Schönheit zwischen Touristenmassen

Natur und Kultur in rauen Mengen. In Kroatien schlagen Touristenherzen höher. Erkundet man das Land mit dem Auto, lassen sich sogar noch mehr Schätze des Landes entdecken. Von Anke Schlieker

Charakteristisch. Von oben lassen sich die markanten roten Dächer Kroatiens gut überblicken. Foto: Anke Schlieker

Charakteristisch für Kroatien. Von oben lassen sich die markanten roten Dächer in Zagreb gut überblicken. Foto: Anke Schlieker

Die Sonne brennt, es sind 30 Grad Celsius in der südkroatischen Stadt Dubrovnik. Hinter uns liegen die roten Dächer der Weltkulturerbestadt, 25 Meter unter unseren Füßen zerbersten Wellen an den Felsen und der Stadtmauer Dubrovniks, in der Ferne erheben sich einige der mehr als eintausend Inseln Kroatiens aus der Adria. Dass wir es auf unserer Reise bis hierher geschafft haben, ist nicht selbstverständlich.

Auf der Rundreise durch drei Staaten des ehemaligen Jugoslawien – Slowenien, Kroatien und Bosnien-Herzegowina – gab es einige Situationen, die die Reise zum Scheitern hätten bringen können. Vor allem Bosnien hielt einiges für uns bereit: Keine einzige Straße des Landes ließ sich im Navi finden und Englisch sprachen nicht einmal die Mitarbeiter im Touristenzentrum. Mit Gesten und klassischen Autokarten ließ sich schließlich doch einiges finden. Selbst Kroatien, dessen Grenze nicht einmal ausgeschildert war.

Doch die Umwege lohnen sich. Kroatien hebt sich durch seine Vielfalt an Natur und Kultur von anderen Staaten der Region deutlich ab. Neben dem Reichtum an Inseln besitzt das Land eine knapp 6000 Kilometer lange Küste – das Dreifache der ganzen deutschen Küste. Mit seinem acht Nationalparks und sieben Orten, die die UNESCO ausgezeichnet hat, kann Kroatien Touristenherzen glücklich machen. Jährlich reisen hier etwa zehn Millionen Menschen hin, um den 1700 Jahre alten Palast des römischen Kaisers Diokletian in Split zu sehen oder am Strand der Adria den Blick auf die Weltkulturerbestadt Trogir zu richten.

Naturschönheit und Massentourismus

Auch noch im Spätsommer sind die Kulturhochburgen Split und Dubrovnik an der Südküste Kroatiens so von Touristen überlaufen, dass man fast deren Schönheit übersehen könnte. Von der Stadtmauer Dubrovniks aus jedoch bietet sich eine perfekte Sicht auf die Altstadt, die mit ihren markanten roten Dächern zum Weltkulturerbe gehört. Von dort aus verschwinden dann sogar die Touristenmassen in den schmalen, historischen Gassen.

Bereist man das Land mit dem Auto, kann man dem ständigen Trubel an Touristen einfach entkommen und Orte besuchen, die sonst nur schwer zu erreichen sind. Die Salzseen auf der Insel Mljet beispielsweise lassen sich sonst nur mit der Fähre und einem anschließenden langen Fußmarsch erreichen. Und die Autofahrten selbst lassen einen ganz anderen Blick auf das Land zu und bieten zeitweise ein schöneres Panorama als jede Aussichtsplattform: Tiefblau erstreckt sich die Adria am Fuße der Serpentinenstrecke von Split nach Dubrovnik. Durchsetzt von kleinen, grünen Inselgruppen erinnert dieser Teil Kroatiens an die schönsten Stellen Thailands.

Zagreb – unerkannte Vielfalt

Als Kontrast zur Naturschönheit der Küste erreicht man mit der kroatischen Hauptstadt Zagreb eine moderne europäische Metropole. Ungewöhnlich viele Museen lassen die ganze kulturelle Spannbreite Kroatiens spürbar werden. Das gilt vor allem auch für die Architektur. Hier lässt sich sowohl der Einfluss der österreichisch-ungarischen Monarchie, als auch des sozialistischen Jugoslawien erkennen. Häuserzeilen, die ebenso gut in Wien stehen könnten, stehen zwischen Plattenbauten und Supermarktketten die noch ähnlich wie in der DDR den Namen „Konzum“ tragen.

3500 Kilometer Autofahrt –also etwa so lang wie vier Mal von Kiel nach München – und zwölf überquerte Grenzen können anstrengend sein. Trotzdem lohnt es sich: Durch das Autofenster betrachtet, ist Kroatien einfach anders als nur vom Strandhandtuch aus.

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2008

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