Meuterei an der FU

Tröten, Tanzen, Hörsäle stürmen – Das Bündnis „Lehrfabriken…meutern!“ organisierte einen bunten Aktionstag für einen Umschwung in der Hochschulpolitik. Von Lisbeth Schröder

Ein La:iz Aktivist bei der „Umbenennung" der FU. Foto: Francis Laugstien

Ein La:iz Aktivist bei der „Umbenennung” der FU. Foto: Francis Laugstien

Eigentlich wollen die Studierenden gerade das „Futuro simple“ lernen, doch plötzlich stürmt ein Mob wilder Kommilitonen in den Seminarraum und stellt den Spanischkurs auf den Kopf. „Wir haben eure Lehrveranstaltung gemeutert“, gibt einer der Protestierenden durch das Mikrophon bekannt und wird dabei von Tröten und Jubelrufen der Horde begleitet. Eine andere Studentin führt die feindliche Übernahme weiter aus: „Wir wollen euch zeigen, dass Uni auch anders geht.“

Der Spanischkurs war nicht die einzige Veranstaltung, die am Mittwoch von dem tobenden „Rave“ blockiert wurde. Er war Teil eines bundesweiten Aktionstages, bei dem verschiedene Hochschulgruppen unter dem Motto „Lernfabriken … meutern!“ auf Missstände in der Hochschullandschaft aufmerksam machten. An der FU fanden rund um die Uhr Veranstaltungen statt. Die Forderungen der Aktivisten waren etwa die Bezahlung aller Lehrbeauftragten, weniger Professorendominanz in den Hochschulgremien sowie allgemeine Gleichberechtigung und Mitbestimmung.

Damit stießen sie bei vielen FU-Angehörigen auf Zustimmung. Während des „Raves“ klatschten Studierende Beifall und auch einige Dozierende fieberten mit. Der Leiter der Vorlesung „Allgemeine Psychologie II“ öffnete sogar extra die Türen des Hörsaals, um der Gruppe Gehör zu verschaffen.

Ein neuer Name für die FU

Auch andere Veranstaltungen fanden ihr Publikum: Um gegen die Verflechtung von Bildung und Wirtschaft zu demonstrieren inszenierte die Hochschulgruppe „La:iz“ am Mittag einen fiktiven Festakt vor dem Henry-Ford-Bau. Als Banker und Bildungsbeauftragte verkleidet begossen die Studierenden die Umbenennung der „Freien Universität Berlin“ in „Marktorientierte Universität Berlin“. Die Gruppe kritisierte damit den zunehmenden Einfluss von Unternehmen auf die Hochschullandschaft. „Wir wollten satirisch herausstellen, wo wir die Uni gerade sehen“, erklärte La:iz-Aktivistin Beryl.

Und auch andere Aktive legten sich ordentlich ins Zeug: Unter dem Motto „Wer lehrt?“ organisierten Studierende im Mensa-Foyer ein Teach-in zu den Arbeitsbedingungen der Lehrenden. Andere diskutierten in Workshops zu den Protesten der 1968er-Bewegung oder zur Atmosphäre in Seminaren. Zum Abschluss des Protesttages trafen sich Bildungsprotestler aus ganz Berlin vor der HU zum Picknick und Livemusik.

Ob die Meuterei der Studierenden tatsächlich Früchte trägt, wird sich noch zeigen. Über weitere Aktionen klärte das Bündnis „Lernfabriken…meutern!“ nicht auf.

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2008

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