Raving gegen den Protest

Endlich hört ihnen jemand zu. Am Freitag tauschten Professoren wissenschaftliches Know-How gegen DJ-Expertise. Unter ihnen FU-Präsident Peter-André Alt. Doch sein Auftritt verlief nicht ungestört. Von Julian Hettihewa

Präsident Peter-André Alt wartet auf seinen Auftritt. Foto: Julian Hettihewa

Präsident Peter-André Alt wartet auf seinen Auftritt. Foto: Julian Hettihewa

Ein wenig Aufregung ist wohl manchmal dabei. Aufmerksam stehen die Professoren im Halbkreis um den DJ. Im Backstage-Bereich erhalten sie die letzten wichtigen Tipps und Tricks, damit der Auftritt ein Erfolg wird. Aber die Sehnsucht der DJs in spe gilt momentan nur noch einer Sache: Ohropax. Schließlich müssen sie den Lärm der grölenden Menge irgendwie überstehen.

Wie jedes Jahr treten Professoren der großen Berliner Unis in einem DJ-Wettstreit gegeneinander an. Vergangenen Freitag wurde das DJ-Pult des Clubs „Postbahnhof“ zum Mittelpunkt des Spektakels „Mein Prof ist ein DJ“. Unter den Wettstreitern war auch FU-Präsident Peter-André Alt. Mit heller Jeans und weißem aufgeknöpften Hemd stellte er sich der johlenden Zuschauermenge.

Kritiker stürmen die Bühne

Doch kurz nach Beginn der Einlage Alts stürmten mit Strümpfen maskierte Personen auf die Bühne und störten den Auftritt des Präsidenten. Vier Vermummte hielten Transparente mit der Aufschrift „Abzugeben – Präsident sucht neuen Campus“ hoch. Eine weitere Person filmte den Ablauf. Es brauchte ein paar Minuten bis sie die Bühne verließen, nichtsdestotrotz waren weiterhin Plakate im Publikum zu sehen. Eins trug die eindeutige Botschaft: „Peter wir lieben dich (nicht)“. Alt führte jedoch seinen Auftritt fort und tanzte unbeirrt weiter. Kritiker und Präsident kamen sich noch nie so nahe.

Auf die Frage, ob Party vielleicht das pädagogische Konzept sei, das AStA und Präsident zusammenführen könnte, antwortete er blitzschnell: „Unbedingt, ich bin ausgesprochen tanzfreudig“. Deswegen war auch von vornherein für ihn klar, dass er antreten würde, als die Anfrage der Veranstaltungsreihe „Professorennacht“ kam. Denn trotz der Akademikerkarriere blieb Alt der Musik und Party immer eng verbunden. Er feierte nicht nur mit Weißwein im legendären Klub „Dschungel“, sondern sammelte selbst als Bandmitglied in den 1980ern Erfahrung im Musikgeschäft. Zwar tauschte er den Rock ’n‘ Roll gegen eine Habilitation ein, jedoch fürchtet er als Präsident und DJ nicht um seine Street Credibilty: „Ich habe das Gefühl, dass ich nichts verlieren kann. Das ist wie Olympia – dabei sein ist alles.“

Präsident beweist Tanzfertigkeiten

Und ganz nach diesem Motto gab Alt auch alles während seines Auftritts. Nachdem er sich die Kopfhörer aufsetze und einer kurzen Einweisung des assistierenden DJs folgte, begann auch schon sein erstes Lied zu spielen. „Don’t Stop Me Now“, „A Little Party Never Killed Nobody“ und „Let’s Dance“ brachten nicht nur das studentische Publikum ins Schwitzen. Auch der Präsident tanzte hinter und vor dem Mischpult ordentlich. Er präsentierte nicht nur interessante Techniken des bekannten ‚Partyfingers‘. Zur Begeisterung des Publikums bewies er auch seine Fertigkeiten in der Disziplin der Hüftbewegung. Nach zwanzig Minuten war das Set vorbei und der Präsident verließ die Bühne. Auf die letzte Frage des Abends, was er von der Störaktion halte, antwortete er gelassen: „Wenn sie gleichzeitig dabei tanzen, wie sie es gemacht haben, ist das doch okay.“

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2010

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