Das beste Spiel des Jahres

Undertale reißt die Grenze zwischen Spiel und Spieler auf. Klassisches Rollenspiel, Arcade-Shooter und großartiges Storytelling verbinden sich so zu einem einzigartigen Erlebnis. Von Enno Eidens

Überraschung - statt einen fairen Kampf ausztragen müssen wir auf einmal fiese Quizfragen des narzistischen Killerroboters Mettaton beantworten. Foto: Undertale / Screenshot von Enno Eidens.

Überraschung – statt einen fairen Kampf auszutragen, müssen wir auf einmal fiese Quizfragen des narzistischen Killerroboters Mettaton beantworten. Foto: Undertale / Screenshot von Enno Eidens.

Videospiele können vieles. Mitreißen, verzaubern, schockieren. Undertale, die kleine Indie-Perle von Entwickler Toby Fox aus New Hampshire, lässt es nicht dabei. Denn Undertale will nicht nur unterhalten. Als künstlerisches Werk hat Undertale eine Message. Das Spiel durchbricht regelmäßig die vierte Wand und richtet sich an den Spieler selbst, bleibt aber dabei im Kern immer noch ein Videospiel. Ein wunderbares, einzigartiges und kreatives Videospiel. Eins, dem man die Liebe und Mühe der Entwickler an jedem Pixel ablesen kann. Aber mal langsam. Was ist Undertale denn überhaupt für ein Spiel?

Verloren in der Welt der Monster

Undertale ist ein ganz klassisches Rollenspiel, wie es in den 90er Jahren auf jedem Computer hätte zu Hause sein können. Die Hintergrundgeschichte ist einfach: Seit dem letzten Krieg der Menschen gegen die Monster wohnen die letzteren unter der Erde, eingesperrt und versiegelt hinter einem unzerstörbaren Portal. Unser Held, ein kleines Kind, gerät bei einer Wanderung durch einen blöden Zufall in diese Welt. Hier ist alles ein bisschen anders.

Trotz dieser gewissen Absurdität fühlt sich die Welt der Monster aber extrem authentisch und der unseren gar nicht so unähnlich an. Dennoch geht es uns als Spieler nur um eins: diese Welt zu verlassen. Dafür schlägt unser Held sich durch ein knapp sechsstündiges Abenteuer in den verschiedenen Gebieten der Monsterwelt. Dabei müssen Monster sowie deren Puzzle überwunden werden. Klingt simpel? Ist es nicht. Undertale weiß wie kein anderes Spiel Geschick und Intelligenz der Spieler zu fordern.

Kämpfe ganz ohne Gewalt

Kern des Spiels sind die Begegnungen mit den Monstern. Bekämpfen wir die Monster im klassischen rundenbasierten Duell oder versuchen wir, den Kampf gewaltfrei zu lösen? Sei es durch ein ruhiges Gespräch, einen Flirt oder einen Witz – absolut jeder Begegnung im Spiel kann man ohne Angriff aus dem Weg gehen. Dies ist im Endeffekt zwar auch nur ein digitales Ratespiel, bietet dank der glaubwürdigen Dialoge aber deutlich mehr Tiefgang als ein klassisches Gefecht.

Doch auch dieses hat es in sich. Greifen nämlich die Monster unseren Protagonisten an, beginnt ein Minispiel. In diesem müssen wir nach klassischer Arcade-Shooter-Manier feindlichen Projektilen ausweichen. Das ist extrem anspruchsvoll und macht Spaß. Die Angriffe der Monster werden dabei an einigen Stellen zu großartigen Stilmitteln: Ein hinscheidender Endgegner ohne Kraft will sich mit seiner Niederlage nicht abfinden. Traurige Musik, verzweifelte Worte und immer weniger virtuelle Geschosse, die er uns entgegenschleudert, bis wir zu guter Letzt nur noch einer seiner Tränen ausweichen müssen. Dazu ein beeindruckend glaubwürdiger Monolog. Wow!

Undertale zwingt uns konsequent, Entscheidungen zu treffen, bereitet uns jedoch nie darauf vor. Deshalb kann es passieren, dass man am Schluss unzufrieden ist. Nicht mit einem der zahlreichen Spiel-Enden, sondern mit sich selbst. Trotzdem wird niemand diese Erfahrung bereuen. Denn Undertale ist zwar vielleicht weder technisch noch spielerisch ein Meilenstein. Undertale ist ein einzigartiges digitales Erlebnis, das jede Minute wert ist.

Undertale kostet knapp 10€ und kann auf Mac oder PC gespielt werden. Fachpresse und Spieler vergaben für das durch Kickstarter finanzierte Projekt weltweit Höchstwertungen, die sogar den Genreprimus Half Life² kurzzeitig vom Thron stießen.

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2010

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