der Feind im Inneren

Dass der kürzlich erschienene „The Avengers: Age of Ultron” ein mittelmäßiger Film bleibt, ist vor allem dieser Ambition anzulasten: Zu grob, gehetzt und unfertig wirkt der Streifen von Regisseur Joss Whedon.

Die Avengers, das ist ein Team bestehend aus sechs Superhelden: Iron Man, Thor, Captain America, der Hulk, Black Widow und Hawkeye, fast ausnahmslos aus ihren eigenen Filmen bekannt, kämpfen hier Seite an Seite. Dabei ergeben sich nicht nur halsbrecherische Kampfszenen, sondern auch charmante Reibungen zwischen den Protagonisten.

Im nunmehr zweiten Teil der „Avengers”-Reihe kämpft das Team gegen Ultron. Der Bösewicht ist eine von Iron Man (Robert Downey Jr.) selbst geschaffene Form der künstlichen Intelligenz, deren Aufgabe eigentlich die Rettung der Welt ist. Leider interpretiert Ultron seine Aufgabe falsch: Die sicherste Art, seine Mission zu erfüllen, sieht er darin, die Menschheit auszulöschen.

Dabei ist Ultron nur eine Versinnbildlichung der wahren Feinde der Avengers: sie selbst. Denn nicht die Explosionen oder Verfolgungsjagden bedrohen die Helden am meisten, sondern ihre eigenen Ängste und Schwächen, ihre dunklen Seiten. So ringt der Hulk (Mark Ruffalo) mit seinem gewaltigen Zerstörungspotenzial und empfindet sich mehr als Monster denn als Held. Black Widow (Scarlett Johansson) hadert mit ihrer Vergangenheit als Profikillerin. Wiederholt bezeichnen sich die Helden als Monster. Nach dem gefühlt fünfzigsten Mal dürfte auch der letzte verträumte Kinobesucher verstanden haben: Hier geht es um die feine Linie zwischen Helden und Monster. Die Filmemacher hätten den Zuschauern durchaus eine Prise mehr Subtilität zumuten können.

Für das größere Wohl

Mehr noch stören aber jene Szenen, die auf das größere Marvel-Universum verweisen sollen. Einmal verschwindet Thor (Chris Hemsworth), um einen mystischen Quell aufzusuchen und kehrt später erleuchtet zurück. Was genau er auf seinen Reisen erfahren hat, wird nicht verraten. Wahrscheinlich wird es Inhalt des nächsten Filmes der “Thor”-Reihe. Auch wird zwar mehrmals auf Captain Americas (Chris Evans) dunkle Seite angespielt. Ausgeführt werden die Anspielungen nicht. Für diejenigen, die sich bis zum nächsten Teil der “Captain America”-Reihe, der im Mai 2016 Premiere feiern soll, gedulden können, kein Problem. Doch sollte ein Film nicht auch als in sich geschlossenes Werk funktionieren?

Insgesamt irritieren die Lücken in „The Avengers: Age of Ultron”, die der Zuschauer einfach hinzunehmen hat. Mit Verweis auf das größere Filmwohl sozusagen. Das können auch die beeindruckenden Bilder nicht ausgleichen. Offensichtlich behandelt Marvel diesen Film lediglich als Zwischenhalt auf dem Weg zum großen Finale. Ob Freude auf letzteres überhaupt aufkommen kann, wenn die Reise dorthin von Mittelmäßigkeit geprägt ist, bleibt fraglich.

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2008

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