Lieber Fachidiot als Tausendsassa!

Experten attestieren Universitäten, nur Fachidioten zu produzieren. Schuld daran sollen Studiengänge wie Pferdewissenschaften an der FU sein. Eva Famulla kontert: konkrete Studienrichtungen sind besser als Einheitsbrei.

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Glaubt man dem deutschen Wissenschaftsrat, tummeln sich an den Universitäten bald nur noch Fachidioten. Mit ihren zunehmend stark spezialisierten Bachelorstudiengängen erschwerten sie den Berufseinstieg für Studierende, kritisierte der Rat in einer Studie.

Qual der Auswahl

Tatsächlich kann man schnell den Durchblick bei der Masse an Studiengängen verlieren. Und die Vielfalt an Angeboten scheint jedes Jahr zu wachsen. So kann man an der FU Pferdewissenschaften studieren, in Stuttgart gibt es einen Bachelor im Fach Blockflöte, in Hamburg steht Coffeemanagment auf dem Lehrplan, in Kiel können Friesen Frisistik studieren und die Hochschule Bremen bietet Angewandte Freizeitwissenschaften an. Hätte ich das früher gewusst! Studieren wie man faulenzt! Großartig.

Das vielfältige Angebot erschwert natürlich auch die Entscheidung. Wenn ein Schulabgänger nicht weiß, was er genau will, kann es eine ganze Weile dauern, bis er die knapp 10.000 Studiengänge auf hochschulkompass.de durch hat. Mal abgesehen davon, dass er dann auch nicht unbedingt schlauer ist, weil viele der Studiengänge mit ausgefallenen Namen werben, unter denen sich kaum jemand etwas Konkretes vorstellen kann.

Breite Grundausbildung für mehr Übersichtlichkeit

Deswegen appelliert der Wissenschaftsrat an die Hochschulen, ihr Angebot auf fachlich breit angelegte Studiengänge zu begrenzen. Dies würde zum einen die Übersichtlichkeit des Studienangebotes erhöhen und zum anderen durch ein breiteres Grundstudium die „beruflichen Einsatzmöglichkeiten“ erhöhen. Stichwort Flexibilität und Anpassung an den Arbeitsmarkt also.

Aber ganz ehrlich, ist nicht gerade die Tendenz, dass viele neue Studiengänge zu breit angelegt sind? „Von allem ein bisschen, aber nichts richtig“, das scheint das Motto hinter vielen Studiengängen zu sein. Oder wie es die Wissenschaftler sagen: Interdisziplinarität. European Studies, Global Studies, Future Studies. Spezialisierung ist oft gar nicht so falsch! Wer Blockflöte studiert, kann halt auch einfach nur Blockflötenlehrerin werden oder ein Orchester finden, das Blockflöte für ein sinnvolles Instrument hält. Eine sehr klare Vorstellung, ist doch super!

Der Weg zum Traumjob

Außerdem: geht es auf dem Arbeitsmarkt nicht oft nur noch darum, studiert zu haben? Ein Papier vorweisen zu können? Den eigentlichen Job lernt man doch meistens ohnehin erst beim Arbeiten. Aber vor allem: Sollte man nicht auch die Studierenden zu Wort kommen lassen?

Wer eine sehr konkrete Studienrichtung wählt, hat vielleicht auch schon sehr konkrete Vorstellungen, was er damit anfangen möchte. Dann ist es doch legitim, genau das zu studieren. Und ob die Horden an BWLern, Psychologen, Sozialarbeitern, Politikwissenschaftlern oder Historikern wirklich die besseren Einstiegschancen in das Berufsleben haben, steht sowieso in den Sternen. Letztendlich entscheiden Engagement und Leidenschaft, wer den eigenen Traumjob bekommt.

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2008

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1 Response

  1. Gregor FU sagt:

    ein furios, grandioser Kommentar. Endlich weiß ich, dass ich doch das richtige Studiere. 😉

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