Experten für Experten

Expertenmeinung ist gleich Tatsache? Studierende der Angewandten Literaturwissenschaften haben das kritisch hinterfragt und ein Buch herausgebracht. Von Alena Gößling.

Reich illustriert und informativ: Auf dem Markt der Experten. Foto: privat

Egal wohin wir blicken, auf jedem Bildschirm und in jedem Radio, auf den Studiosofas dieser Republik lauern sie: Die Experten. Von ihnen dürfen wir uns täglich mit ihren vorgefertigten und gebetsmühlenartig wiedergegebenen Meinungen die Welt erklären lassen. Können sie das überhaupt? Was genau macht einen Menschen zum Experten? Reicht „eine Meinung haben“ schon aus? Wann brauchen wir überhaupt einen und viel wichtiger: wann brauchen wir ihn nicht?

Diese Fragen haben sich die Studenten des Masterstudiengangs „Angewandte Literatur“ an der Freien Universität Berlin gestellt und haben nun im Zuge des Seminars „Bücher machen!“ ein Buchprojekt zum Thema Experten entwickelt. In fünf Kapiteln präsentiert das Buch Essays, Interviews und Berichte bekannter Autoren, die das Thema Experten aus unterschiedlichen Blickwinkeln kritisch beleuchten: Zu Experten in den Medien äußern sich Zeit-Kolumnist Harald Martenstein und Ralph Caspers, vielen bekannt aus der Sendung mit der Maus. Ein ganzes Kapitel widmet sich unter dem Titel „Wer zieht hier die Fäden?“ dem „Lobbyismusdschungel“ und fragt nach der Bedeutung von Expertise in der Politik. Darüber hinaus greift das Buch aber auch gesamtgesellschaftliche Themen wie den Informationsüberfluss und persönliche Themen wie die Glücksforschung auf. So äußert sich Lebenskunst-Philosoph Wilhelm Schmid im Gespräch zum Wert von Glücksratgebern und betrachtet kritisch den Umgang mit Experten im privaten Alltag.

Blick auf den Expertenmarkt

Die an der Redaktion beteiligte Studentin Marie Krutmann ordnet das Buch folgendermaßen ein: „Es ist nicht unser Ziel endgültige Antworten zu geben oder eine bestimmte Meinung festzulegen. Wir wollen unsere Leserinnen und Leser vielmehr an die Hand nehmen und uns gemeinsam einen Weg über den Markt der Experten bahnen.“ Mit den Kapiteln zu unterschiedlichen Themenbereichen soll das Buch einen Überblick über den vielfältigen Markt der Experten ermöglichen und auch die Frage aufwerfen, ob und wie viele Expertenmeinungen wirklich gebraucht werden.

Die Studenten haben auch einen persönlichen Zugang zum Thema gefunden, wie Marie erklärt: „Wir alle zählen zur sogenannten Generation Y, der man gerne vorwirft, sie sei entscheidungsfaul, orientierungslos und unpolitisch. Indem wir mit dem Buch die Vorgänge innerhalb unserer Gesellschaft und die medialen Entwicklungen kritisch hinterfragt haben, wollten wir Vorwürfen wie diesen die Stirn bieten.“

Aufwand über den Seminarraum hinaus

Entsprechend bedeutete die Betreuung des Projektes einen hohen Aufwand, der weit über andere Seminare hinausging. Marie sieht sich aber angemessen belohnt: „Es war auf jeden Fall eine wichtige Erfahrung für mich, dieses Projekt von ganz vorne bis zum fertigen Buch zu begleiten.“ Das Ergebnis des Buchprojektes, das von den Studenten fast vollständig in Eigenverantwortung erarbeitet und selbstständig durch Crowdfunding finanziert wurde, ist beeindruckend.

„Auf dem Markt der Experten“ ist letzten Monat im Verlag Edition Büchergilde erschienen. Es kostet 18,95 Euro und für jeden zu empfehlen, der sich über den Expertenmarkt in Deutschland einen Überblick verschaffen und eine eigene Meinung bilden möchte.

Autor*in

FURIOS Redaktion

Unabhängiges studentisches Campusmagazin an der FU seit 2008

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