Das fahrerlose FU-Auto geht auf Reisen

Seit einigen Jahren bauen FU-Forscher an einem fahrerlosen Auto. Nun durfte es sogar in der Schweiz fahren. Doch warum ist die Technik noch nicht im Alltag angekommen? Von Lisbeth Schröder.

Das autonome FU-Auto unterwegs in Berlin. Foto: Claudia Heinstein

Das autonome FU-Auto unterwegs in Berlin. Foto: Claudia Heinstein

Die Ampel springt auf grün und der Wagen in der ersten Reihe der Fahrbahn gibt Vollgas. Er beschleunigt und wechselt die Spur. Der Fahrer ist stillschweigender Beobachter; kein Griff zum Lenkrad, kein Tritt in die Pedalen. Was nach einem Szenario aus ferner Zukunft klingt, ist an der FU längst Alltag. Seit 2007 baut eine Forschergruppe des Fachbereichs Informatik an einem autonomen Fahrzeug, das ohne menschliches Zutun fährt. Im Jahr 2011 kurvte es erstmals durch Berliner Straßen – letzte Woche war es als weltweit erstes autonomes Fahrzeug in Zürich unterwegs. Die Einladung dafür kam von einem Schweizer Telekommunikationsunternehmen.

Das autonome Fahren soll ein Zukunftsmodell werden. Dafür muss die Technik auch in den Straßenverkehrsordnungen anderer Länder und in möglichst vielen Situationen funktionieren. Im deutschen und schweizer Straßenverkehr variieren zum Beispiel die Ampeln in ihrer Position und Leuchtkraft. Deshalb müssen die Farbkameras im Wagen so angepasst werden, dass sie die schweizer Ampellichter ebenso wie die deutschen erfassen. Die Testfahrt bringt die Forscher ihrem Ziel näher, das autonome Fahren praxistauglicher zu gestalten: „Die regelmäßigen Versuche führen zu Änderungen des Systems“, meint Raul Rojas, Leiter der Arbeitsgruppe „AutoNOMOS“. „Mit diesen Änderungen wird das Fahren glatter und sicherer.“

Größtes Problem ist die Rechtslage

Das sind jedoch Feinschliffe. Rojas sieht die gegenwärtige Rechtslage als größtes Hindernis, um die automatisierten Wagen einzuführen. Vor allem die Frage der Haftung ist ein Problem, erklärt er. Es ist unklar, ob die Hersteller des Autos, Forscher oder gar die Autobesitzer bei einem Unfall verantwortlich sind. Eigentlich sollte der Fahrer laut Gesetz auf sein Fahrzeug achten, aber selbst Rojas hält es für unrealistisch, eine dauerhafte Hochkonzentration der Besitzer zu verlangen, wenn der Wagen die meiste Zeit sicher von allein fährt. Deshalb darf das Auto nur mit einer Sondergenehmigung in der Schweiz fahren.

Neben der Rechtslage ist jedoch auch der Preis ein Hindernis für die endgültige Markteinführung. Momentan sei er „noch unbezahlbar“, wie Rojas angibt. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert, das schon mehrere Millionen Euro investierte. Seit dem Beginn im Jahr 2007 wurde das Geld aber auch in die Entwicklung anderer hochtechnisierter Autos gesteckt, zum Beispiel in ein Modell, das sich durch ein iPhone, Augen oder Gehirnwellen steuern lässt. „Wir wollten mit den Experimenten zeigen, was mit der Technik heute schon alles möglich sein kann.“, erzählt Rojas.

Die Technik ist weit voraus

Diese Steuerungsexperimente sind jedoch zu heikel für den Straßenverkehr: Dort verkehrt das komplett autonome Auto nur mit Start- und Zieleingabe, den Rest erledigt es von alleine. So fuhr es bei Testfahrten durch Deutschland, USA, Mexiko und die Schweiz. Nun soll es aber wieder nach Berlin: „Ich überlege, das Fahrzeug wieder bei der nächsten Langen Nacht der Wissenschaften zur Verfügung zu stellen“, so Rojas. Vor zwei Jahren konnten bereits Studierende und andere Schaulustige bei der Veranstaltung mitfahren. Das Fahren im autonomen Auto liegt also nicht mehr in ferner Zukunft, sondern ist zum Greifen nah.

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2010

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