Die Hausarbeit muss bleiben

Die Uni ohne Hausarbeiten – ein Traum? Die wenigsten Studenten würden der zeitaufwendigen Prüfungsform nachtrauern. Doch wir können auf sie nicht verzichten, mahnt Cecilia T. Fernandez.

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Sie rauben uns die Freizeit und häufig auch die Nerven – für Hausarbeiten können sich die wenigsten Studenten begeistern. ZEIT-Autorin Susan Djahangard plädierte deshalb jüngst für eine größere Vielfalt der Prüfungsformen. Hausarbeiten verkämen im Laufe des Studiums zur eintönigen Routine. Ein selbstgedrehter Dokumentarfilm oder eine Podiumsdiskussion – das wären doch neue, spannende Wege, sich mit den Inhalten des Studiums auseinanderzusetzen.

Kreativere Prüfungsformen, das klingt erst einmal gut. Doch das Ziel eines Studiums ist einfach nicht, sich Inhalten auf möglichst außergewöhnliche Art zu nähern. Ein Studium soll Techniken der wissenschaftlichen Arbeit vermitteln, auf die berufliche Laufbahn vorbereiten. Und dafür sind Hausarbeiten unerlässlich.

Die wichtigsten Lektionen des Studiums

Eine gute Fragestellung finden, sich mit ihr eingehend beschäftigen und eine strukturierte Antwort formulieren, die sich dabei kritisch mit Quellen und Daten auseinandersetzt – das gehört nicht nur zu Hausarbeiten. Sondern ist auch die Grundlage des akademischen Arbeitens. Und auch in den meisten anderen Berufen sind die Fähigkeiten, die man dadurch erlernt, gefragt. Wer kritisch denken und strukturiert argumentieren kann, hat auch im Arbeitsleben größere Chancen auf Erfolg.

Im Laufe des Studiums bekommen die meisten Studierenden deshalb mehrere Möglichkeiten, diese Techniken zu trainieren. Denn die grundliegenden Arbeitsschritte wiederholen sich bei jedem Text und ja, im besten Fall fühlt sich die zehnte Hausarbeit weniger einschüchternd ein als die erste. Das kann man dann, wie Djahangard, als routiniert bezeichnen – oder vielmehr als einen Lernprozess.

Dass Djahangard über Eintönigkeit klagt, wirkt daher nicht nur arrogant, sondern auch wie ein Zeichen ihrer eigenen Einfallslosigkeit. Wer die Techniken des wissenschaftlichen Arbeitens nach der ersten Hausarbeit makellos beherrscht, dem sei erstmal bewundernd gratuliert. Der befindet sich damit aber in der Unterzahl. Und hat dennoch keinen Grund, der Langeweile anheim zu fallen.

Die Hausarbeit ist, was man daraus macht

Denn Hausarbeiten sind so anspruchsvoll, wie man sie selbst gestaltet. Wer mit eng gefassten Fragestellungen sicher umgehen kann, dem steht völlig frei, sich den komplexen Fragen des Lebens anzunehmen. Wer bei der Themenwahl stets auf Nummer sicher geht und sich dann gelangweilt fühlt, ist ehrlich gesagt selbst schuld.

Und nicht nur in der Themenwahl lassen Hausarbeiten viel Raum für eigene Schwerpunktsetzungen. Sie ermöglicht Studierenden auch, in den für sie angenehmsten Bedingungen zu arbeiten und ihre Zeit selbstständig zu verwalten. An Universitäten, an denen fast jeder Schritt genormt ist, sind Hausarbeiten letzte Bollwerke der studentischen Freiheit.

Andere Prüfungsformen können die Hausarbeit schlichtweg nicht ersetzen. Was nicht heißen muss, dass sie nicht als zusätzliche Lehrform dienen können. Schließlich fördern kreative Zugänge zu Inhalten originelle Perspektiven. Doch nicht jeder Student wird nach dem Studium im Stande sein, einen Dokumentarfilm zu drehen – und muss es auch nicht. Indes sollte jeder Studierende spätestens nach dem ersten Abschluss die Grundtechniken des wissenschaftlichen Arbeitens beherrschen. Und die trainiert keine Prüfungsformen so eindringlich wie die Hausarbeit.

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2008

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