Neue Wege aus der Krise

Auf Heimatbesuch bemerkt Cecilia T. Fernandez, dass sich Kuba seit der Krise der 1990er-Jahre sehr verändert hat. Statt auf Zucker setzt die Insel nun auf Dienstleistungen. Doch nur Wenige profitieren.

Die kubanische Hauptstadt lockt reichlich Touristen – und Auswanderer auf Heimatbesuch. Foto: privat

Havannas Küstenpromenade lockt viele Touristen. Doch auch Kubaner verbringen hier gerne ihre Abende. Foto: privat

Kuba hat sich verändert. Das ist vielleicht nicht auf den ersten Blick augenscheinlich: Auf den Straßen Havannas klappern noch die sowjetischen Autos über tiefe Schlaglöcher, die Farbe blättert von den brüchigen Häuserfassaden. Hier und da prangt auf einer Werbetafel in verblassenden Lettern einer dieser Sprüche, die schon seit mehr als 50 Jahren das Stadtbild zieren. „Patria o muerte – venceremos“, „Das Vaterland oder der Tod – wir werden siegen“, heißt es da zum Beispiel.

Doch genau hier, zwischen alltäglicher Not und altrevolutionärem Impetus, stehen auch die ersten Zeichen des Wandels. In manch einer Garage befindet sich eine privat betriebene Bar mit Ledersitzen und ausführlicher Cocktailkarte. Was von außen wie ein gut erhaltenes Wohnhaus wirkt, ist vielleicht ein edel ausgestatteter Nachtclub.

Wachstum – aber für wen?

Das Gastronomiegewerbe blüht – teils dank der Reformen, die das Regime unter Raúl Castro getroffen hat. So erließ die Regierung 2011 ein Gesetz, das selbstständige Tätigkeit erheblich erleichterte. Zwar legalisierte diese Regelung auch etliche bereits bestehende Geschäfte, die bis zu jenem Zeitpunkt schlichtweg illegal betrieben wurden. Doch die schiere Anzahl an neuen Bars, Restaurants und Gasthäusern von privaten Betreibern suggeriert, dass Gesetz auch eine anregende Wirkung hatte.

Doch wer besucht diese Etablissements, in denen man an einem Abend auch mal das durchschnittliche Monatseinkommen eines Kubaners – knapp 22 Euro – wegtrinkt? Natürlich Touristen.

Mitte der 1990er-Jahre, während der schwersten Wirtschaftskrise in der Geschichte des Landes, überholte der Tourismussektor erstmals die Zuckerwirtschaft als bedeutendsten Sektor des Landes. Eine Sensation. Das Zeitalter des Tourismus brach an. Seitdem steigen die Besucherzahlen – allein im ersten Drittel dieses Jahres sollen es mehr als eine Million gewesen sein.

Jenseits des Tourismus ist das Leben schwer

Auf sie sind die neuen Geschäfte angewiesen. Doch neben ausländischen Touristen spülen auch andere Reisende ordentlich Geld in die Kassen – kubanische Auswanderer stellen mittlerweile die zweitgrößte Besuchergruppe. Ihnen vereinfacht eine Neuerung des kubanischen Migrationsgesetzes die Einreise. Sie kurbeln nicht nur den Tourismus- und Gastronomiesektor an, auch ihren Familien leisten sie oft lebensnotwendige finanzielle Hilfen.

Denn von einem kubanischen Gehalt allein lässt es sich weiterhin kaum leben. Wer nicht in den florierenden Sektoren arbeitet, führt ein Leben voller Entbehrungen. Selbst gut ausgebildete junge Menschen haben selten Aussicht auf eine ausreichende Bezahlung – zumindest nicht, wenn sie im Land bleiben wollen. Chronischer Wohnungsmangel sorgt für heillos überfüllte Häuser. Viele Produkte gibt es nur auf dem Schwarzmarkt zu kaufen und etliche Geschäfte werden deshalb immer noch hinter dem Rücken der Regierung abgewickelt.

Exportgut Fachkraft

Der Wandel, er ist erst bei Wenigen angekommen. Trotzdem schreitet er weiter. Schon jetzt hat die Regierung ein neues lukratives Exportgut gefunden: Fachkräfte. In mehr als 60 Ländern behandeln kubanische Ärzte die lokale Bevölkerung. Die Regierung erhält dafür kostbare Devisen, teils auch Erdöl. Diese Branche soll den Tourismussektor als Einnahmequelle bereits überholt haben. Doch auf den Straßen Havannas warten die Menschen noch darauf, dass diese Veränderungen ihren Alltag erleichtern.

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2008

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